Thyssenkrupp-Werk in Duisburg

Milliardenverlust ThyssenKrupp: Problemsparte Stahl

Stand: 13.08.2020, 08:21 Uhr

Auch das noch. Der schlingernde ThyssenKrupp-Konzern ist wegen des coronabedingten Stillstands der Wirtschaft noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die Anleger sind entsetzt.

Im morgendlichen Handel verliert die im MDax notierte Thyssen-Aktie über fünf Prozent. Dabei hatte sich die auf dem Höhepunkt der Corona-Krise im März auf 3,52 eingebrochene Aktie gerade wieder etwas erholt.

Und nun das. Die Stahlsparte trug in den letzten Monaten maßgeblich dazu bei, dass der Konzern im fortgeführten Geschäft - das heißt ohne das veräußerte Aufzugsgeschäft - in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) operativ einen Fehlbetrag von 1,12 Milliarden Euro einfuhr. Der Nettoverlust summierte sich auf 819 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Minus bei 229 Millionen Euro gelegen.

700 Millionen Miese allein im Stahlgeschäft

Dabei schlug allein der Verlust im Stahlgeschäft mit rund 700 Millionen Euro zu Buche. In den übrigen Geschäften sieht der Konzern Hoffnungsschimmer. "Abhängig von der Dynamik der gerade beginnenden Wiederaufnahme der Produktion bei Kunden erwartet Thyssenkrupp für das vierte Quartal mit möglicher Ausnahme von Steel Europe in nahezu allen Geschäften eine stabile Entwicklung oder eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorquartal."

Dennoch rechnet der Vorstand um Chefin Martina Merz im Schlussquartal mit einem negativen bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern im mittleren bis höheren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Für das Gesamtjahr sei damit ein Verlust von 1,7 bis 1,9 Milliarden Euro wahrscheinlich. Dabei erwartet Thyssenkrupp allein für den Stahlbereich einen Verlust von bis zu gut einer Milliarde Euro.

"Anzeichen für Stabilisierung"

"Inzwischen sehen wir zwar Anzeichen für eine Stabilisierung. Aber die anstehenden Restrukturierungen und das Aufräumen unserer Bilanz werden das Ergebnis im laufenden Quartal weiter belasten", betonte Merz.

"Mit den Erlösen aus dem Aufzuggeschäft können wir diese überfälligen Maßnahmen endlich konsequent angehen." Thyssenkrupp hatte im Frühjahr seine einzige Ertragsperle für 17,2 Milliarden Euro verkauft.

lg/rtr/dpa