Thyssenkrupp-Werk in Duisburg

Tiefrote Zahlen im ersten Quartal Thyssenkrupp: Es wird schlimmer

Stand: 13.02.2020, 08:54 Uhr

Das schwächelnde Stahlgeschäft hat Thyssenkrupp im ersten Quartal tiefrote Zahlen beschert - während eine Entscheidung über die Zukunft der Aufzugssparte auf sich warten lässt.

Tatsächlich ist im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 ein Nettoverlust von 372 Millionen Euro angefallen, nach einem Gewinn von 60 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, teilte der Konzern mit. Das ist deutlich mehr als von Analysten erwartet worden war.

Das Ergebnis sei neben dem operativen Geschäft von höheren Zinsaufwendungen für die auf über sieben Milliarden Euro gestiegenen Netto-Finanzschulden sowie Kosten für Restrukturierungen und dem Verkauf der Aufzugssparte belastet worden. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) schrumpfte auf 50 Millionen Euro, nach 217 Millionen im Vorjahr, wobei die Stahlsparte einen Fehlbetrag von 164 Millionen einfuhr. Gleichzeitig fiel der Konzernumsatz um ein Prozent auf knapp 9,7 Milliarden Euro.

Zahlen können nicht begeistern

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,84
Differenz relativ
+0,37%

"Die aktuellen Zahlen können nicht begeistern", räumte Vorstandschefin Martina Merz ein. Sie sei aber überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Der Konzern verbessere seine Performance und komme auch bei den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über eine neue Strategie für die Stahlsparte voran.

Die Entscheidung über die Aufzugssparte, für die das Unternehmen einen Börsengang oder Verkauf plant, stehe bevor. "Die Richtung stimmt", betonte die Managerin, die im Oktober die Führung des Ruhrkonzerns vom glücklosen Guido Kerkhoff übernommen hatte.

Ertragsperle Aufzugssparte

Die Aufzugssparte erwies sich im Quartal einmal mehr als Ertragsperle. Das operative Ergebnis kletterte um zwölf Prozent auf 228 Millionen Euro. Die Marge stieg um 0,5 Punkte auf 11,1 Prozent.

Im Geschäft mit Autoteilen konnte Thyssenkrupp etwas zulegen und im Großanlagenbau die Verluste verringern. Überschattet wurde dies jedoch durch die Einbußen der Stahlsparte. Dieser machen die gesunkene Nachfrage der Automobilindustrie, der Preisdruck und höhere Rohstoffkosten zu schaffen. Thyssenkrupp will hier rund 2.000 Jobs streichen, im gesamten Konzern sollen 6.000 der rund 161.000 Stellen wegfallen.

Verstärkt auf Stahl konzentrieren

Trotz der hohen Verluste will sich Thyssenkrupp künftig wieder verstärkt auf den Stahl konzentrieren, die Erlöse aus der Trennung vom Aufzuggeschäft sollen den Konzernumbau finanzieren. Zwei bis drei Jahre veranschlagt Merz für die Sanierung des Traditionsunternehmens.

In der Stahlsparte gab es dazu zuletzt Unruhe - so tauscht Thyssenkrupp den Chef wegen unterschiedlicher Vorstellungen über die Ausrichtung aus. Premal Desai wird sein Amt Ende Februar niederlegen, übernehmen wird Bernhard Osburg. Den Ausblick bekräftigte das Unternehmen.

Für den Umbau hat Thyssenkrupp einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag reserviert. Da auch der konjunkturelle Rückenwind fehlt, dürfte das Unternehmen im laufenden Geschäftsjahr 2019/20 noch tiefer in die Verlustzone rutschen als im Vorjahr, als Thyssenkrupp einen Jahresfehlbetrag von 260 Millionen Euro auswies. Das bereinigte Ebit sieht das Management in etwa stabil bei 802 Millionen Euro. Dabei dürfte sich das Stahlgeschäft schwächer entwickeln.

lg/rtr/dpa