Thyssenkrupp Quartier

"Kleiner, aber stärker", heißt die Devise Thyssenkrupp-Neuausrichtung kommt gut an

Stand: 19.05.2020, 18:12 Uhr

Nachdem sich der Stahlriese zur künftigen Konzernstrategie geäußert hat, steigt die Aktie weiter. Fest steht: Thyssenkrupp wird weiter schrumpfen. Im Stahlgeschäft könnte es zu einer innerdeutschen Fusion kommen.

Am Montag schloss die Thyssenkrupp-Aktie nach den Aussagen zur Konzernstrategie mehr als zehn Prozent im Plus. Am Dienstag setzte der Titel seinen Aufwärtstrend fort. Er schloss erneut rund fünf Prozent im Plus.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,60
Differenz relativ
+4,95%

Analyst Christian Obst von der Baader Bank setzte in einer am Dienstag vorliegenden Studie das Kursziel auf 7,50 Euro. Damit liegt er noch deutlich über dem aktuellen Kurs und rät entsprechend weiter zum Kauf. Der Schrumpfungsprozess sei notwendig, schreibt der Experte. Auch das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Thyssenkrupp auf "Buy" mit einem Kursziel von 10,00 Euro belassen.

Stahlfusion mit Salzgitter?

Wie der kriselnde Stahl- und Industriekonzern bekannt gab, werde er im Zuge seiner Neuausrichtung weiter schrumpfen. Den Werkstoffhandel sowie das Geschäft mit Industrie- und Automobilkomponenten will der Konzern aus dem Ruhrgebiet behalten. Für den Marineschiffbau und die Stahlsparte prüft Thyssenkrupp mehrere Optionen. Sowohl der Verbleib im Konzern als auch eine mögliche Fusion seien Optionen – Gespräche würden bereits geführt. Auch eine "deutsche Lösung" in der Stahlindustrie sei eine der Optionen - Präferenzen gebe es keine. Das "Handelsblatt" hatte am Montag berichtet, dass zu den Interessenten an der Stahlsparte die chinesische Baosteel, SSAB aus Schweden sowie erneut Tata Steel Europe gehören sollen.

Thyssenkrupp hält eine Fusion seines Stahlgeschäfts mit dem Konkurrenten Salzgitter für möglich. "An einer deutschen Lösung haben natürlich viele ein Interesse. Da haben wir einen großen Gestaltungsspielraum", sagte Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz der "Süddeutsche Zeitung" in einem Vorabbericht vom Mittwoch. Der Managerin zufolge kennen sich sie und Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann schon lange. "Wir vertrauen uns, das ist eine gute Grundlage für Gespräche", sagte die Managerin.

Sie verfolge aber alle Optionen und werde sich nicht zu früh auf eine Möglichkeit festlegen. So schließt Merz einen Verkauf der Sparte an chinesische Investoren nicht aus. "Ich habe schon oft erlebt, dass Lösungen zuerst auf Bedenken stoßen - und dass sich das dann aber auch ändern kann", kommentierte sie entsprechende Spekulationen.

"Corona hat uns Strich durch die Rechnung gemacht"

Merz räumte ein, dass sie nach Amtsantritt im vergangenen Oktober zunächst geplant hatte, die Stahlsparte im Konzern zu halten. "Dann hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Eine Trennung von Geschäften mit einem Umsatz von sechs Milliarden Euro hat der Konzern bereits beschlossen. Dazu gehören neben dem Anlagenbau das italienische Edelstahlwerk, das Geschäft mit Antriebslösungen sowie Federn und Stabilisatoren, für die Thyssenkrupp Partnerschaften oder einen Verkauf anstrebt. Für die Bereiche Infrastructure, Grobblech und Battery Solutions prüft der Konzern einen Verkauf oder die Schließung von Standorten. Die Geschäfte beschäftigen rund 20.000 Mitarbeiter und würden künftig separat geführt hieß es. Hier sehe Thyssenkrupp keine "nachhaltige Perspektive".

Wandel zur schlanken Holding

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. | Bildquelle: imago images / Sven Simon

"Mit dieser Neubewertung des Portfolios haben wir schwierige und längst überfällige Entscheidungen getroffen, die wir jetzt konsequent umsetzen", sagte Konzernchefin Martina Merz. Thyssenkrupp werde "kleiner, aber stärker aus dem Umbau hervorgehen". Mit dem Umbau des Portfolios will Thyssenkrupp auch die Organisation ändern. Der Konzern soll sich zu einer Unternehmensgruppe eigenständiger Geschäfte mit einer Dachmarke und einer möglichst schlanken Holding wandeln, hieß es.

Durch die Corona-Krise nehme die Notwendigkeit zu einer weiteren Konsolidierung der Stahlindustrie weiter zu, da sich die bestehenden Überkapazitäten in Europa strukturell ausweiten würden, erklärte Thyssenkrupp. Auch sehe das Unternehmen gute Chancen, die Transformation zu einer klimaneutralen Stahlproduktion zu beschleunigen, wenn die Industrie ihre Kräfte bündele. Dennoch werde der Konzern seine jüngst veröffentliche Stahlstrategie weiter verfolgen. Diese sei unverändert richtig. Der Plan sieht den Abbau von 3.000 Arbeitsplätzen, die Optimierung des Produktionsnetzwerks sowie zusätzliche Investitionen von 800 Millionen Euro in den kommenden sechs Jahren vor.

Dividende 2022?

Den Aktionären macht Thyssenkrupp-Chefin Merz Hoffnung, dass es bald wieder eine Dividende geben könne. Es werde zwar schwierig, schon im nächsten Geschäftsjahr über eine Ausschüttung zu reden. "Aber wir streben eine Dividende für das darauffolgende Jahr an", sagte Merz der "Süddeutschen Zeitung".

ms/dpa-AFX