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Jahresprognose kassiert Thyssenkrupp: Kerkhoff wird handeln

Stand: 08.08.2019, 08:44 Uhr

Der Industriekonzern Thyssenkrupp rutscht immer tiefer in die Krise. Vorstandschef Guido Kerkhoff verabschiedet sich von der Prognose und stellt jetzt einige Geschäftsbereiche zur Disposition.

„Dass Geschäfte ohne klare Perspektive dauerhaft Geld verbrennen und damit Wert vernichten, den andere Bereiche erwirtschaftet haben, wird es jedenfalls in Zukunft nicht mehr geben“, betonte Kerkhoff. Zur Disposition stellte der Konzern das Geschäft mit Federn und Stabilisatoren für die Automobilindustrie sowie mit Grobblechen.

Ebenfalls auf der Liste steht der Bau von Produktionsanlagen für die Automobilindustrie. Die drei Bereiche stünden für vier Prozent des Konzernumsatzes, aber für ein Viertel des im laufenden Geschäftsjahr zu erwartenden Kapitalabflusses.

Für die Geschäfte soll nun ein Sanierungskonzept erstellt werden. Sollte eine Restrukturierung nicht gelingen oder möglich sein, würden andere strategische Optionen geprüft. „Für eine Weiterentwicklung sehen wir durchaus Chancen, aber nicht notwendigerweise unter dem Dach von Thyssenkrupp“, so Kerkhoff.

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp. | Bildquelle: picture alliance/Ina Fassbender/dpa

Thyssenkrupp schrumpft und schrumpft

Tagesschau
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Thyssenkrupp hat große Pläne

Auch die frischen Zahlen zeigen, dass es einiges zu tun gibt: In den ersten neun Monaten schrumpfte das operative Ergebnis auf 683 Millionen Euro nach 1,3 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich fuhr der kriselnde Traditionskonzern einen Verlust von 207 Millionen Euro ein.

Das hat Konsequenzen für die Prognose. Nach schweren Einbußen insbesondere im Stahlgeschäft erwarte der Konzern im Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) nur noch ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebit) von rund 800 Millionen Euro nach 1,4 Milliarden im Vorjahr. Unter dem Strich werde es wie bereits angekündigt einen Verlust geben.

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg

Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg. | Bildquelle: picture alliance/Oliver Berg/dpa

Börsengang der Aufzugssparte

Kerkhoff will nun im kommenden Geschäftsjahr Teile der lukrativen Aufzugssparte an die Börse bringen: „Wir bereiten den Börsengang für Elevator vor, prüfen aber auch die vorliegenden Interessenbekundungen potenzieller Interessenten“, betonte der Manager. Mit der Sparte liebäugelt unter anderem der finnische Konkurrent Kone. Das Aufzugsgeschäft war in den ersten neun Monaten mit einem stabilen Gewinn von 642 Millionen Euro ein Lichtblick im Konzern.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,68
Differenz relativ
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Das Stahlgeschäft, das Kerkhoff vergeblich in ein Joint Venture mit Tata Steel bringen wollte, brach auf 77 Millionen Euro ein von zuvor 586 Millionen. Deutlich gestiegene Rohstoffkosten vor allem für Eisenerz sowie eine schwächere Nachfrage der Automobilkunden und Einbußen durch das Niedrigwasser des Rheins hätten das Ergebnis verhagelt.

Die Anleger haben schon seit längerer Zeit selten Freude mehr an der Aktie. In den vergangenen zwölf Monaten büßte das Papier mehr als 50 Prozent auf etwas mehr als zehn Euro ein. Immerhin scheinen die aktuellen Ankündigungen Kerkhoffs heute ganz gut anzukommen.

ts/dpa/rtr