Thyssenkrupp Quartier
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Aktivistischer Aktionär kauft angeblich Anteile ThyssenKrupp: Jetzt auch der Geierfonds

Stand: 22.05.2018, 13:58 Uhr

Dem Trend zu schlanken Unternehmen hat sich ThyssenKrupp bisher erfolgreich widersetzt. Vor allem der schwedische Finanzinvestor und Großaktionär macht Druck. Der könnte nun tatkräftige Unterstützung bekommen.

Einem Bericht der Agentur Bloomberg zufolge hat sich der Hedgefonds Elliott des aktivistischen New Yorker Investors Paul Singer bei ThyssenKrupp eingekauft. Singer könnte bereits in den kommenden Wochen auf mehr als drei oder fünf Prozent der Anteile kommen. Diese Schwellen wären dann mitteilungspflichtig.

Singer ist bekannt dafür, sich aktiv in Firmenpolitik einzumischen, um so den Wert seiner Beteiligungen nach oben zu treiben. Dabei sucht er sich oftmals Konzerne heraus, die umgebaut oder übernommen werden. Hierzulande mischte er unter anderem beim Verkauf des deutschen Generikaherstellers Stada aus Bad Vilbel mit.

Druck auf Hiesinger könnte zunehmen

ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger

ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger. | Bildquelle: Imago

Sollte sich die Nachricht bewahrheiten, dürfte der Druck auf ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger erhöhen, das Unternehmen zu verschlanken und letztlich aufzuspalten. Denn Konglomerate wie ThyssenKrupp sind derzeit bei vielen Aktionären unbeliebt, weil die als zu behäbig und undurchsichtig gelten.

Bei ThyssenKrupp verlangt vor allem der schwedische Finanzinvestor Cevian, mit rund 18 Prozent zweitgrößter Anteilseigner hinter der Krupp-Stiftung, eine Aufspaltung des Traditionskonzerns, der sich in die Sparten Stahl, Aufzüge, Fabrikanlagen und Handel gliedert. "Die aktuelle Konglomeratstruktur ist zu komplex und schwerfällig“, bemängelt Cevian-Gründer Lars Förberg. Hiesinger lehnt einen solchen Schritt ab. Bisher mit Erfolg, wie das Votum auf der letzten Hauptversammlung gezeigt hat.

Trend zu schlankeren Firmen

Hiesinger konzentriert sich derzeit auf die Zusammenführung des Stahlgeschäfts mit den europäischen Aktivitäten von Tata Steel. Der Konzern will sich von dem schwankungsanfälligen Stahlgeschäft trennen und stärker auf Industriegütergeschäfte wie Aufzüge oder Komponenten für die Autoindustrie setzen.

Der Trend zu schlankeren Konzernen schwappt aus den USA herüber. Jüngst hatte der Mischkonzern General Electric angekündigt, sich aufspalten zu wollen. Auch Siemens ist diesen Weg gegangen und hat seine Medizintechniksparte Healthineers an die Börse gebracht.

Großaktionär Cevian geht der Umbau von ThyssenKrupp viel zu langsam. In die gleiche Kerbe könnte nun Singer schlagen und eine Verschlankung des Konzerns fordern. An der Börse kommt die bisher unbestätigte Meldung eines Einstiegs des Elliott-Fonds in das Essener Unternehmen gut an. Der Aktienkurs springt an. Zeitweise legt das Papier um über acht Prozent zu.

lg