Thyssenkrupp Quartier

Neuer Aufsichtsratschef gefordert ThyssenKrupp: Investor stellt die Machtfrage

Stand: 14.12.2018, 08:29 Uhr

ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe. Nur wenige Wochen nach der Wahl eines neuen Aufsichtsratschefs, stellt der schwedische Investor Cevian die Entscheidung wieder in Frage - und will einen neuen Kandidaten. Dabei hat er offenbar einen mächtigen Verbündeten.

Der Kampf um die Neuausrichtung von ThyssenKrupp beginnt von Neuem. Nachdem sich der Aufsichtsrat erst vor wenigen Wochen und nach monatelangem Tauziehen auf den Bochumer Wirtschaftswissenschaftler Bernhard Pellens als Chef des Aufsichtsrats geeinigt hatte, fordert der schwedische Investmentfonds Cevian nun schon wieder die Ablösung Pellens.

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp. | Bildquelle: picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa

Cevian setzt sich offenbar für die frühere Bosch-Managerin Martina Merz als Nachfolgerin ein, verlautete aus Kreisen der Kontrolleure. Merz gehört dem Aufsichtsrat des kriselnden Essener Konglomerats erst seit wenigen Tagen an. Sie hatte einen der beiden Plätze übernommen, die mit den Rücktritten von Ulrich Lehner und René Obermann im Sommer frei geworden waren. Wegen der anstehenden Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata war es zum Streit unter den Aufsehern gekommen. Lange blieben die Posten der beiden Aufseher frei.

Auch die Krupp-Stiftung will Merz

Dabei haben die Schweden offenbar einen mächtigen Verbündeten: die Krupp-Stiftung. Sie ist mit 21 Prozent der Anteile vor Cevian mit 18 Prozent die größte Aktionärin der Thyssen-Krupp AG. Merz’ Wahl zur Nachfolgerin von Pellens wäre eine gute Lösung, hieß es im Umfeld der Stiftung.

Jetzt kommt heraus, dass offenbar weder Cevian noch die Krupp-Stiftung Pellens seine Aufgabe zutrauen. Dabei ist allerdings unklar, ob der 63jährige Pellens, der bereits seit 2005 im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp sitzt, überhaupt als Dauerlösung geplant war. Denn Pellens macht keinen Hehl daraus, dass er seinen Hauptjob als BWL-Professor in Bochum behalten will. Nach 15 Jahren im Aufsichtsrat kann er ohnehin nur bis 2020 weitermachen.

Nominierungsausschuss tagt

Nach zahlreichen Absagen und einer erfolglosen Suche hatte sich das Gremium im Oktober auf die Wahl von Pellens geeinigt, um die Debatte zu beenden. Abgesagt hatten zuvor Airbus-Chef Tom Enders, Ex-Bayer-Chef Marijn Dekkers sowie Ex-Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck.

Beschlossen ist die Veränderung an der Spitze des Aufsichtsrats damit allerdings noch nicht. In der kommenden Woche soll sich der Nominierungsausschuss mit der Personalie befassen. Im Anschluss könnte der geplante Wechsel den Aktionären mit der Einladung zur Hauptversammlung im Januar mitgeteilt werden, wie es in den Kreisen hieß. Das Unternehmen und Sprecher der Großaktionäre lehnten einen Kommentar dazu ab.

Brisante Personalie

Die Personalie des Aufsichtsratschefs ist hoch brisant, denn ThyssenKrupp steht vor der Aufspaltung in einen Industrie- und einen reinen Stahlkonzern. Schon seit dem Sommer steckt Thyssen-Krupp in einer Führungskrise. Im Juni war erst Vorstandschef Heinrich Hiesinger zurückgetreten, wenig später folgte ihm Aufsichtsratschef Lehner. Beide hatten ihren Rückzug mit einer mangelnden Unterstützung durch die Großaktionäre begründet. Die Krupp-Stiftung, die als Garant für den Thyssen-Krupp-Konzern gilt, hatten sie ausdrücklich in ihre Kritik eingeschlossen.

lg