Arbeiter beim Abstich am Hochofen Schwelgern 1 der ThyssenKrupp AG
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Aktie gibt nach ThyssenKrupp in Erklärungsnot

Stand: 15.05.2018, 11:30 Uhr

Ausgerechnet die ungeliebte Stahlsparte. Der vor der Fusion mit Tata Steel stehende Bereich gibt im zweiten Quartal bei ThyssenKrupp den Takt vor. Mit dem Rest des Zahlenwerks kann sich die Börse hingegen gar nicht anfreunden.

Das ThyssenKrupp-Papier verliert am Dienstag über vier Prozent. Vor allem die Tatsache, dass der Konzern in den Bereichen schwächelte, die zukünftig das Kerngeschäft sein sollen, gefällt den Anlegern nicht. So schrieb der Anlagenbau 23 Millionen Euro "Miese". Das Industriegütergeschäft litt unter gestiegenen Materialkosten, die Aufzugssparte verbuchte einen leicht geringeren Gewinn.

Es blieb die ungeliebte, weil in den Augen des Managements zu zyklische Stahlsparte, die im zweiten Quartal überzeugte (per Ende März, bei ThyssenKrupp geht das Geschäftsjahr vom 1. Oktober bis zum 30.September). Mit 198 Millionen Euro wurde das Ergebnis dank höherer Preise fast verdoppelt. Insgesamt steigerte der Konzern sein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) im zweiten Geschäftsquartal um 21 Prozent auf 500 Millionen Euro. Eine Größe, die Firmenchef Heinrich Hiesinger auch für das laufende Quartal anvisiert.

Netto blieb mit 243 Millionen Euro deutlich mehr in der Kasse als im Vorjahr, als der Konzern wegen der hohen Abschreibungen auf seine brasilianischen Stahlwerke tief in die roten Zahlen gerutscht war. Der Umsatz stieg leicht um ein Prozent auf 10,75 Milliarden Euro.

Stahlfusion auf der Zielgeraden

Bis Ende Juni sollen die Gremien über die Fusion der Stahlsparte mit der indischen Tata Steel entscheiden. Zuletzt hatte es handfesten Ärger mit den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat gegeben. So hatte Tata dem niederländischen Werk Ijmuiden umfassende Zugeständnisse gemacht, vor allem die Verfügungsgewalt über die erzielten Gewinne. Das stieß auf strikte Ablehnung der IG Metall. Trotzdem scheint Firmenchef Hiesinger seinem Ziel näher zu kommen, den Konzern zu einem weniger zyklischen Industriedienstleister umzubauen.

Ausblick bestätigt

ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger

ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger. | Bildquelle: Imago

Mit Blick auf das Gesamtjahr gibt sich der Chef zufrieden. Er bekräftigte die Prognose, im Gesamtjahr ein operatives Ergebnis zwischen 1,8 und 2,0 Milliarden Euro zu erreichen. Nach dem ersten Geschäftshalbjahr scheint er mit einem Ergebnis von 944 Millionen Euro auf Kurs zu sein. "Mit dem ersten Halbjahr sind wir insgesamt zufrieden und damit auf einem sehr guten Weg, unsere Jahresziele zu erreichen", sagte Hiesinger.

Analystenstimmen

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für die ThyssenKrupp-Aktie auf "Neutral" mit einem Kursziel von 26 Euro belassen. Die Eckdaten seien insgesamt leicht über den Erwartungen ausgefallen, schrieb Analyst Luke Nelson. Die einzelnen Sparten hätten sich aber uneinheitlich entwickelt.

Die Commerzbank hat die Einstufung für die Aktie auf "Buy" mit einem Kursziel von 32 Euro belassen. Die Eckdaten seien insgesamt "in line" ausgefallen, schrieb Analyst Ingo-Martin Schachel. Allerdings käme es nun darauf an, wie der Konzern das schwächelnde Industriegeschäft erklären könne.

rm