Thyssenkrupp Quartier
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Ergebniseinbruch Thyssenkrupp geht geschwächt in die Aufspaltung

Stand: 12.02.2019, 16:11 Uhr

Der Stahl- und Industriekonzern steht vor einem historischen Umbruch. Thyssenkrupp will sich aufspalten. Vor der geplanten Teilung läuft es operativ schlechter. Dennoch wurde die Jahresprognose bestätigt.

Der Start ins Geschäftsjahr 2018/19 war ziemlich ernüchternd. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) brach im ersten Quartal (Oktober bis Ende Dezember) um 26 Prozent auf 333 Millionen Euro ein. Eine schwächere Nachfrage in der Autoindustrie und Produktionsunterbrechungen wegen des Rhein-Niedrigwassers bremsten den Mischkonzern.

Stahlsparte nur knapp in der Gewinnzone

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Stahlsparte, die im Rahmen eines Joint-Ventures mit Tata abgestoßen werden soll, schaffte nur noch ein operatives Ergebnis von 38 Millionen Euro. Der Bereich Anlagenbau rutschte gar in die roten Zahlen und machte ein Minus von 13 Millionen Euro. Selbst die lukrative Aufzugsparte fuhr mit 204 Millionen Euro 16 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum ein.

Unterm Strich verdiente Thyssenkrupp allerdings deutlich mehr. Der Gewinn kletterte um knapp 70 Prozent auf 136 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatte die Steuerreform in den USA den Überschuss gedrückt. Der Umsatz erhöhte sich um drei Prozent auf 7,9 Milliarden Euro, die Auftragseingänge legten um sechs Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zu.

Jahresprognose vorsichtig bestätigt

B5-Moderator Rigobert Kaiser
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B5 Börse 15.16 Uhr: Thyssenkrupp-Chef: Stahl-Joint-Venture kommt

Vorstandschef Guido Kerkhoff hatte bereits auf der Hauptversammlung Anfang Februar die Anleger auf Einbußen vorbereitet. Das bereinigte Ebit sei zum Auftakt des Geschäftsjahres "erwartungsgemäß unter dem hohen Wert des Vorjahres" ausgefallen, bekräftigte er nun. Der Traditionskonzern bestätigte seine Prognose für das Geschäftsjahr, warnte aber vor zunehmenden konjunkturellen und politischen Unsicherheiten.

Experten fanden den Ausblick zu vorsichtig. Da der Konzern auch für das zweite Quartal einen Gewinnrückgang angekündigt habe, hinge nun die ganze Hoffnung am zweiten Halbjahr, meinten die Analysten der DZ Bank. Die Aktien von Thyssenkrupp setzen ihre jüngste Talfahrt fort und rutschen um über drei Prozent ab. 2018 war die Aktie im Zuge der Querelen im Management um fast 40 Prozent abgesackt. Nach der Kritik von Großaktionär Cevian über die weitere Ausrichtung des Konzerns hatten Vorstandschef Heinrich Hiesinger und der Aufsichtsratsvorsitzende Ulrich Lehner das Handtuch geworfen.

2019 will sich Thyssenkrupp in zwei Teile spalten: In einen Industrie-Konzern und einen Werkstoff-Konzern. Über die Spaltung soll die Hauptversammlung im Januar 2020 abstimmen. Kerkhoff kündigte an, dass bei den neuen Unternehmen die Verwaltung gestrafft und die Zahl der Vorstandsressorts auf je drei begrenzt wird. "Die bisherige Matrixstruktur wird aufgelöst. Künftig wird es neben den Geschäftsbereichen auf Headquarter-Ebene keine Regionalstruktur geben."

Stahl-Joint-Venture nicht in Gefahr

Thyssenkrupp-Chef Kerkhoff macht sich keine allzu großen Sorgen über die Genehmigung des geplanten Stahl-Joint-Ventures mit Tata Steel durch die EU-Kommission. Das von der Kommission angekündigte "Statement of Objections" sei ein üblicher Vorgang bei Transaktionen bin dieser Größenordnung, sagte er in der Telefonkonferenz nach der Vorlage der Quartalsbilanz.

Allerdings geht er davon aus, dass die Behörde das Vorhaben nur unter Auflagen genehmigen wird. Der Manager zeigte sich weiter zuversichtlich, die Transaktion im Frühjahr abschließen zu können. Mit Siemens und Alstom, deren Zugfusion von der Kommission wegen einer zu großen Marktmacht untersagt worden war, wollte Kerkhoff den Fall nicht vergleichen. Es gebe in Europa genügend Stahlhersteller.

nb

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Bilfinger
2013 zog Jens Tischendorf für den Bilfinger-Großaktionär Cevian in den Aufsichtsrat. Zunächst ließ sich der ehemalige Chef des Baukonzerns Bernhard Walter nicht einschüchtern. Er ignorierte Tischendorfs Forderungen und Analysen und verweigerte ihm sogar das Rederecht. Ein Jahr später musste Walter auf Druck von Cevian seinen Posten räumen - und wurde durch Eckhard Cordes, ersetzt, ehemals Metro-Chef und inzwischen Partner bei Cevian.