ThyssenKrupp-Helm und Schutzbrille
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Zahlen zum Geschäftsjahr 2017/18 vorgelegt Thyssenkrupp: Die Aufspaltung wird teuer

Stand: 21.11.2018, 09:50 Uhr

Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 hat Thyssenkrupp praktisch nur im Stahlgeschäft noch Geld verdient, während es in den anderen Bereichen, besonders im Anlagenbau, rote Zahlen gab. Das neue Jahr steht vor riesigen Umbrüchen.

Mit Ausnahme des vor dem Abschied in ein Joint Venture mit Tata Steel stehenden Stahlgeschäfts kämpfen fast alle Bereiche von Thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 mit Einbußen. Während die Stahlsparte operativ zulegte, ging es im Geschäft mit Autoteilen bergab. Auch die Aufzugssparte zeigte Schwächen. Die Sparte Industrial Solutions mit dem Anlagenbau und dem Marinegeschäft schloss mit einem Verlust von 255 Millionen Euro ab.

Insgesamt sank der Jahresüberschuss bereinigt um die verkauften Stahlaktivitäten in Amerika von 271 Millionen auf 60 Millionen Euro. Probleme bei Projekten im Anlagen- und Schiffbaugeschäft, Qualitätsprobleme bei der Komponentensparte, hohe Rohstoffkosten bei Aufzügen sowie Rückstellungen für das laufende Stahl-Kartellverfahren waren der Grund dafür.

Dividende soll unverändert bleiben

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,11
Differenz relativ
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Der Konzern hatte deswegen Anfang November zum zweiten Mal die Prognose gesenkt. Der Jahresüberschuss fiel nochmals niedriger als die von Thyssenkrupp zuletzt erwarteten 100 Millionen Euro. Die Aktionäre sollen trotzdem eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie erhalten.

Vorstandschef Guido Kerkhoff kündigte am Morgen an, das Stahl-Joint-Venture und die geplante Aufspaltung des Konzerns voranzutreiben und die Sparten auf Rendite zu trimmen. "Die Teilung reduziert die Komplexität und erlaubt es beiden Unternehmen, unabhängiger, schneller und zielgerichteter auf Kunden und Märkte zu reagieren und Investoren mit unterschiedlicher Ausrichtung anzusprechen."

Wertsteigerung erhofft

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp

Guido Kerkhoff, CEO von Thyssenkrupp. | Bildquelle: picture alliance/Ina Fassbender/dpa

Kerkhoff will den Konzern in eine Industrial AG um die lukrative Aufzugssparte und eine Materials AG aufteilen, zu der unter anderem die Beteiligung an dem geplanten Stahl-Joint-Venture mit Tata Steel gehören soll. Über die Pläne soll die Hauptversammlung im Januar 2020 abstimmen.

Thyssenkrupp erhofft sich durch die Teilung eine Wertsteigerung der einzelnen Geschäfte, etwa durch die Hebung stiller Reserven im Aufzuggeschäft. Zudem sollen die Unternehmen einzeln wettbewerbsfähiger werden und schnellere Entscheidungen treffen können.

Ebit von einer Milliarde angepeilt

Thyssenkrupp und Tata Steel-Logos

Thyssenkrupp, Tata Steel. | Bildquelle: picture alliance/empics/Ina Fassbender/dpa, Montage: boerse.ARD.de

Zunächst wird die Aufspaltung allerdings hohe Kosten verursachen: nach vorläufigen Berechnungen wird die Bilanz des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 mit einem höheren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet. Der von Thyssenkrupp vorgesehene Zeitplan sieht dabei vor, dass die neuen Unternehmen zum 1. Oktober 2019 weitgehend operativ selbstständig aufgestellt werden sollen. Den Spaltungsbericht will der Konzern dabei zur Bilanzpressekonferenz im kommenden Jahr vorlegen. Über die Besetzung der beiden Vorstandsteams soll im Frühjahr 2019 entschieden werden.

Im fortgeführten Geschäft peilt der Mischkonzern 2018/19 ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von über einer Milliarde Euro an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fuhr der Konzern hier 706 Millionen Euro ein. Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp nach Anteilen Dritter gerade noch acht Millionen Euro.

Der Aufsichtsrat konnte sich derweil Insidern zufolge nicht auf die Berufung des Daimler-Finanzchefs Uebber einigen. Ursache hierfür sei, dass Uebber eine Erhöhung der Bezüge für die Mitglieder des Aufsichtsrats gefordert habe. Dies sei bei den Arbeitnehmervertretern auf Widerstand gestoßen. Uebber soll nach dem Willen der Kapitalseite, darunter die Krupp-Stiftung, auch die Nachfolge des derzeitigen Aufsichtsratschefs Bernhard Pellens antreten.

Analysten bewerten die Zahlen unterschiedlich

Die Reaktion der Analysten fiel unterschiedlich aus. Goldman Sachs bewertet die jüngsten Zahlen und den Ausblick negativ. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) im Schlussquartal 2017/18 habe die Konsensschätzung um 18 Prozent verfehlt, schrieb Analyst Eugene King. Zudem liege die Konsensschätzung für das Ebit im neuen Geschäftsjahr bereits über der Zielvorgabe der Essener. Die Commerzbank hat dagegen ihre Einstufung auf "Buy" mit einem Kursziel von 26 Euro belassen.

Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat die Einstufung für Thyssenkrupp auf "Buy" mit einem Kursziel von 35 Euro belassen. Das Schlussquartal sei durchwachsen gewesen, schrieb Analyst Rochus Brauneiser in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Das Ergebnis sei schwächer, dafür aber Auftragseingang und Barmittelzuflüsse des Stahl- und Industriekonzerns besser als gedacht ausgefallen. Der Ausblick liege im Rahmen der Erwartungen.

Die Anleger unentschlossen. Die im Dax notierte Aktie wechselt vom Minus ins Plus und umgekehrt.

lg/rtr/dpa