Thyssenkrupp Quartier

83 Prozent Plus seit Donnerstag Kursexplosion bei Thyssenkrupp

Stand: 25.03.2020, 09:30 Uhr

Was ein Kursfeuerwerk: Nach dem Vortages-Kurssprung von mehr als 26 Prozent sind die Aktien des Stahl- und Industriekonzerns am Mittwoch wieder in die Höhe geschnellt. Thyssenkrupp geht endlich seine Probleme an.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
4,69
Differenz relativ
+4,06%

Im frühen Handel schossen die Papiere auf Tradegate zeitweise um mehr als 21 Prozent nach oben. In der Vorwoche hatten sie mit 3,28 Euro ein Rekordtief erreicht. Mittlerweile haben sie insgesamt rund 83 Prozent an Wert gewonnen.

Mit dem Abbau von 3.000 Stellen will Thyssenkrupp sein Stahlgeschäft sanieren. Dabei sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden, teilte der Konzern am Mittwoch mit. Das Unternehmen hatte im Stahlbereich Ende vergangenen Jahres rund 28.000 Mitarbeiter. Vom Stellenabbau sind 2.000 Mitarbeiter in der Produktion und 1.000 in der Verwaltung betroffen.

Endlich scheine das Management die Probleme anzugehen, womöglich auch gerade noch rechtzeitig, kommentierte ein Händler. Gleichzeitig zeigte er sich über den massiven Kursverfall seit dem Ausbruch des Coronavirus ein wenig überrascht, zumal der Konzern den Markt beruhigt habe, dass der Verkauf der Aufzugsparte nicht in Gefahr sei.

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz

Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz. | Bildquelle: imago images / Sven Simon

Am Montag hatte Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz Spekulationen zurückwiesen, dass im Zuge der Corona-Krise der milliardenschwere Verkauf noch scheitern könnte. "In aller Deutlichkeit: Der Vollzug der Transaktion steht nicht in Frage. Die Käufer haben kein Rücktrittsrecht", so Merz in einer Mitarbeiterinfo.

Schrittweiser Abbau

Der Ruhrgebietskonzern muss seinen Stahlbereich im Alleingang sanieren, nachdem die EU-Kommission im vergangenen Jahr die lange vorbereitete Fusion mit der europäischen Stahlsparte des indischen Konkurrenten Tata untersagt hatte. In einem ersten Schritt ist ein Abbau von bis zu 2.000 Stellen in den nächsten 3 Jahren vorgesehen. Weitere etwa 1.000 Stellen sollen bis 2026 wegfallen.

Thyssenkrupp-Werk in Duisburg

Thyssenkrupp-Werk in Duisburg. | Bildquelle: thyssenkrupp Steel Europe AG

Duisburg soll als wichtigster Stahlstandort von Thyssenkrupp gestärkt werden. Im Gegenzug will das Unternehmen Anlagen an anderen Standorten schließen. Unter anderem sollen bis 2026 in Bochum 1.000 Arbeitsplätze wegfallen. In Duisburg will Thyssenkrupp die Grobblechproduktion mit etwa 800 Mitarbeitern aufgeben.

"Probleme zu lange aufgeschoben"

Der Stellenabbau ist nach Darstellung des Unternehmens die Voraussetzung für umfangreiche Investitionen in den Stahlbereich. Die neue Strategie sehe einen zusätzlichen Investitionsrahmen von insgesamt etwa 800 Millionen Euro über 6 Jahre vor. Hinzu kämen die bereits in der Planung enthaltenen jährlichen Investitionen von rund 570 Millionen Euro.

"Wir haben Probleme zu lange aufgeschoben und harte Entscheidungen gescheut", sagte Thyssenkrupp-Vorstand Klaus Keysberg. Der Stellenabbau gebe dem Konzern Spielraum, damit der Stahl langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann. Thyssenkrupp sei beim Stahl zu komplex aufgestellt und habe eine "unangemessene Kostenstruktur". Das belege unter anderem auch der enttäuschende Geschäftsverlauf in diesem Geschäftsjahr.

Sofortpaket zur Coronakrise

Zudem einigte sich Thyssenkrupp Konzern mit der IG Metall auf einen bis Ende März 2026 laufenden Tarifvertrag und ein Sofortpaket zur Coronakrise, das unter anderem die Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80 Prozent beinhaltet, falls dieser Schritt notwendig ist. Zudem soll eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung in freie Tage umgewandelt werden.

"Wir werden an vielen Standorten in den nächsten Wochen in Kurzarbeit gehen müssen", sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Das betreffe zunächst die produktionsnahen Bereiche, aber auch die Verwaltung.

Aufgrund der Folgen der Coronakrise hatte der angeschlagene Stahl- und Industrieriese am Montag seine ohnehin düstere Prognose für das laufende Geschäftsjahr kassiert. Wegen der Pandemie und der damit verbundenen Auswirkungen auf die Wirtschaft lasse sich die Geschäftsentwicklung von Thyssenkrupp im Geschäftsjahr 2019/2020 nicht mehr verlässlich einschätzen.

tb/dpa-AFX