ThyssenKrupp-Stahlwerk in Duisburg
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Aufzugssparte vor Börsengang unter Druck Thyssenkrupp: Auch das Gesamtjahr wird rot

Stand: 14.05.2019, 09:16 Uhr

Nach der Absage der Fusionspläne mit Tata hatte Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff bereits vor Verlusten gewarnt: Jetzt wird klar, dass das Unternehmen das laufende Geschäftsjahr mit roten Zahlen abschließen wird.

Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende September) fiel zwar noch ein knapper Nettogewinn von 36 Millionen Euro an, wie Thyssenkrupp am Dienstag mitteilte. Im zweiten Quartal stand jedoch ein Verlust von 99 Millionen Euro zu Buche, nach einem Gewinn von 240 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Verschuldung kletterte von 3,5 auf 4,8 Milliarden Euro. Negativ wirkten sich dabei auch die Erhöhung der Rückstellungen auf eine erwartete Kartellstrafe im Stahlgeschäft auf etwas mehr als 100 Millionen Euro aus. Der Umsatz nahm leicht um zwei Prozent auf 10,6 Milliarden Euro zu, der Auftragseingang um ein Prozent auf rund 10,4 Milliarden Euro.

Auch die vor einem Teilbörsengang stehende Aufzugssparte musste etwas Federn lassen. Hohe Materialkosten und der Preisdruck in den USA hätten das Ergebnis belastet.

Ebit bricht um 27 Prozent ein

Insgesamt schrumpfte das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) im Halbjahr um 27 Prozent auf 685 Millionen Euro. Es soll im Gesamtjahr zwischen 1,1 und 1,2 Milliarden Euro liegen. Unter den Strich wird Thyssenkrupp aber voraussichtlich einen Verlust einfahren.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Kerkhoff hatte am Freitag das seit Jahren geplante Bündnis mit Tata Steel Europe ebenso abgeblasen wie die projektierte Konzernaufspaltung. Der Firmenchef will stattdessen die klamme Konzernkasse mit einem Teilbörsengang der lukrativen Aufzugssparte füllen und für weitere Geschäfte Partner ins Boot holen.

Stahlsparte unter Druck

Zudem will er in den kommenden ein bis zwei Jahren 1,5 Milliarden Euro einsparen und in drei Jahren 6.000 der rund 160.000 Arbeitsplätze abbauen.

Im europäischen Stahlgeschäft wurde einmal mehr deutlich, wie schwankungsanfällig die Ergebnisse sind. Hatte die Sparte in den vergangenen Jahren dank eines Sanierungskurses zugelegt, brach nun das operative Ergebnis im Halbjahr auf 76 Millionen von zuvor 359 Millionen Euro ein. Für die Aufzugssparte wachsen die Bäume auch nicht in den Himmel.

Nach sechs Monaten war das Ergebnis mit 402 Millionen Euro um gut 20 Millionen Euro niedriger als zuletzt. Im zweiten Halbjahr werde jedoch eine deutliche Verbesserung erwartet. In dem seit Jahren schwächelnden Anlagenbau schrieb Thyssenkrupp noch höhere Verluste als im Vorjahr. Hier stand ein Fehlbetrag von 57 Millionen Euro in den Büchern.

lg/rtr/dpa