ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger
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Stahlgeschäft läuft wieder ThyssenKrupp - endlich gehts aufwärts

Stand: 10.08.2017, 08:28 Uhr

Jetzt endlich spürt auch ThyssenKrupp die Erholung in der Stahlbranche. Die Stahlpreise steigen, die Margen sind wieder auskömmlicher. Aber was macht der Dax-Konzern nun mit der Sparte?

Die Stahlsparte läuft wieder, dank gestiegener Stahlpreise hat der Essener Konzern wieder mehr verdienen können. Die Aufzugssparte verbesserte ihr Ergebnis erneut. Damit machte ThyssenKrupp Einbußen im Anlagenbau wett. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) kletterte im dritten Geschäftsquartal um stolze 41 Prozent auf 620 Millionen Euro. Analysten hatten im Schnitt mit gerade mal 493 Millionen Euro gerechnet.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 120 Millionen Euro hängen - der allerdings zehn Millionen unter dem Vorjahreswert lag. Hier hatten Analysten mehr prognostiziert.

Jahresbilanz bleibt rot

Anja Kohl
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Fasst man die ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 (per Ende September) zusammen, bleibt ThyssenKrupp allerdings in den roten Zahlen. Entstanden ist ein Verlust von 751 Millionen Euro. Er hängt mit Abschreibungen auf das mittlerweile verkaufte brasilianische Stahlwerk zusammen. Auch im Gesamtjahr entsteht dadurch ein deutlicher Verlust, so die Erwartungen von ThyssenKrupp.

Die Prognose für das Geschäftsjahr 2016/17 (per Ende September) hatte ThyssenKrupp erst zum zweiten Quartal erhöht. Vorstandschef Heinrich Hiesinger bekräftigte die Ziele, wonach das bereinigte Ebit im Gesamtjahr auf 1,8 Milliarden Euro von 1,5 Milliarden Euro im Vorjahr zulegen soll. Das fortgeführte Geschäft soll dabei ein bereinigtes operatives Ergebnis von 1,7 Milliarden erzielen.

Stahlsparte verdoppelt Ergebnis

ThyssenKrupp profitierte vor allem von dem sich aufhellenden Umfeld in der europäischen Stahlbranche. ArcelorMittal hatte bereits seine Prognose für die weltweite Nachfrage nach Stahl angehoben. Bei Thyssenkrupp war die Erholung aber bislang nicht so recht zum Tragen gekommen, da sich wegen der längerfristigen Verträge die Preiserhöhungen zeitverzögert auswirkten.

Nun konnte die europäische Stahlsparte dank höherer Preise ihr Ergebnis auf 232 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Vorstandschef Heinrich Hiesinger will sich davon aber nicht von seinem Kurs abbringen lassen. Er will die Technologiegeschäfte mit Aufzügen, Maschinen und Autoteilen ausbauen und die Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel fusionieren.

Wie gehts weiter?

"Die Erholung der Ergebnisse bei den Werkstoffgeschäften freut uns", sagte der Manager. Die großen Schwankungen von einem Quartal zum anderen zeigten jedoch einmal mehr, dass seine Richtung stimme. Die Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäfte sollten ausgebaut werden. "So werden wir in Zukunft stabilere Ergebnisse erwirtschaften und profitabel wachsen."

Zur Zukunft der europäischen Stahlsparte prüft ThyssenKrupp mehrere Optionen, unter anderem einen Zusammenschluss mit der indischen Tata Steel. Dabei soll bis zum Ende des Geschäftsjahres eine Entscheidung fallen. Ein solcher Deal wäre eine Hilfe für Thyssen, auch wenn es mit der Sparte jetzt aufwärts geht. Nicht nur weil Synergien winken. Auch ist der Konzern dadurch zu abhängig von den unkalkulierbar schwankenden Weltmarktpreisen. Die Gewerkschaft sträubt sich gegen einen Zusammenschluss mit Tata Steel, fürchtet Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste.

Zuletzt waren auch Spekulationen über andere Möglichkeiten aufgetaucht. So berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen, dass der Dax-Konzern als Alternative zur Stahlhochzeit eine radikale Aufspaltung erwäge. Dabei könnte ThyssenKrupp das europäische Stahlgeschäft behalten und die meisten anderen Aktivitäten abspalten.

Die ThyssenKrupp-Aktie notiert im frühen Handel leicht im Plus. Die einst geschundene Stahlaktie erfreut sich seit Mai neuer Beliebtheit. Anleger wetten auf eine neue, bessere Zukunft durch den Wandel des Konzerns weg vom traditionellen Stahlgeschäft hin zum Industriedienstleister, der auf Aufzüge oder Autokomponenten setzt. Symbolträchtig hat das Unternehmen denn auch in der vergangenen Woche eine bahnbrechende "seillose" Aufzugtechnik vorgestellt, der eine große Zukunft zugetraut wird.

bs

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Der Weltmarktführer in Sachen Stahl ist aus der Fusion der beiden europäischen Stahlgrößen Mittal und Arcelor im Jahr 2007 geschmiedet worden. Mit 95,5 Millionen Tonnen Stahl war ArcelorMittal auch 2016 unangefochten die Nummer eins.