Thyssenkrupp-Aufzugstestturm in Rottweil

Verkauf unter Dach und Fach Thyssenkrupp verkauft Aufzugsparte

Stand: 27.02.2020, 19:30 Uhr

Der in Finanznöten steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp vermeldet beim Verkauf seiner Aufzugsparte Vollzug - endlich.

Wie erwartet geht die Aufzugsparte komplett an ein Konsortium rund um die Finanzinvestoren Advent und Cinven. Mit im Boot ist auch der Ruhrkonzern RAG, der an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist.

Der Preis soll bei 17,2 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstagabend in Essen mit. Neben Advent, Cinven und RAG war zuletzt noch ein Konsortium um Blackstone, Carlyle sowie dem Canadian Pension Plan im Rennen.

Schulden abbauen

Für einen Teil des Verkaufspreises in Höhe von 1,25 Milliarden Euro will Thyssenkrupp wieder Anteile am verkauften Aufzugsgeschäft erwerben. Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt fusionskontrollrechtlicher Genehmigungen, man erwarte aber keine Bedenken der zuständigen Behörden, heißt es in der Mitteilung weiter.Sanierung finanzieren

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Mit den Erlösen soll die die Sanierung des Unternehmens finanziert werden. So will Thyssenkrupp die Finanzschulden senken. Derzeit drücken das Unternehmen Nettofinanzschulden von sieben Milliarden Euro und Pensionsverpflichtungen von neun Milliarden Euro.

Das Aufzuggeschäft ist die einzige Ergebnisperle von Thyssenkrupp. Weltweit beschäftigt Thyssenkrupp Elevator rund 53.000 Mitarbeiter, fast ein Drittel aller Beschäftigten. Während der Stahl tief in den roten Zahlen steckt, erzielte Thyssenkrupp mit dem Verkauf und der Wartung von Aufzügen und Rolltreppen allein im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein operatives Ergebnis von 228 Millionen Euro.

Aktie legt zu

Zuletzt war neben dem nun erfolgreichen Konsortium noch eine Gruppe aus Blackstone, Carlyle und dem Canada Pension Plan Investment Board im Rennen. Der finnische Konkurrent Kone war in der vergangenen Woche ausgestiegen. Dieser hatte rund 17 Milliarden Euro geboten. Die Finanzinvestoren hatten Insidern zufolge knapp 16 Milliarden offeriert.

Bei Thyssenkrupp hat sich in den vergangenen Monaten die Lage immer mehr zugespitzt. Die lange vorbereitete Fusion der Stahlsparte mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzern Tata war von der EU-Kommission untersagt worden. Eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Aktiengesellschaften wurde darauf abgesagt. Vorstandschef Guido Kerkhoff musste nach nur gut einem Jahr im Amt seinen Hut nehmen. Im Oktober wechselte dann die Aufsichtsratsvorsitzende Martina Merz als Interimschef an die Spitze des Vorstands. Nach dem Verkauf der Aufzugssparte soll der traditionsreiche Stahl wieder zum Kerngeschäft von Thyssenkrupp werden.

An der Börse kam die Nachricht gut an. Im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate legte die ThyssenKrupp-Aktie um sechs Prozent zu. Zuvor hatte sie im regulären Handel knapp ein Prozent eingebüßt.

lg/dpa/rtr