Thyssenkrupp Quartier
Audio

Neue Konditionen für den Tata-Deal? ThyssenKrupp: Aktivistische Investoren laufen Sturm

Stand: 11.06.2018, 09:15 Uhr

Die geplante Fusion der Stahlsparte des Dax-Konzerns mit Tata Steel muss womöglich neu verhandelt werden. Laut einem Medienbericht sperren sich gleich zwei Investoren gegen die verabredeten Bedingungen der Fusion.

Noch ist Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott noch gar nicht offiziell bei dem Dax-Konzern eingestiegen, da will er bereits in die Unternehmensführung hineinregieren. Das zumindest schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Montagsausgabe. Singer, der Ende Mai erklärt hatte, bei der ThyssenKrupp-Aktie inmitten der Fusion mit Tata Steel ein größeres Paket kaufen zu wollen, fordert danach in einem Brief an Vorstandschef Heinrich Hiesinger, die Bedingungen des geplanten Bündnisses neu zu verhandeln.

Unzufrieden mit Tatas Gewinn

Rückendeckung bekommt Elliott laut dem Blatt offenbar von einem weiteren Großaktionär, Cevian, der 15 Prozent der Anteile an ThyssenKrupp hält. Ein Cevian-Vertreter hatte danach einen kritischen Brief an die Mitglieder des Kontrollgremiums geschrieben und sich unzufrieden mit der Gewinnentwicklung neuen Stahlriesen geäußert.

Der Grund für das Aufbegehren der Investoren liegt in der unterschiedlichen Gewinnentwicklung der Stahlsparte von Thyssen und Tata in den vergangenen zwölf Monaten. In diesem Zeitraum hat Tata Steel Europe bei seinem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bis März bei etwa 500 Millionen Euro verdient, das sind 28 Prozent weniger als vor Jahresfrist und damit kurz vor der Gemeinschaftsvereinbarung zwischen den beiden Konzernen. ThyssenKrupps Stahlsparte hat dagegen die Ergebnisgröße um 38 Prozent gesteigert.

Schulden abladen oder anders aufteilen

Elliott sieht wegen der unterschiedlichen Geschäftsentwicklung eine Bewertungsverschiebung von 1,9 Milliarden Euro. Bei der geplanten 50:50-Konstruktion müsse Tata nach dieser Rechnung entweder einen Ausgleichsbetrag zahlen oder entsprechend weniger Schulden einbringen oder ThyssenKrupp entsprechend noch einmal mehr Schulden auf das JV abladen. Alternativ müsste Thyssen-Krupp statt 50 Prozent 82 Prozent des Gemeinschaftsunternehmen erhalten, so Elliott.

Laut der Zeitung ist sich die Unternehmensführung der veränderten Bedingungen. Das Management hält die von Elliott berechnete Differenz aber für viel zu hoch. Damit könnten dem Zusammenschluss noch harte Diskussionen zwischen Vorstandschef Hiesinger und den Investoren bevorstehen. ThyssenKrupp will sich durch die Abtrennung der Stahlsparte weniger abhängig von dem schwankungsanfälligen Geschäft machen, stattdessen sollen die Sparten gestärkt werden, die Produkte wie Aufzüge, Autozubehör, Anlagen oder U-Boote im Angebot haben.

Die ThyssenKrupp-Aktie eröffnete den Handel am Montag mit leichten Aufschlägen. Der Titel hat seit Jahresbeginn leicht verloren, ebenso wie der Dax.

AB