ThyssenKrupp-CEO Dr. Heinrich Hiesinger
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Aktie gewinnt ThyssenKrupp-Chef geht

Stand: 06.07.2018, 16:00 Uhr

Paukenschlag bei ThyssenKrupp: Nach dem endlich vollzogenen Stahl-Deal mit Tata hat Vorstandschef Heinrich Hiesinger seinen Rücktritt erklärt. Die Anleger begrüßen die Entscheidung und hoffen jetzt auf einen forcierten Konzernumbau.

Der Aufsichtsrat nahm am Freitag das Rücktrittsgesuch des Managers an und überließ vorerst seinen drei Vorstandskollegen die Leitung des Mischkonzerns. Die Nachfolge Hiesingers werde später geregelt. Hiesinger hatte am Donnerstag den Aufsichtsrat um Gespräche zur einvernehmlichen Auflösung seines Mandats als Vorsitzender des Vorstands gebeten.

"Chance für neue Strategie"

Der Markt feierte den Rücktritt Hiesingers mit einem Kurssprung von zeitweise mehr als vier Prozent. Am Nachmittag schmolz das Plus auf knapp zwei Prozent. Die Fondsgesellschaft Union Investment sah in dem Abgang des seit 2011 amtierenden Vorstandschefs einen möglichen Schritt nach vorne. "Nun besteht die Chance, eine neue Strategie zu entwickeln, den Konzernumbau voranzutreiben und damit den Konzern neu auszurichten", sagte Portfoliomanager Ingo Speich.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der 58-jährige Top-Manager hatte Insidern zufolge vom Aufsichtsrat keine geschlossene Rückendeckung mehr. "Ich gehe diesen Schritt bewusst, um eine grundsätzliche Diskussion im Aufsichtsrat über die Zukunft von ThyssenKrupp zu ermöglichen", erklärte Hiesinger. "Ein gemeinsames Verständnis von Vorstand und Aufsichtsrat über die strategische Ausrichtung des Unternehmens ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Unternehmensführung", fügte er hinzu.

ThyssenKrupp hatte erst kürzlich seine Stahlsparte in ein Joint Venture mit dem indischen Rivalen Tata Steel eingebracht. Hiesinger wollte eigentlich in der kommenden Woche dem Aufsichtsrat seine Strategiepläne für den Mischkonzern präsentieren.

Sieg für Elliott und Cevian?

Hiesinger war im Zuge der Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt immer wieder unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie der US-Hedgefonds Elliott oder die schwedische Cevian Capital mehr Tempo bei dem seit langem angekündigten Umbau des Ruhrkonzerns gefordert hatten. Elliott-Chef Paul Singer hatte zuletzt den ThyssenKrupp-Chef scharf attackiert.

nb