Thomas Cook Flugzeug
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Aktie auf Talfahrt Thomas Cook will noch mehr Geld

Stand: 12.08.2019, 11:28 Uhr

Der kriselnde Reisekonzern Thomas Cook drückt bei seinem Rettungsplan aufs Tempo. Eine neue Kapitalspritze soll helfen, über den Winter zu kommen und in die Zukunft zu investieren. Die Aktie rauscht am Montag in den Keller.

Der Winter ist typischerweise reise- und einnahmeschwach für Reisekonzerne. Um diese Zeit zu überstehen, braucht der angeschlagene Tourismus-Pionier Thomas Cook dringend Geld. Denn der 178 Jahre alte Traditionskonzern steht vor dem Aus.

Neben den Zuschüssen des chinesischen Großaktionärs Fosun will sich der britische Reiseveranstalter jetzt noch eine weitere Finanzspritze über 150 Millionen Pfund besorgen. In diesem Zuge sprechen Vertreter von Thomas Cook mit den Anleihegläubigern des Konzerns. Ein Großteil der Bankkredite und Anleihen des hochverschuldeten Unternehmens soll in Eigenkapital umgewandelt werden. Der Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen und dem deutschen Ferienflieger Condor komme bei den Verhandlungen deutlich voran.

Aktie stürzt ab

Im frühen Handel stürzte die Thomas Cook-Aktie an der Londoner Börse zeitweise um mehr als 35 Prozent ab. Auch am Nachmittag verlor sie weiterhin fast 20 Prozent an Wert. Auch auf Tradegate ging der Titel in der Spitze mit 20 Prozent auf Talfahrt.

Damit hat das Papier in London seit einem Jahr mehr als 90 Prozent an Wert eingebüßt. Ende Juli erreichte die es ein neues Allzeittief mit 4,47 Pence. Allein Mitte Juli rauschte der Kurs nach der Vorstellung des Sanierungsvorhabens um 47 Prozent nach unten. Der Grund: Die Aktionäre sollen weitgehend verdrängt werden.

Rekapitalisierung kommt voran

Die Londoner hatten an dem Tag bekanntgegeben, dass der chinesische Club-Med-Eigentümer Fosun Thomas Cook retten soll. Die Fosun Tourism Group und die Gläubigerbanken wollen 750 Millionen Pfund (umgerechnet 830 Millionen Euro) frisches Geld bereitstellen. Die geplante Übernahme werde voraussichtlich Anfang Oktober umgesetzt, teilte Thomas Cook nun mit.

Guo Guangchang Fosun Group. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hinter Fosun steckt der chinesische Multimilliardär Guo Guangchang. In Deutschland ist er an den Textilunternehmen Tom Tailor und dem Bankhaus Hauck & Aufhäuser beteiligt. Die Fosun-Gruppe hält bereits 18 Prozent an dem Reisekonzern und würde im Gegenzug zu Kapitalspritze und Schuldenabbau die Mehrheit an der Reisesparte der Briten erlangen. Bei der zuvor abgespaltenen Airline-Gruppe einschließlich der deutschen Tochter Condor würde Fosun lediglich eine signifikante Minderheit übernehmen, um die europäischen Flugrechte nicht zu verlieren. Den restlichen Aktionären von Thomas Cook bliebe nur noch ein Bruchteil an dem Konzern.

Anfang August war ein weiterer Investor zum Großaktionär aufgestiegen. Neset Kockar, Gründer und Chef des türkischen Reiseunternehmen Anex Tour, hatte seinen Anteil am Tourismusriesen auf 6,71 Prozent erhöht. Der Manager will ebenfalls aktiv an der Sanierung mitarbeiten.

Tourismusriese in Schieflage

Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender Thomas Cook

Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Und die ist bitter nötig. Thomas Cook steckt akut in Schwierigkeiten. Zuletzt waren die Nettoschulden auf rund 1,6 Milliarden Pfund geklettert, im Mai hatte das Unternehmen die Anleger mit einer Gewinnwarnung geschockt. Vor allem der Brexit laste auf dem Verbrauchervertrauen in Großbritannien, sagte damals Konzernchef Peter Fankhauser. "Wir sind in einem sehr harten Geschäftsumfeld." Zugleich seien die Treibstoffkosten für die Airlines und auch Hotelpreise gestiegen.

Zuletzt verlor der Reisekonzern sogar das Vertrauen einer seiner Banken. "Wir haben die Zusammenarbeit mit der Bank, die die Zahlungsmöglichkeit per Lastschrift angeboten hat, beendet", schrieb die Deutschlandzentrale an die Vertriebspartner. Von der Kündigung des Lastschriftverfahrens sind lediglich einzelne Teile des Geschäfts. Die Gründe, warum die Bank die Partnerschaft beendete, sind unbekannt. Experten werteten das als weiteres Alarmsignal.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte die Bonität von Thomas Cook jüngst auf "CCC+". Beinahe jede dritte Firma mit dieser Note meldete innerhalb des nächsten Jahres Insolvenz an.

tb