Thomas Cook Flugzeug
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Aktie bricht ein Thomas Cook und die Durchfallmasche

Stand: 22.11.2017, 14:30 Uhr

Sinkende Margen und die Durchfallmasche britischer Mallorca-Urlauber haben die Aktie des Reiseveranstalters Thomas Cook (Neckermann, Condor) unter Druck gesetzt. Dabei sind die Aussichten eigentlich recht gut.

Vor allem britische Urlauber sollen den Reiseranstalter um bis zu 60 Millionen Euro betrogen haben. Während ihres Mallorca-Urlaubs kauften sie sich in der Apotheke ein Durchfallmittel und behaupteten später in der Heimat, sie hätten sich beim Essen im Hotel eine Lebensmittelvergiftung eingefangen. Und schon bekamen viele von ihnen die gesamte Reise erstattet. Anfang des Jahres flog der Betrug auf, als die Zahl der falschen Beschwerden auf einmal drastisch stieg.

Die dadurch entstandenen Verluste sowie die auf 22,1 Prozent gesunkene Bruttomarge sorgen am Aktienmarkt für Entsetzen. Die Papiere von Thomas Cook notieren am Nachmittag noch immer über acht Prozent schwächer als gestern. Im morgendlichen Handel waren die Titel sogar um bis zu 15 Prozent eingebrochen.

Condor hilft

Trotz der Unwidrigkeiten in Spanien konnte Thomas Cook im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr das operative Ergebnis (Ebit) vor Sonderfaktoren um 28 Millionen auf 330 Millionen Britische Pfund (rund 372 Millionen Euro) steigern. Damit lag das Unternehmen im Rahmen seiner eigenen Erwartungen.

Nach Steuern verdiente Thomas Cook mit 12 Millionen deutlich mehr als im Vorjahr, als lediglich ein Gewinn von einer Million Pfund erwirtschaftet wurde. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um neun Prozent auf neun Milliarden Pfund. Das bessere Ergebnis erklärte der Konzern unter anderem mit der Erholung der deutschen Tochter Condor.

Hoffnung auf Erholung der Türkei-Aufenthalte

Eine gute Entwicklung zeigten auch die Geschäfte auf dem europäischen Festland sowie in Nordeuropa. Dieser Trend sollte sich auch im neuen Geschäftsjahr fortsetzen, erwartet Thomas Cook. In Spanien herrsche allerdings ein starker Wettbewerb, was auf den Margen laste. In Großbritannien verzeichnete Thomas Cook zudem erstmals seit vier Jahren wieder einen Rückgang der Rendite.

Im kommenden Jahr hofft Thomas Cook auf eine Erholung des Tourismus in den zuletzt aus Terrorangst gemiedenen Reiseländern Türkei und Ägypten. Pauschalreisen in die beiden Länder seien wieder sehr gefragt. "Das hilft uns, den Druck auf die Rendite zu mindern, den wir dieses Jahr in Spanien erlebt haben", erklärte das Unternehmen. Profitieren dürfte Thomas Cook zudem von der Pleite von Air Berlin.

Die Thomas-Cook-Tochter Condor hatte für den Ferienflieger Niki geboten, war gegen die höhere Offerte der Lufthansa aber nicht angekommen. Das Verschwinden von Air Berlin und auch der britischen Monarch Airlines sei ein Vorteil, weil die Flugkapazitäten zumindest weniger stark zunähmen.

lg