Thomas Cook-Flugzeug im Landeanflug

Zusätzlicher Kapitalbedarf Thomas Cook – das wird keine leichte Rettung

Stand: 20.09.2019, 10:47 Uhr

Für die Aktionäre von Thomas Cook kommt es knüppeldick. Nachdem die Aktie seit letztem Jahr bereits 95 Prozent ihres Wertes verloren hat, stürzt sie am Freitag weiter ab. Denn der britische Touristikkonzern braucht erneut Geld.

Am Morgen wurde bekannt, dass Thomas Cook über weiteres Kapital für seine Sanierungspläne verhandelt. Dabei soll es um 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) gehen, wie der Konzern mitteilte. Diese kämen zu dem bereits ausgehandelten 900 Millionen Euro schweren Rettungspaket hinzu. Das frische Geld soll dem Unternehmen ausreichenden Spielraum für das Winterhalbjahr 2019/20 liefern und Investitionen beispielsweise in Hotels ermöglichen.

Thomas Cook verhandelt dazu mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun, der den Tui-Konkurrenten übernehmen will, aber auch mit Banken und Anleihegläubigern. Zuletzt hieß es, die geplante Übernahme der Briten durch den Großaktionär Fosun komme schneller voran als geplant.

Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser hatte die im Juli angekündigte Transaktion als "pragmatische und verantwortliche Lösung" bezeichnet, um die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Die Aktie stürzte am Vormittag um gut 20 Prozent auf 3,55 Pence ab. Vor einem Jahr war sie noch 75 Pence wert.

Schulden in Eigenkapital umgewandelt

Ende August gab es laut dem Unternehmen eine grundsätzliche Einigung mit Fosun. Die Anteile der bisherigen Aktionäre würden deutlich entwertet, weil die bislang aufgelaufenen Schulden in Eigenkapital gewandelt werden sollen.

Der Tui-Konkurrent würde bei einem Abschluss aufgespalten in das Veranstaltergeschäft mit der deutschen Marke Neckermann und in die Airlinesparte, zu der auch der deutsche Ferienflieger Condor gehört. An dem Veranstalter mit der Weltmarke Thomas Cook soll Fosun mit 75 Prozent die Mehrheit übernehmen und bei der Fluggesellschaft nur 25 Prozent halten. So blieben die europäischen Flugrechte erhalten. Bei der Fluggesellschaft hätten nach dem Plan die Finanzhäuser das Sagen. Die Fosun-Gruppe hielt bereits vor dem Deal rund 18 Prozent an dem Reisekonzern.

Noch umfangreiche Vertragsverhandlungen

Ursprünglich war nur eine Finanzspritze von 750 Millionen Pfund vorgesehen, nun dürften es wohl mehr als eine Milliarde werden. Ob die Übernahme von Thomas Cook wie geplant Anfang Oktober umgesetzt werden kann, bleibt abzuwarten. Zuletzt standen noch wettbewerbsrechtliche Prüfungen und umfangreiche Vertragsverhandlungen aus. Ursprünglich hatte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser das Jahresende als finale Zielmarke genannt.

Die im Februar verkündeten Verkaufspläne für die Airline-Sparte hatte Thomas Cook auf Eis gelegt. Von rund 9.000 Beschäftigten der Thomas-Cook-Airlines arbeiten etwa 4.000 bei der deutschen Gesellschaft Condor mit Hauptsitz in Frankfurt.

Thomas Cook gilt als ältester Reiseveranstalter der Welt. Seine erste Pauschalreise hatte der Baptistenprediger Thomas Cook im Juli 1841 organisiert, um rund 500 Reisende per Bahn vom britischen Leicester zu einem Treffen nach Loughborough zu bringen.

lg/dpa