Thomas Cook-Schilder an grauer Fassade
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Geschäfte eingestellt Thomas Cook: Anlegern droht Totalverlust

Stand: 23.09.2019, 10:35 Uhr

Der britische Touristikkonzern Thomas Cook hat Insolvenz beantragt und steht vor dem Aus. Nicht nur hunterttausende Urlauber blicken sorgenvoll auf die nächsten Tage - auch für die Anleger dürfte es unschön enden.

Man habe keine Alternative gehabt, als mit sofortiger Wirkung das Konkursverfahren einzuleiten, teilte der älteste Touristikkonzern der Welt in der Nacht zum Montag mit. Der Flugbetrieb in Großbritannien wurde nach Angaben der britischen Luftfahrtbehörde CAA mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Hunderttausende Urlauber sind von der Pleite betroffen. Auch die Aktionäre müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Die bevorstehende Zwangsliquiditation dürfte für Aktionäre den Totalverlust bedeuten. Im Zuge der Insolvenz wurde die Aktie an der Londoner Heimatbörse vom Handel ausgesetzt.

Beim Börsenmakler Lang & Schwarz ist die Aktie um über 70 Prozent auf nur noch einen Cent gefallen. Das entspricht einem Marktwert von kaum mehr als 15 Millionen Euro. Nachdem das Papier seit dem vergangenen Jahr bereits 95 Prozent seines Wertes verloren hatte, war es bereits am Freitag um fast 20 Prozent in die Tiefe gerauscht.

Konkurrenz im Aufwind

Bei Rivalen von Thomas Cook sorgt der Zusammenbruch und die Aussicht auf geringere Konkurrenz in der Tourismusbranche derweil für Kursgewinne. Die Papiere von TUI schossen zeitweise um mehr als zehn Prozent nach oben und erreichten den höchsten Stand seit Februar. "Der Kollaps von Thomas Cook bringt wahrscheinlich schlechte Nachrichten für Urlauber und die Regierungen von Deutschland und Großbritannien, aber nimmt Kapazität aus dem Markt", sagte ein Händler.

Die Aktien von Fluggesellschaften legten ebenfalls zu. Analyst David Perry von JPMorgan sieht den Airline-Sektor in einem Rally-Modus. Die Lufthansa-Titel gewannen bis zu 1,8 Prozent, die Air-France-KLM-Anteilsscheine verteuerten sich um 2,2 Prozent. Ryanair-Papiere gewannen 3,8 Prozent, die Aktien des britischen Billigfliegers Easyjet sogar 6,3 Prozent. Der Preisdruck dürfte nachlassen, wenn auch die Thomas-Cook-Tochter Condor den Betrieb einstellen sollte, sagte Frank Schneider vom Handelshaus Alpha.

Tui

Tui: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11,46
Differenz relativ
-0,87%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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14,80
Differenz relativ
+0,27%
Easyjet: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,46
Differenz relativ
-1,64%

Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser bezeichnete das Scheitern der Bemühungen zur Rettung des zweitgrößten Reisekonzern Europas als "verheerend". Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) für die Sanierungspläne verhandelt worden. Der chinesische Mehrheitseigner Fosun zeigte sich "enttäuscht". Der Großaktionär hatte eigentlich 25 Prozent des Reiseveranstalters und 75 Prozent des Airline-Geschäfts übernehmen wollen.

Peter Fankhauser, Vorstandsvorsitzender Thomas Cook

Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Trotz großer Anstrengungen über mehrere Monate und weiterer intensiver Verhandlungen in den vergangenen Tagen konnten wir keinen Deal abschließen, um unser Unternehmen zu retten", sagte er. Zusätzliche Forderungen in den vergangenen Tagen hätten sich am Ende jedoch als "unüberwindbare Herausforderung" erwiesen.

London lehnte Anfrage zur Rettung ab

Auch die britische Regierung hatte eine Finanzierungsbitte über 150 Millionen Pfund (knapp 170 Millionen Euro) abgelehnt. "Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden", sagte der britische Premierminister Boris Johnson noch vor der Betriebseinstellung.

Die Transportgewerkschaft TSSA machte die Regierung dafür verantwortlich, dass die weltweit 21.000 Mitarbeiter, davon 9.000 in Großbritannien, ihre Jobs verlieren. "Dass sie unsere Mitglieder lieber hängen lassen als Thomas Cook zu retten, ist beschämend und falsch", sagte Gewerkschaftschef Manuel Cortes einer Mitteilung zufolge.

150.000 Briten betroffen

Allein aus Großbritannien sind etwa 150.000 Urlauber im Ausland von der Pleite betroffen, auch deutsche Touristen könnten die Folgen spüren. Die britische Regierung ließ die größte Rückholaktion in Friedenszeiten anlaufen. "Wir werden jeden nach Hause bringen", kündigte Verkehrsminister Grant Shapps auf Twitter an. Mit dem deutschen Reiseveranstalter von Thomas Cook sind nach Unternehmensangaben derzeit 140.000 Gäste unterwegs.

Condor beantragt Kredit

Der Ferienflieger Condor ist jedoch nicht betroffen von einer Einstellung des Flugbetriebs. "Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort", sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Condor beantragte für die Aufrechterhaltung einen Überbrückungskredit bei der Bundesregierung. Aus rechtlichen Gründen darf das Unternehmen allerdings Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen.

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben dagegen komplett gestoppt. Man könne nicht gewährleisten, dass gebuchte Reisen mit Abreisedatum 23. und 24. September stattfinden, teilte Thomas Cook GmbH mit.

tb/dpa/rtr