Thomas Cook-Flugzeug im Landeanflug

Chinesischer Investor greift nach Reisegeschäft Thomas-Cook-Aktie schießt nach oben

Stand: 11.06.2019, 17:34 Uhr

Um bis zu 20 Prozent klettern die Aktien des britischen Reisekonzerns am Dienstag. Anlegern gefällt die Idee, dass der angeschlagene Konzern vom chinesischen Investor Fosun im Reisegeschäft unter die Arme gegriffen bekommt.

Laut Agenturmeldungen ist ein Deal noch nicht in trockenen Tüchern, aber es läuft wohl einiges darauf hinaus: Thomas Cook hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass es mit seinem in Hongkong gelisteten größten Aktionär Fosun Tourism über eine Veräußerung seines Reisegeschäfts spreche. Das Management betonte allerdings, es sei nicht sicher, ob es zu einer Offerte kommen werde. Eine solche würde geprüft wie alle anderen strategischen Optionen, ergänzte die Konzernführung.

Konzern schwer zu steuern

Ob aus der Übernahme der wichtigsten Sparte des Unternehmens ein kompletter Kauf durch Fosun wird oder Thomas Cook danach aufgeteilt wird, ist nun erst einmal Gegenstand wilder Spekulationen. Es sehe ganz danach aus, als würde Thomas Cook auf die eine oder andere Weise zerschlagen, urteilte Börsenanalyst Neil Wilson von Markets.com. Das sei zwar traurig, aber nicht unbedingt die schlechteste Lösung - es sei offensichtlich, dass der Konzern mit seinem großen Reisegeschäft schwer zu steuern sei.

Thomas Cook drückt einerseits einerseits ein milliardenschwerer Schuldenberg. Dazu kamen schlechte Geschäfte im vergangenen Sommer, der die Reiselust vieler Verbraucher sinken ließ. Und dann ist da noch die permanente Drohung durch den Brexit. Der sorgt für viel Unsicherheit der Kunden in der britischen Heimat, und auch wegen des schwachen Kurses des britischen Pfundes gegenüber dem Euro sinkt die Reisenachfrage auf der Insel.

Verluste durch gutes Wetter

Im Winterhalbjahr (bis März) schrieb man deshalb heftige Verluste von 1,5 Milliarden britischen Pfund (etwa 1,7 Milliarden Euro). Analysten haben in den vergangenen Monaten reihenweise den Daumen gesenkt. Die Citigroup stufte die Aktie sogar als "wertlos" ein. Es wurden Vergleiche zur Situation 2011 gezogen, als der Konzern wegen finanzieller Schwierigkeiten vor dem Kollaps gestanden hatte.

Der Reisekonzern leidet derzeit auch in der Airline-Sparte. Das Geschäft litt zuletzt unter wieder steigenden Kerosinpreisen sowie unter der harten Konkurrenz im Ferienflieger-Geschäft. Die Strategie des Konzerns lautet daher: Durch den Verkauf der Airline-Sparte will man sich auf den Reisebereich konzentrieren, dort aber massiv in hochpreisige Hotels investieren und stärker den Online-Vertrieb ankurbeln. Ob Thomas Cook diesen Plan noch in Eigenregie umsetzen kann oder dies bereits unter dem Dach eines oder mehrerer Investoren tun wird, bleibt nun abzuwarten.

Aktie immer tiefer

In der Thomas-Cook-Aktie haben sich die schlechteren Perspektiven des Unternehmens heftig widergespiegelt. Der Titel ist im Frankfurter Handel binnen eines Jahres von 1,40 Euro auf rund 0,20 Euro abgestürzt. Der Kursanstieg von heute ist damit nur ein kleiner Aufwärtszacken in einem rasanten Abstieg.

AB