Teva Pharmaceutical Industries
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Generikahersteller unter Druck Teva im Übernahmevisier

Stand: 06.11.2017, 08:20 Uhr

Es läuft nicht gut derzeit für die israelische Ratiopharm-Mutter Teva. Der Pharmakonzern, der zuletzt seine Gewinnprognose senken musste, gerät jetzt ins Visier von Übernahmespielen.

Israelische Medien berichten darüber, dass der amerikanische Milliardär Len Blavatnik mit seiner Unternehmensgruppe Access Industries einen Einstieg bei Teva vorbereitet. Er wolle Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Dollar kaufen, schreiben die Wirtschaftsmagazine "Globes" und "The Marker". Der gesamte Börsenwert der Gruppe, zu der auch der deutsche Generikahersteller Ratiopharm gehört, liegt derzeit mit knapp 11,6 Milliarden Dollar so niedrig wie seit 17 Jahren nicht mehr.

Len Blavatnik

Len Blavatnik. | Bildquelle: University of Oxford

Ein günstiger Einstiegszeitpunkt also. Denn Teva, das als größter Hersteller von Nachahmermedikamenten weltweit gilt, ist nach der Übernahme des Generikageschäftes von Actavis für hohe 40,5 Milliarden Dollar hochverschuldet und leidet zudem unter einer Abschwächung des regulären Geschäftes. Sowohl Access Industries als auch Teva lehnten eine Stellungnahme ab.

Prognosesenkung

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Teva die Jahresprognose gesenkt und erwartet jetzt nur noch 3,77 bis 3,87 Dollar je Aktie, nachdem zuvor 4,50 Dollar in Aussicht gestellt worden waren. Vor allem der Gewinn der wichtigen Generikasparte brach auf 619 Millionen Dollar ein, nachdem im Vorjahr noch 982 Millionen Dollar in den Büchern standen.

Vor allem in den USA hat der Konzern schon länger unter dem harten Wettbewerbsdruck zu leiden. Hinzu kommt, dass Teva auch beim selbstentwickelten MS-Medikament Copaxone mit Gewinneinbußen von bis zu 0,30 Dollar je Aktie rechnen muss, nach dem Ende des Patentschutzes. Konkurrent Mylan hat bereits eine günstigere Nachahmervariante auf den Markt gebracht.

Kåre Schultz, CEO Teva Pharmaceutical Industries

Kåre Schultz. | Bildquelle: Unternehmen

Schwierige Zeiten also für den neuen Firmenchef Kare Schultz aus Dänemark. Dessen Amtsantritt war im September von der Börse noch gefeiert worden, nachdem Vorgänger Erez Vigodman seinen Stuhl räumen musste. Die Kritik am Management war angesichts eines Schuldenbergs von rund 35 Milliarden Dollar immer lauter geworden. Schultz will nun prüfen, wie sich der Konzern im niedrigmargigen Generikageschäft positioniert oder sich sogar zurückzieht.

Aktie auf rasanter Talfahrt

Der Jubel über den neuen Chef im September hat nicht lange angehalten. Die Aktie steht an der Nyse bei derzeit 11,40 Dollar nicht nur am Jahrestief, sondern auch so tief, wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Ein drastischer Absturz vor allem in den vergangenen knapp zwei Jahren. Zum Jahresende 2015 lag der Kurs noch bei über 66 Dollar, das historische Hoch, ebenfalls aus dem Jahr 2015, lag bei 72,00 Dollar.

rm

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Die größten Generika-Hersteller Top-3-Nachahmer

Novartis Schriftzug

3. Sandoz/Novartis
Der in der Schweiz ansässige Pharmagigant Novartis bearbeitet den Markt für Generika über seine Division Sandoz. Zum Portfolio gehört seit 2005 auch der deutsche Generika-Hersteller Hexal.

2016 machte Novartis mit Sandoz 10,1 Milliarden Dollar Umsatz. Die Generikasparte steht damit für 21 Prozent der Gesamtumsätze.