Ferdinand Dudenhöffer

Werden die riesigen Erwartungen erfüllt? "Tesla wird immer einen Vorsprung haben"

Stand: 22.09.2020, 06:45 Uhr

Anleger warten mit großer Spannung auf Teslas "Battery Day". Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität St. Gallen ist sich sicher, dass der Tesla-Chef noch ein Ass im Ärmel hat - mindestens.

boerse.ARD.de: Was erwarten Sie von Teslas "Battery Day"?

Ferdinand Dudenhöffer: Es dürften drei Dinge zu erwarten sein. Einige Andeutungen hat Elon Musk schon per Twitter gemacht. Dabei geht es erstens um eine Verbesserung der Reichweite, vielleicht mit Hilfe von Eisen-Phosphat-Zellen, die zwar längere Ladezeiten haben, aber deutlich günstiger sind. Vielleicht wird sich Musk zweitens auch zu Feststoffbatterien äußern, bei denen deutlich schnellere Ladezeiten und eine höhere Kapazität zu erwarten wären. Das könnte zu 1.000 Kilometern Reichweite mit heutigen Batteriegrößen führen. Drittens könnte es Neuigkeiten zur Größe von Batteriezellen geben. Bisher sind diese eher klein und werden in großer Stückzahl zusammengeschaltet. Zukünftig könnte es vielleicht nur noch eine oder einige wenige viel größere Zellen geben. Das würde Platz sparen. Bei gleichem Volumen und gleichem Gewicht würde sich deutlich mehr Energie speichern lassen. Außerdem wäre es leichter solche Zellen zu kühlen, was wiederum Energie sparen und die Reichweite erhöhen würde. Doch Elon Musk wäre nicht Elon Musk, wenn er nicht noch weitere überraschende Neuigkeiten verkünden könnte.

boerse.ARD.de: Warum sind die von Ihnen angesprochenen Eisen-Phosphat-Zellen eigentlich günstiger?

Dudenhöffer: Bei der Kathode, dem Pluspol, verwendet man heute üblicherweise Kobalt und Nickel. Beide Rohstoffe sind sehr teuer, daher ist es aus Kostengründen attraktiv, Eisenphosphat zu verwenden.

boerse.ARD.de: Wie groß ist der Vorsprung von Tesla Stand jetzt?

Dudenhöffer: Bei den derzeitigen Serienfahrzeugen hat Tesla noch einen Vorsprung von ein bis zwei Jahren. Das Model S hat immer noch die längste Reichweite mit deutlich über 600 Kilometern. Auch bei der Rekuperation, also der Fähigkeit, Bremsenergie wieder in elektrische Energie umzuwandeln und damit den Akku wieder aufzuladen, ist Tesla führend. Bei der internen Steuerung der Fahrzeuge ist Tesla der Konkurrenz enteilt. So wird ein Tesla-Fahrzeug nur durch einen zentralen Rechner gesteuert. Die Konkurrenz braucht dafür dutzende Geräte, was die Fehleranfälligkeit erhöht. Auch bei der Produktion geht Tesla völlig neue Wege, indem die Fahrzeuge nur noch aus wenigen großen Gussteilen hergestellt werden. Das spart Zeit und Kosten. Musk ist eine Innovationsmaschine. Deshalb wird Tesla immer einen Vorsprung haben.

Das Gespräch führte Mark Ehren.