Brennendes Auto über Dollarnoten
Video

Hohe "Cash Burn Rate" Tesla verbrennt 8.000 Dollar pro Minute

Stand: 22.11.2017, 15:32 Uhr

Der amerikanische Elektroautobauer Tesla gibt derzeit viel mehr aus als hereinkommt. In großem Stil wird Geld „verbrannt“. Wie lange kann das gut gehen?

Anfang November meldete der Elektroauto-Bauer den höchsten Quartalsverlust seiner noch recht jungen Geschichte und die Planung einer neuen Batterie-Fabrik in China. Nur wenige Tage später wurden die neuen Projekte E-Truck und E-Super-Roadster vorgestellt. Sie sollen endlich das große Geld bringen. Noch nimmt der Konzern kaum etwas ein.

Tesla spaltet die Gemüter. Hin- und hergerissen sind Elektroauto-Fans, Analysten und Börsianer zwischen glorreichen Wachstumsperspektiven und riesigen Investitionsausgaben im Vorfeld. In den vergangenen zwölf Monaten "verschwanden" jede Stunde rund 480.000 Dollar, also 8.000 Dollar pro Minute.

Der amerikanische Finanzdienst Bloomberg hat nun einmal nachgerechnet, wie lange das Geld noch reicht, bis Tesla in Finanzierungsnöte gerät. Das Ergebnis ist beunruhigend: Wenn Tesla im gleichen Tempo Geld ausgibt, sind die Bargeldbestände des Konzerns schon am 6. August 2018 aufgebraucht.

Kunden müssen Vorkasse leisten

Tesla verbrennt mit seinen Fahrzeugen Geld statt Benzin, sagen böse Zungen. Um fair zu sein: Nur wenige Tesla-Beobachter erwarten, dass der Cash Burn sich in diesem halsbrecherischen Tempo fortsetzt. Firmen-Gründer Elon Musk sagte selbst, dass Tesla den Output seines wichtigen "Model 3" kräftig aufstocken wird. 5.000 Stück sollen ab Frühjahr monatlich vom Band rollen. Dadurch komme Geld herein.

Außerdem müssen die Besteller des neuen E-Lastwagen Tesla Semi schon vorab jeweils 5.000 Dollar lockermachen, ohne zu wissen, wann ihr Truck ausgeliefert wird. Potenzielle Käufer des angekündigten neuen Super-Roadsters müssen gar den vollen Kaufpreis von 250.000 Dollar vorab bezahlen. Bei der limitierten Stückzahl von 1.000 könnten so 250 Millionen Dollar fließen, ohne dass Tesla nur eines der Modelle ausgeliefert hat.

Tesla-Aktionäre bleiben gelassen

Auch die Anleger scheinen kaum besorgt zu sein. Die Tesla-Aktie stieg am Dienstag um fast drei Prozent auf 317,81 US-Dollar (hierzulande etwa 270 Euro), was einer Marktkapitalisierung von 53 Milliarden US-Dollar entspricht. Zum Vergleich: Die altehrwürdige Ford Motor Company hat derzeit einen Börsenwert von 48 Milliarden Dollar.

Bei aller Finanzmathematik: Ausreichen werden die verhältnismäßig bescheidenen Einnahmen nicht lange. "Musk braucht Geld, und zwar schnell", ist Bloomberg-Analyst Kevin Tynan überzeugt. Der Experte geht davon aus, das Tesla spätestens Mitte 2018 erneut den Kapitalmarkt anzapfen muss und sich so bis zu zwei Milliarden Dollar besorgen wird.

Auf neu ausgegebene Aktien wiederum könnten die Anleger verschnupft reagieren und den Kurs belasten. "Solange Tesla Geld verbrennt, ist das Unternehmen abhängig von der Geduld und dem Enthusiasmus der Investoren", zitiert Bloomberg Christian Hoffmann, Vermögensverwalter bei Thornburg Investment Management. "Oder einen weißen Ritter mit tiefen Taschen", merkt der Experte weiter kritisch an.

Fazit: Sollte Tesla das kommende Jahr finanziell überleben und seine prognostizierten Verkaufsziele erfüllen, dürfte das Schlimmste überstanden sein. Langfristig bleiben die Chancen dann angesichts der Perspektiven für E-Mobilität höher als die Risiken.

mmr