Besucher der Model-3-Präsentation fotografieren den neuen Tesla
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Rekord-Quartalsverlust Tesla stottert sich in den Massenmarkt

Stand: 02.11.2017, 08:45 Uhr

Der Elektroauto-Hersteller Tesla meldet den größten Quartalsverlust seiner noch jungen Geschichte. Doch es gibt einen Silberstreif: am fernöstlichen Horizont.

Dass das Mammut-Projekt "erstes Tesla E-Auto in Massenproduktion" teuer und schwierig würde, war immer klar. Doch wie viel Geld tatsächlich dafür draufgeht, überrascht nun doch.

Am Mittwoch nach US-Börsenschluss kam für Tesla mit der Vorlage des Quartalsberichts der Moment der Wahrheit. Für Anleger fiel er ernüchternd aus: Die hohen Kosten für das Model 3, mit dem Musks bislang nur im Luxus-Segment erprobte Firma die breite Masse erobern will, haben Tesla stärker als erwartet in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich fiel in den drei Monaten bis Ende September ein Verlust in Höhe von 619 Millionen Dollar (533 Millionen Euro) an.

Tesla-Aktie unter Druck

Es ist der höchste Fehlbetrag, den Tesla seinen Aktionären bislang in einem Quartal zugemutet hat. Am Markt kam die Nachricht, wie viel Mittel in der "Produktionshölle" verbrannt werden, nicht gut an. Die Aktie fiel nachbörslich um fünf Prozent auf 305 Dollar - der tiefste Stand seit Mai. In Deutschland notierte der Wert am Morgen bei 260 Euro. Dass der Umsatz um 30 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar und damit stärker als angenommen zulegte, konnte an der verschnupften Börsenreaktion nichts ändern.

Für zusätzliche Nervosität sorgt, dass unklar ist, ob und wann Tesla die Startschwierigkeiten bei der Produktion des Model 3 in den Griff bekommt. Tesla-Chef Elon Musk musste eingestehen, dass seine Fertigungsziele nicht einzuhalten sind. Statt bereits Ende dieses Jahres sollen nun erst spät im ersten Quartal 5.000 Fahrzeuge pro Woche vom Band laufen.

Massenproduktion des Model 3 kommt nicht in Gang

Mit lediglich 260 hergestellten Model 3 hatteTesla seine Ziele im dritten Quartal massiv verfehlt. Im Brief an die Aktionäre hieß es, der Anlauf der Massenproduktion sei eine Herausforderung, die Fertigung werde aber stetig erhöht. "Wir machen weiter Fortschritte, die anfänglichen Engpässe zu lösen". Es sei aber schwer, vorauszusagen, wie lange es dauern werde, die Probleme zu bewältigen, so Musk.

Dennoch bemühte sich der Tech-Milliardär in der obligatorischen Telefonkonferenz nach Veröffentlichung der Quartalszahlen um Optimismus. "Ich war wirklich deprimiert vor drei oder vier Wochen", räumte Musk zwar ein. Doch: "Nun habe ich wieder einen klaren Weg zur Sonne vor Augen."

Seinen Kritikern hielt Musk entgegen, dass die 2003 gegründete Firma die Auslieferungen in den letzten fünf Jahren von 2.500 auf 250.000 Autos erhöht habe. Die "Skeptiker da draußen" fragte er, wer von ihnen habe das kommen sehen? "Ich nehme an keiner."

Ernüchternde Gewinnspannen auch bei Model S und X

Experten zeigten sich wenig beeindruckt. Nicht nur die Entwicklung beim Model 3 sei enttäuschend, sagte Efraim Levy vom Analysehaus CFRA im US-Finanzsender CNBC. "Auch beim Model S und Model X fielen die Zahlen geringer aus als angenommen." Vor allem die Gewinnspannen seien ernüchternd. Die beiden etablierten Premium-Modelle, häufig über 100.000 Dollar teuer, trieben bislang das Wachstum von Tesla. Die Zukunft gehört jedoch dem ab 35.000 Dollar erhältlichen Model 3, das dem E-Antrieb den Weg in den Mainstream ebnen soll.

Nicht zuletzt wegen der großen Versprechen von Tesla-Chef Musk sind die Erwartungen an Teslas erstem Mittelklasse-E-Auto riesig. Über 500.000 Vorbestellungen gibt es, an der Börse hat die Fantasie vom Durchbruch in den Massenmarkt die Tesla-Aktie über Monate beflügelt. Der Kurs ist seit Anfang des Jahres um über 50 Prozent gestiegen. Zeitweise hatte Tesla - trotz im Vergleich winziger Produktion - gar den Branchenriesen General Motors als wertvollsten US-Autokonzern am Markt abgelöst. Entsprechend hoch ist nun das Rückschlagspotenzial. Die Anleger brauchen einen langen Atem.

Tesla bestätigt Bau eines Werks in China

Immerhin hat der Elektroauto-Bauer nun eine Einigung mit den chinesischen Behörden für den Bau eines neuen Werks in Shanghai bestätigt. "Die chinesische Fabrik soll in etwa drei Jahren mit der Produktion beginnen", sagte Musk. Dort solle in erster Linie das Tesla-Modell 3 für den chinesischen Markt und möglicherweise für weitere Länder in der Region gefertigt werden.

Die Produktion des Wagens vor Ort sei "die einzige Möglichkeit, dieses Auto in China erschwinglich zu machen", sagte Musk. Ab 2019 führt die Volksrepublik eine Quote ein: Die Autohersteller im Land müssen dann zehn Prozent ihrer Verkäufe mit Elektro- oder Hybridautos machen. Die ausländischen Autohersteller können diese Quote derzeit nicht erfüllen und versuchen deshalb zusammen mit ihren chinesischen Partnerunternehmen, den Anteil von E-Autos kräftig zu erhöhen.

dpa/AFP/mmr

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Tesla Semi

Tesla Semi
Unter großem Pomp enthüllte Tesla-Chef Elon Musk im November den lang erwarteten E-Lkw Semi. So soll das Fahrzeug auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen, sagte Musk. Zuletzt sprach Musk sogar von bis zu 965 Kilometern. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen.

Der Basispreis für das 500-Meilen-Modell soll bei 180.000 Dollar liegen. Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann.