Mann in einem Tesla Model S

Produktionsrückstand und Rückrufaktion Tesla in der Klemme

Stand: 03.04.2018, 08:56 Uhr

Der Elektroautobauer hinkt offenbar bei der Produktion seines neuen Hoffnungsträgers, des Model 3, weiter hinter den Vorgaben her. Dazu muss Tesla noch eine Rückrufaktion starten. Die Aktie bleibt unter Druck.

Wenigstens beweist Tesla-Chef und Gründer Elon Musk eine Menge "Galgenhumor" in der durchaus kritischen Situation für das Unternehmen. Als Aprilscherz teilte Musk per Twitter am Sonntag mit, Tesla sei "komplett und absolut pleite. So pleite, man glaubt es gar nicht". Vielen Anlegern dürfte die Mitteilung im ersten Moment allerdings wie das Eintreffen ihrer schlimmsten Befürchtungen vorgekommen sein.

Möglichst schnell möglichst viele "3"er

Grund zur Skepsis haben die Anleger und Beobachter in der Aktie des Elektroautokonzerns allemal. Wie zu Wochenbeginn bekannt wurde, hadert das Unternehmen wohl weiterhin mit der Produktion des neuen Volumenmodells 3, dass den Konzern dereinst aus der Verlustzone befördern soll.

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg gab es in der vergangenen Woche einen internen Aufruf durch Elon Musk an die Mitarbeiter, die Anstrengungen zu verstärken, um mehr als 300 Wagen pro Tag zu bauen und mit diesem "unglaublichen Sieg" die "Hasser" zu widerlegen. Ursprünglich wollte Tesla bereits bis Ende 2017 auf 5000 Fahrzeuge des Model 3 pro Woche kommen, diese Zielmarke wurde jetzt auf Ende Juni geschoben.

Der Autobauer entschied sich beim Model 3 für eine Fertigung mit noch mehr Automatisierung als üblich - und es dauere länger, die Maschinen einzustellen, heißt es. Tesla hat mehr als 400.000 Reservierungen für das Fahrzeug.

Modell S macht Sorgen

Am Wochenende musste Tesla zudem noch eine umfangreiche Rückrufaktion für sein derzeit erfolgreichstes Modell "S" ankündigen. Rückruf betrifft weltweit 123.000 der Luxus-Limousinen, so eine Mail an Kunden. Demnach habe der Hersteller festgestellt, dass es in "Regionen mit kaltem Wetter" zu starker Korrosion bestimmter Schrauben kommen könne, die zu einer Beeinträchtigung der Servolenkung führe. Die betroffenen Servolenkungen stammen von Bosch, wie eine Sprecherin am Freitag in Stuttgart bestätigte. "Bosch ist in enger Abstimmung mit Tesla und unterstützt die getroffenen Maßnahmen", hieß es weiter bei dem Autozulieferer.

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
330,33
Differenz relativ
+0,19%

Nicht zuletzt leidet die Aktie und der Ruf des Unternehmens weiter unter einem tödlichen Unfall mit dem Autopilot-System des Unternehmens, der sich vor knapp zwei Wochen ereignet hat. Er hatte sich bei eingeschaltetem Autopilot-Assistenzsystem ereignet, was neue Fragen zur Technologie aufwirft. Der Fahrer des Elektroautos habe mehrere Kollisions-Warnungen erhalten, aber keine Maßnahmen ergriffen, erklärte das Unternehmen in einem Blogeintrag am Osterwochenende. Die Ermittlungsbehörde NTSB geht auch Berichten nach, wonach der Fahrer an der Stelle bereits Probleme mit dem Autopilot-System gehabt haben soll.

Die Nachrichtenlage zu Tesla hat sich bei Aktie bereits in den vergangenen Monaten in einem deutlichen Kursrückgang niedergeschlagen. Allein im März plumpste der Titel um mehr als ein Fünftel nach unten. Das Unternehmen braucht dringend Erfolgsmeldungen.

AB