Tesla-Autoproduktion in Fremont, Kalifornien, USA

Behörde leitet Untersuchung ein Tesla: Frisierte Unfallbilanz?

Stand: 19.04.2018, 09:07 Uhr

Elon Musk will die Produktion des Model 3 rund um die Uhr laufen lassen und Hunderte neue Arbeitskräfte einstellen. Doch jetzt hat die Behörde für Arbeitssicherheit in Kalifornien einen schlimmen Verdacht.

Der Elektroautobauer wird verdächtigt, Unfallstatistiken von Mitarbeitern geschönt zu haben und ist deshalb ins Visier von Aufsehern geraten. Es sei eine Untersuchung eingeleitet worden, teilte die für Fragen der Arbeitssicherheit zuständige Behörde des Bundesstaates Kalifornien mit. Man nehme die Berichte über Gefahren am Arbeitsplatz sehr ernst, sagte eine Sprecherin. Das gleiche gelte für Anschuldigungen, arbeitsbedingte Verletzungen und Erkrankungen nicht im wahren Ausmaß gemeldet zu haben.

"Gezielte Desinformations-Kampagne"

Hintergrund: Am Montag hatte die zur US-Medienorganisation "Center for Investigative Reporting" gehörende Website "Reveal" unter Berufung auf Mitarbeiter berichtet, Tesla habe schwerwiegende Verletzungen in seiner Fabrik im kalifornischen Fremont absichtlich in Unfallstatistiken unterschlagen. Tech-Milliardär Elon Musk wies den Vorwurf in einem Firmen-Blog entschieden zurück und sprach von einer gezielten "Desinformations-Kampagne", hinter der die Autogewerkschaft UAW stecke.

Elon Musk

Elon Musk. | Bildquelle: dpa

Rund um die Uhr arbeiten

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Kurz zuvor war bekannt geworden, dass Tesla bei seinem Hoffnungsträger Model 3 die Produktionszahlen deutlich anheben will. Einem Bericht zufolge sollen bis Ende Juni wöchentlich 6.000 Fahrzeuge produziert werden. Damit wolle das Unternehmen sich einen Puffer schaffen, um die zuletzt angekündigten Produktionsziele von wöchentlich 5.000 Stück zu erreichen, berichtete die Auto-Nachrichtenseite "Electrek" unter Berufung auf einen Mitarbeiterbrief von Tesla-Chef Elon Musk. Geplant sei unter anderem, rund um die Uhr an der Limousine zu arbeiten.

Tesla verfehlt seit längerem die Produktionsziele für das Model 3 deutlich. In den vergangenen Wochen schaffte Tesla dem Bericht zufolge jeweils mehr als 2.000 Exemplare. Angestrebt waren bis Ende des ersten Quartals dagegen wöchentlich 2.500 Stück. Am Montag stoppte das Unternehmen zudem die Produktion des wichtigen Fahrzeugs vorübergehend, um die Automation zu verbessern. Am Freitag hatte Musk eingeräumt, sich zu sehr auf Roboter zu verlassen.

Die Deutschen schlagen zurück

Kritisch beäugt wird Tesla inzwischen auch von immer mehr Analysten. So habe Tesla bisher zwar den PR-Krieg gewonnen, die deutschen Fahrzeughersteller würden aber zurückschlagen, schrieb Barclays-Analystin Kristina Church in ihrer jüngsten Branchenstudie. Sie verwies dabei auf die 2018 und 2019 anstehenden Markteinführungen attraktiver und profitabler Elektromodelle von BMW, Mercedes, Audi, Porsche und VW.

Dem Aktienkurs von Tesla können die Nachrichten nichts anhaben. Das an der Nasdaq gehandelte Papier legt am Abend um knapp zwei Prozent zu und nähert sich wieder der 300-Dollar-Schwelle.

lg

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Tesla Semi

Tesla Semi
Unter großem Pomp enthüllte Tesla-Chef Elon Musk im November den lang erwarteten E-Lkw Semi. So soll das Fahrzeug auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen, sagte Musk. Zuletzt sprach Musk sogar von bis zu 965 Kilometern. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen.

Der Basispreis für das 500-Meilen-Modell soll bei 180.000 Dollar liegen. Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann.