Tesla-Chef Elon Musk
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Verluste deutlich ausgeweitet Tesla: Chef Musk verwirrt die Anleger

Stand: 03.05.2018, 08:27 Uhr

Bei der Herstellung des Model 3 kommt Tesla nur schleppend voran, hält aber am Jahresziel von 5.000 Autos pro Woche fest. Trotzdem geht die Aktie in die Knie.

Im nachbörslichen Handel an der Nasdaq verliert die Tesla-Aktie knapp fünf Prozent, nachdem sie in einer ersten Reaktion nach Veröffentlichung der Quartalszahlen noch leicht zugenommen hatte. Eine der Ursachen des plötzlichen Knicks könnte Firmenchef Elon Musk persönlich sein.

In der Telefonkonferenz mit Analysten wirkte Musk gestresst und unwirsch. Musk bezeichnete einige Fragen von Analysten als trocken, langweilig und "nicht cool". "Diese Fragen sind so trocken. Die machen mich fertig", sagte der Milliardär, der auch Chef des Weltraumunternehmens SpaceX ist.

Privatanleger sind Musk lieber als Analysten

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Er reagierte damit auf die Frage, wie viele künftige Model-3-Käufer bereits ihre Sonderausstattungen ausgewählt haben - ein Hinweis darauf, wie viel Geld Tesla mit den Autos verdient. Ein anderer Analyst fragte nach dem Kapitalbedarf, bevor er von Musk unterbrochen wurde. Der Konzernchef ließ sich stattdessen von Privatanlegern via YouTube befragen. Gewohnt selbstbewusst erklärte er unter anderem, Tesla habe unter allen Herstellern die niedrigsten Kosten pro Kilowattstunde bei den Batterien.

Dabei hat der Hersteller von E-Autos im ersten Quartal die Erwartungen trotz eines Rekordverlusts übertroffen. So wuchs der Umsatz um 26 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Auch bestätigte Musk die Ziele für sein erstes Mittelklasseauto Model 3, bis Mitte des Jahres trotz Problemen pro Woche rund 5.000 Wagen vom Band laufen lassen will. Zuletzt kam die Massenfertigung allerdings nur langsam voran. In der letzten Aprilwoche stellte Tesla 2.270 Model 3 her, Ende März waren es nur 2.020.

Über 700 Millionen Dollar Verlust

Von dem Fahrzeug erhofft sich das kalifornische Unternehmen einen Durchbruch auf breiter Front. Im abgelaufenen Quartal schrieb Tesla allerdings einen Rekordverlust von 710 Millionen Dollar. In einem Brief an die Aktionäre bekräftigte Musk aber seine jüngste Ansage, es mit Tesla im dritten und vierten Quartal in die schwarzen Zahlen zu schaffen. Insgesamt will Tesla in diesem Jahr drei Milliarden Dollar ausgeben, weniger als 2017 mit 3,7 Milliarden Dollar.

Elon Musk
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Musk im O-Ton: "Diese Fragen sind so trocken. Die machen mich fertig"

Entscheidend dafür dürfte sein, dass Tesla die Produktionsprobleme beim Model 3 löst und der Verkauf des Modells Geld in die Kassen spült. Einige Finanzmarktexperten rechnen eher damit, dass das Unternehmen dieses Jahr noch einmal frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen muss, um seine ambitionierten Ziele erreichen zu können. Musk bekräftigte in der Telefonkonferenz, Tesla werde keine Finanzspritzen brauchen. Die Firma hat seit der Gründung 2003 noch kein Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen.

Batterien ohne Kobalt

Ein neues Detail war auch, dass Tesla bei den Batterien weitgehend ohne Kobalt auskommen wolle. Um Kobalt gibt es viele Diskussionen, weil es zu großen Teilen im Kongo gefördert wird, unter anderem in kleinen Minen mit Kinderarbeit. Große Fahrzeugbatterien fast ohne Kobalt wären daher nicht nur aus finanzieller Sicht ein Durchbruch.

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Tesla nach den Zahlen auf "Sell" mit einem Kursziel von 195 Dollar belassen. Der US-Elektrobauer verbrenne mehr Barmittel, was am Markt nicht gut ankommen dürfte, schrieb Analyst Colin Langan.

lg

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Das frühreife Kind
Am 28. Juni 1971 erblickt Elon Musk in Südafrika das Licht der Welt. Er wächst in wohlhabenden Verhältnissen auf. Sein Vater ist Ingenieur, seine Mutter hat eine Praxis als Ernährungsberaterin. Elon ist neugierig und frühreif. Manchmal verfällt der kleine Junge in eine Art Trance, dann hört er nicht mehr hin. Ärzte machen Tests mit ihm und beschließen, seine Polypen herauszunehmen. Das ändert nichts.