Tesla Model S
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Skandal um Subventionen Tesla: Autos, die es gar nicht gibt

Stand: 01.12.2017, 14:23 Uhr

Hat sich der US-Elektroautobauer Subventionen in Deutschland erschlichen? Das zuständige Bundesamt sieht das anscheinend so und streicht dem Unternehmen jetzt die E-Auto-Förderprämie für das Modell S.

Dies geht aus der veröffentlichten "Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge" des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vom 30. November hervor. Den amerikanischen Hersteller Tesla findet man dort nicht mehr. Warum aber ist der E-Auto-Pionier beim deutschen Staat so in Ungnade gefallen?

Keine Luxusautos im Visier

Stein des Anstoßes ist das Modell S, das als Basismodell für netto 58.000 Euro zu haben ist. Damit würde es förderfähig sein, denn der Gesetzgeber schreibt vor, dass Elektrofahrzeuge nur dann die Umweltprämie von bis zu 4.000 Euro erhalten, wenn die billigste Basisvariante für netto unter 60.000 Euro angeboten wird. Der Staat schießt dabei bis zu 2.000 Euro zu, der Hersteller ebenfalls. So kann ein Käufer bis zu 4.000 Euro Prämie erhalten.

Tesla Model S. | Bildquelle: Unternehmen

Mit der Kaufpreisbegrenzung soll erreicht werden, dass keine teuren Luxuslimousinen von ohnehin zahlungskräftigen Kunden gefördert werden. Ironie dabei aber: Es wird eben nur auf das günstigste Basismodell abgestellt, so dass auch Modelle mit wahlweise sehr viel höherwertiger Ausstattung gefördert werden - Hauptsache, der Hersteller hat eine Basisvariante unter der magischen 60.000-Euro-Schwelle im Angebot. Ein S-Modell kann mit Topaussattung (von Null auf Hundert in drei Sekunden) in der Spitze bis zu 150.000 Euro kosten - und würde also trotzdem gefördert werden.

Ein Schelm, wer sich Böses denkt

Alles in Ordnung also mit dem Modell S möchte man meinen. Aber der Teufel steckt im Detail, wie Recherchen des Fachblattes "Auto Bild" sowie des "manager magazins" jetzt zu Tage brachten. Deren Informationen nach wurde der Preis der Bais-Version so gesenkt, dass er unter die 60.000 Euro Grenze rutschte. Ein sogenanntes Komfortpaket, das Leistungen wie Navigation, Rückfahrkamera, Parksensoren und anderen Extras, die in dieser Preisklasse üblich sind, zu Zeiten des deutlich über 60.000 Euro liegenden Basispreises für schon für 5.200 Euro angeboten wurde, kostet heute überraschende 13.101 Euro. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Das eigentliche Problem für Tesla aber ist: Ein förderwürdiges Basismodell von Tesla ohne "Komfortpaket" wird gar nicht angeboten, sondern es ist nur in Zusammenhang mit dem derzeit 13.101 Euro teuren zusätzlichen "Komfortpaket" zu haben.

Konkret geht es beim Testkauf der "Auto Bild" um ein Model S75D, das ohne Komfortpaket gekauft werden sollte. Der Tesla-Kundenberater habe aber erklärt, ohne das Komfortpaket sei das Auto nicht zu haben. Die 58.000 Euro seien nur dazu da, um die Umweltprämie zu bekommen. Andere Kunden berichten ähnlich. Entweder werde der Kauf storniert, oder ein "Basismodell" eben mit Komfortpaket ausgeliefert. Das nährt den Verdacht, dass das förderungsfähige Basismodell überhaupt nicht gebaut wird. Damit stehe der Verdacht des unlauteren Wettbewerbs und der Verbrauchertäuschung im Raum, so das Blatt weiter.

Vorwurf des Subventionsbetruges

Kein Wunder, dass bei solchen Tricksereien der Staat hellhörig wird. Denn wenn das förderungsfähige Auto gar nicht gebaut wird, kann es auch nicht gefördert werden. Ein BAFA-Sprecher erklärte am Freitag gegenüber dem "manager magazin", das 1.274 Anträge für das Model Tesla S eingegangen seien. Davon wurden 834 bewilligt und 648 ausgezahlt. Mit der Streichung von der Förderliste ist damit jedenfalls bis auf weiteres Schluss. Das Amt prüfe noch, ob Tesla-Fahrer die aus Steuermitteln erhaltene Prämie zurückzahlen müssen, heiß es weiter.

Tesla dementiert

Der Fall dürfte die Öffentlichkeit noch weiter beschäftigen, vielleicht sogar die Gerichte. Tesla erklärte zu den Vorwürfen, dass es das Basismodell für 58.000 Euro sehr wohl zu kaufen gäbe. Der Vorwurf des Subventionsbetruges sei "eine komplett falsche Beschuldigung". Den Vorwürfen wolle man aber nachgehen.

Tesla geht zudem weiter in die Offensive: „Es ist wichtig zu erwähnen, dass die Preisgrenze für die Förderung von der deutschen Regierung absichtlich so gewählt wurde, dass insbesondere Autos von Tesla nicht dafür in Frage kommen." Dies würde gegen die EU-Gesetze verstoßen und Tesla habe erwogen, bei der EU-Handelskommission Einspruch einzulegen. Man habe sich daher mit der Regierung auf ein Basismodell geeinigt, um die Förderungsvoraussetzungen zu erfüllen und das später nachgerüstet werden könne.

Aktie auf Unterstützungsniveau

Besucher der Model-3-Präsentation fotografieren den neuen Tesla

Tesla Model 3. | Bildquelle: picture alliance / Justin Pritchard/AP/dpa

Trotz der Negativwerbung in Deutschland um die Förderung setzen die Anleger weiter auf den Durchbruch für Tesla. Das defizitäre Unternehmen von Firmengründer Elon Musk wird an der Nasdaq immerhin mit knapp 50 Milliarden Dollar bewertet. Dabei werden pro Minute rund 8.000 Dollar verbrannt, im dritten Quartal lag der Verlust bei 619 Millionen Dollar. Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es derzeit, im Massenmarkt mit dem Modell 3 Fuß zu fassen.

Allerdings hat die Aktie ihr Jahreshoch bei 385 Dollar im September nicht halten können. Aktuell kostet sie 308,85 Dollar und notiert damit auf dem seit dem Frühjahr ausgebildeten Unterstützungsniveau. Wird dies nachhaltig verletzt, drohen Kurse zwischen 280 und 250 Dollar. Insgesamt aber hat sich ein Engagement in der Tesla-Aktie auf Jahressicht aber immer noch gelohnt. Vor einem Jahr stand der Kurs bei 181 Dollar.

rm

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Tesla Semi

Tesla Semi
Unter großem Pomp enthüllte Tesla-Chef Elon Musk im November den lang erwarteten E-Lkw Semi. So soll das Fahrzeug auch mit voller Ladung von 40 Tonnen eine Reichweite von rund 800 Kilometern erreichen, sagte Musk. Zuletzt sprach Musk sogar von bis zu 965 Kilometern. Die Produktion werde im Jahr 2019 beginnen.

Der Basispreis für das 500-Meilen-Modell soll bei 180.000 Dollar liegen. Der Sattelschlepper hat vier Motoren - und Tesla verspricht, dass er pannenfrei eine Million Meilen (1,6 Millionen Kilometer) schaffen kann.