Tesla Model 3

Richtung 2.500? Tesla-Aktiensplit: Noch mehr Kursgewinne?

Stand: 31.08.2020, 10:47 Uhr

Am Freitagabend nach dem Klang der Schlussglocke wurde der Aktiensplit bei Tesla wirksam. Die Aktien des Elektroautobauers sind seit der Ankündigung bereits massiv gestiegen. Wie sind nun die Aussichten für die Papiere?

Anleger, die am Freitag zum Börsenschluss an der Technologiebörse Nasdaq Tesla-Aktien in ihrem Depot hatten, erhielten für eine "alte" Tesla-Aktie fünf "neue" Papiere. Die bisherige Stückzahl hat sich also verfünffachtn.

Erfahrungsgemäß profitieren etwa drei Viertel der Unternehmen, die einen Aktiensplit durchführen, zumindest kurzfristig von der Maßnahme. Denn gesplittete Aktien sehen optisch günstiger aus, was gerade im Fall Tesla wichtig sein dürfte. Mit 2.200 Dollar sieht das Papier gerade auch im amerikanischen Branchenvergleich zu General Motors mit rund 30 Dollar und Ford mit rund sieben Dollar ziemlich teuer aus.

So teuer wie die nächsten Fünf

Auch beim Blick auf die Marktkapitalisierung wird deutlich, wie stark die Börse derzeit die Zukunft von Tesla einschätzt. Mit einer Marktkapitalisierung von 417 Milliarden Dollar ist Tesla in etwa so viel wert wie Toyota, Volkswagen, Daimler, Ferrari und BMW zusammen genommen. Diese haben im vergangenen Jahr zusammen genommen rund 25 Millionen Fahrzeuge produziert - die meisten davon allerdings klassische Modelle mit einem Verbrennungsmotor.

Das Produktionsziel von Tesla fürs laufende Jahr liegt derzeit bei 500.000 Einheiten - allerdings ausschließlich Elektrofahrzeuge. Damit wäre der Konzern aus Kalifornien erneut unangefochtener Weltmarktführer bei Autos mit einem reinen Elektroantrieb. In seinem Heimatmarkt in den USA kommt Tesla derzeit auf einen Marktanteil von 80 Prozent.

Bei einem Vergleich der Produktionszahlen scheint die Börse die Zukunftsaussichten von Tesla bereits ziemlich weitgehend gewürdigt zu haben - zumal auch die Konkurrenz auf dem Elektroautomarkt weiter zulegen dürfte.

Zukunft im Energiegeschäft?

Doch wahrscheinlich hat Tesla noch weitere Pfeile im Köcher. So wird darüber spekuliert, ob Tesla ins Energiegeschäft einsteigen könnte. So könnten zukünftige Tesla-Modelle in Zeiten, in denen das Fahrzeug nicht genutzt wird, als Stromspeicher für überschüssige und damit günstige erneuerbare Energie genutzt werden. In Zeiten von knappen teuren Strom könnten die Tesla-Modell diesen dann wieder abgeben. In beiden Fällen müssten die jeweiligen Besitzer der Fahrzeuge dem zustimmen. Sowohl die Stromaufnahme- als auch -abgabe soll sich sowohl für Tesla als auch für die Autobesitzer finanziell lohnen - das Auto nicht nur als Kostenfaktor, sondern auch als Umsatzbringer, das wäre das mal was Neues.

Zukunft beim Robo-Auto?

Auch beim Thema selbstfahrendes Auto hat Tesla Gerüchten zufolge Großes vor. Sobald die Software für komplett selbstfahrende Autos fertig ist, könnten Tesla-Besitzer ihr Fahrzeug quasi als selbstfahrendes "Taxi" verleihen und an den Einnahmen beteiligt werden. Die Versicherung dafür will Tesla wahrscheinlich gleich mitliefern.

Für viele Tesla-Aktionäre ist das Unternehmen damit deutlich mehr als ein reines Automobilunternehmen.

Teuer, Teuer ...

Die Tesla-Aktie wird innovative Produkte brauchen, um ihre sehr hohe Bewertung zu rechtfertigen. Das Papier ist auf Basis der Umsatzschätzungen für 2020 von 30 Milliarden Dollar mit dem 14-fachen-Umsatz bewertet. Das ist selbst für Tesla-Verhältnisse ziemlich hoch: Tesla war nach klassischen Maßstäben immer teuer, aber fast nie so teuer wie heute.

… aber sehr hohes Wachstum in Sicht

Allerdings hat Tesla-Chef Elon Musk in diesen zehn Jahren gezeigt, zu welchen Wachstum sein Unternehmen fähig ist. Im Jahr 2010 lag der Umsatz von Tesla gerade einmal bei 117 Millionen Dollar. Die beiden neuen Werke in Brandenburg und in Texas in Verbindung mit neuen Modellen wie dem Pick-Up Cybertruck und dem Elektro-LKW Tesla Semi versprechen weiter ein sehr hohes Wachstum.

Ziel S&P 500

Neben dieser fundamentalen Betrachtung spricht kurzfristig auch eine mögliche Aufnahme von Tesla in den erlauchten Kreis des S&P 500 für die Aktie. Denn der Konzern hat in den vergangenen vier Quartalen jeweils einen Nettogewinn erwirtschaftet. Dies gilt als zwingende Voraussetzung für eine Aufnahme in den Index. Und dank der gewaltigen Kurs-Rally würde die Tesla-Aktie inzwischen zu den zehn größten Werten im S&P 500 gehören.

Entsprechend wären Indexfonds, die das Börsenbarometer nachbilden, gezwungen Tesla-Aktien in erheblichen Umfang zu kaufen. Am Markt wird bereits darüber spekuliert, ob Tesla in diesem Zusammenhang sein Kapital massiv erhöhen könnte, um den Fonds mit frischen Aktien einen Einstieg zu erleichtern.

Doch unabhängig von kurzfristigen Faktoren wie Index-Aufnahmen und Aktiensplits wird langfristig die wirtschaftliche Entwicklung maßgeblich den Aktienkurs von Tesla beeinflussen. Der absolute Kurswert spielt dann kaum noch eine Rolle.

Das zeigt auch das Beispiel Berkshire Hathaway. Die Aktie von Warren Buffetts Unternehmen ist schon seit Jahrzehnten beim Kurswert teuer. Doch das hat sie nicht abgehalten, mit über 300.000 Dollar zur teuersten Aktie auf dem amerikanischen Kurszettel zu werden.