Monster Hunter: World

Monster Hunter: World - minus China Mittleres Beben bei Tencent

Stand: 16.08.2018, 11:26 Uhr

Zum ersten Mal seit rund zehn Jahren geht bei Tencent der Gewinn zurück. Und der chinesische Technologiekonzern darf die dortige Zockerjugend derzeit nicht wie gewünscht mit Spiele-Nachschub versorgen. Für die Anleger ist das ein Alarmsignal.

Die Tencent-Aktie ist derzeit in einem Abwärtstrend gefangen. Allein in den vergangenen sechs Monaten büßte das Unternehmen mehr als ein Fünftel des Börsenwerts ein. Seit dem Jahreshoch im Januar ist die Marktkapitalisierung um umgerechnet rund 150 Milliarden Euro zurückgefallen.

Für langfristig orientierte Anleger ist das zwar nicht mehr als eine kleine Delle, denn in den vergangenen fünf Jahren hatten Tencent um mehr als 400 Prozent zugelegt. Gleichwohl dürften sich einige Investoren jetzt fragen, ob der einst unaufhaltsam erscheinende Aufstieg jetzt doch aufgehalten ist. Immerhin: Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage geht es heute zumindest wieder vorwärts.  

Gewinnsteigerungsmaschine mit stotterndem Motor

Denn die enttäuschenden Geschäftszahlen vom vergangenen Mittwoch müssen verdaut werden: Im zweiten Quartal zwar der Umsatz im Jahresvergleich zwar um 30 Prozent auf 73,7 Milliarden Yuan geklettert. Beim Betreiber des chinesischen Whatsapp-Rivalen WeChat fiel der Gewinn allerdings umzwei Prozent auf 17,9 Milliarden chinesische Yuan (2,3 Milliarden Euro). Das ist seit mindestens zehn Jahren nicht mehr vorgekommen, kein Wunder also, dass die Anleger zügig auf den Verkaufsknopf gedrückt haben.

Pony Ma Huateng, CEO Tencent

Pony Ma Huateng, CEO Tencent. | Bildquelle: (c) dpa

Und was den Investoren überhaupt nicht gefällt, ist, dass ein bedeutender Geschäftszweig derzeit mit massiven behördlichen Problemen zu kämpfen hat:  Die Spiele-Sparte. Chinesische Regulierungsbehörden wiesen den Social-Media-Tencent-Giganten an, das derzeit extrem beliebte Spiel Monster Hunter: World von der PC-Download-Liste zu streichen.

Die Welt außer China jagt Monster

"Der jüngste Einbruch hat unter anderem mit der Lizenzverweigerung der chinesischen Behörden für das Videospiel Monster Hunter zu tun", erklärt Walter Vorhauser von der Oddo Seydler Bank. Die Spiele-Sparte sei für das Schwergewicht wichtig und Monster Hunter ein Verkaufsschlager.

Nicht nur Monster Hunter ist bislang nicht freigegeben, auch andere Spiele sind betroffen. Nach einer Neuaufstellung der Medienaufsichtsbehörde warteten etliche Entwickler bereits seit Monaten auf Genehmigungen. Wann die Zulassung von Spielen wieder wie gewohnt läuft, konnte der Konzern nicht sagen. Wir lernen daraus, welches Gewicht die manchmal noch immer nicht nicht ganz ernst genommene Spielebranche im nach Inhalten gierenden Technologie- und Social-Media-Bereich bereits hat.

Tencent-Tablet-Bildschirm

Tencent. | Bildquelle: Imago

„Die Resultate waren wirklich schlecht“, kommentiert ein Analyst aus Shanghai. Die Tatsache, dass "Monster Hunter: World" aus dem Programm genommen werden musste zeige, das Tencent nicht immun gegen regulatorisches Durchgreifen sei.

ts