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Zehn Prozent Erhöhung sind drin Telekom wirbt mit höherer Dividende

Stand: 22.01.2018, 09:25 Uhr

T-Aktionäre hatten zuletzt wenig zu lachen. Die Aktie läuft spätestens seit der gescheiterten Sprint-Fusion in den USA unterdurchschnittlich. Für dividendenorientierte Anleger gibt es jetzt aber einen Lichtblick.

Denn Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt stellt den Aktionären im laufenden Jahr eine kräftige Erhöhung der Dividende um rund zehn Prozent in Aussicht. Auch nach 2018 soll es in diesem Tempo weitergehen, erklärte der Manager am Wochenende im Interview mit der "Börsen-Zeitung". Basis für die Dividendenzahlung ist der freie Cashflow, dessen Wachstum Dannenfeldt in der gleichen Größenordnung erwartet.

Das bekommt der Aktie zum Wochenstart gut. Mit einem Plus von 0,9 Prozent liegt der Dax-Titel am Montagmorgen überdurchschnittlich gut im Markt.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Telekom hatte am 1. Juni 2017 für das Vorjahr 0,60 Euro ausgeschüttet, was einer Dividendenrendite von über vier entspricht. Traditionell gelten Telekomaktien als dividendenstark, was meist auch für die T-Aktie gegolten hat. Trotzdem war die Kursentwicklung im vergangenen Jahr mit minus 9,5 Prozent enttäuschend und auch der Start ins neue Jahr ist mäßig gelaufen. Der Druck auf das Management wächst damit, den Markt beziehungsweise die Aktionäre bei Laune zu halten.

Keine Eile in den USA

Fundamental hat sich in den letzten Jahren vor allem die lange ungeliebte US-Tochter T-Mobile US unter der Führung des US-Chefs John Legere sehr positiv entwickelt. Es ist derzeit der einzige wirkliche Wachstumsbereich im Portfolio. Es gebe daher "überhaupt keinen Drang", die USA zu verlassen, so Dannenfeldt weiter.

T-Mobile-US-Chef John Legere

T-Mobile-Chef USA John Legere. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die US-Tochter habe in den ersten neun Monaten einen freien Mittelzufluss von 921 Millionen Dollar erwirtschaftet und rechne bis 2019 mit einem durchschnittlichen jährlichen Plus von "mindestens 45 Prozent". Kein Wunder, dass sich Dannenberg gelassen zeigt.

Ein Verkauf sei aber trotzdem nicht völlig ausgeschlossen. "Wenn jetzt jemand käme und ein Angebot auf den Tisch legt, sagen wir einmal 120 Dollar je Aktie, all Cash, dann müssten wir wohl darüber nachdenken", so der Finanzvorstand. Die T-Mobile-US-Aktie war am Freitag bei 63,71 Dollar aus dem Markt gegangen. Von der neuen Steuerreform der Trump-Regierung wird übrigens auch die Telekom kräftig profitieren. Dannenfeldt geht von einem "relevanten dreistelligen Millionenbetrag" nach Anteilen Dritter aus.

Höttges mahnt die Politik

T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Auch Firmenchef Tim Höttges hat sich am Sonntag auf der Internet-Konferenz DLD in München zu Wort gemeldet. Europa hat nach seiner Einschätzung keine Chance mehr, im Verbraucher-Geschäft mit Online-Plattformen zu amerikanischen und chinesischen Firmen aufzuholen. "Ja, wir haben diese B2C-Plattformen für immer verloren, das ist meine Überzeugung", sagte Höttges ohne Umschweife. "Aber im Internet der Dinge, im Geschäft zwischen Unternehmen - hier liegt die Stärke Europas, hier haben wir etwas zu gewinnen."

Timotheus Höttges

Timotheus Höttges, Deutsche Telekom. | Bildquelle: Unternehmen

Er habe es satt, dass europäische Politiker und zum Teil auch Unternehmen "Meister im Beobachten" seien. Es sei an der Zeit, endlich zu handeln. Die wichtigste Forderung sei, Telekom-Unternehmen mehr Frequenz-Spektrum für neuen Service freizumachen: "Gebt uns Spektrum, wir brauchen Spektrum!"

Er mahnte die Politiker, die Einschränkung der Telekomindustrie zurückzufahren. "Die Deutsche Telekom wird seit 20 Jahren reguliert - und jetzt beschweren sich die Leute, dass wir nicht genug in die Infrastruktur investierten", kritisierte der Firmenchef. Solange es für andere Marktteilnehmer günstiger sei, auf die Infrastruktur der Telekom zurückzugreifen als eigene Netze aufzubauen, investierten diese nicht. Derzeit baut die Telekom das Glasfasernetz mit Milliardenaufwand aus, will aber dafür im Gegenzug auch die Preishoheit über das Netz haben. Entscheiden muss dies letztlich die Bundesnetzagentur.

T-Systems wird aufgeteilt

Bereits am Donnerstag hatte die Telekom einen Pressebericht bestätigt, dass sie ihre schwächelnde Großkundensparte T-Systems unter der Leitung des neuen Spartenchefs Abdel Al-Saleh aufspalten wolle. Durch zwei Gesellschaften könne mehr Marktnähe und Flexibilität geschaffen werden. Zudem dürften sich Zukäufe einfacher umsetzen lassen, hieß es. Von Gewerkschaftsseite wurde die Entscheidung am Sonntag kritisiert und die Bildung einer "Bad Bank" befürchtet, die man dann verkaufen wolle.

T-Systems-Chef Adel B. Al-Saleh

T-Systems-Chef Adel B. Al-Saleh. | Bildquelle: Deutsche Telekom

Im dritten Quartal hatte die Telekom eine Abschreibung von 1,2 Milliarden Euro auf T-Systems vornehmen müssen. Im Geschäft mit Großkunden herrscht starker Preisdruck. Zuletzt wanderten viele Kunden ab - offenbar auch, weil viele Zeit- und Kostenpläne nicht eingehalten wurden.

Analystenstimmen

Das US-Analysehaus Bernstein Research hat die Einstufung für T-Aktie anlässlich der geplanten Aufspaltung der von T-Systems auf "Market-Perform" mit einem Kursziel von 16,25 Euro belassen. Analyst Dhananjay Mirchandani begrüßte, dass die Telekom das problembehaftete Geschäft mit IT-Outsourcing als eigene rechtliche Einheit abspalten will. Dass man sich von diesem "Problemkind" trennen wolle, gehe in die richtige Richtung, schrieb er in einer am Freitag vorliegenden Studie.

Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für die Aktie derweil vor den Quartalszahlen von 18 auf 18,50 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Das deutsche Mobilfunkgeschäft dürfte solide abgeschnitten haben, schrieb Analyst Maurice Patrick in einer am Freitag vorliegenden Branchenstudie. Das höhere Kursziel begründete er mit einem angehobenen fairen Wert für T-Mobile US. Nach dem geplatzten Deal mit Sprint werde die US-Tochter nun wohl auf eigenständiges Wachstum setzen.

rm/rtr/dpa