Deutsche Telekom-Chef Timotheus Hoettges

80 Prozent mehr verdient Telekom scheffelt wieder Milliardengewinne

Stand: 19.02.2020, 18:42 Uhr

Die Deutsche Telekom ist gut gerüstet für die Milliarden-Fusion in den USA. Dank florierender Geschäfte in Amerika steigerten die Bonner den Gewinn 2019 deutlich. Dennoch gibt's weniger Dividende für die Aktionäre. Telekom-Chef Tim Höttges hat aber ein Trostpflaster.

Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Jahr um 6,4 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Telekom vom brummenden Geschäft in den USA. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 3,9 Milliarden Euro. Das sind 80 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mit verantwortlich hierfür waren deutlich weniger Sondereinflüsse. 2018 hatte die Telekom noch 2,4 Milliarden Euro vor allem für Personalmaßnahmen und Abschreibungen aufgewendet. "Mit diesen Rekordzahlen haben wir unsere Position als klare Nummer eins der Branche in Europa bestätigt", bilanzierte Telekom-Chef Tim Höttges.

10 Cent weniger Dividende

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Allerdings ächzt der Konzern unter einer hohen Schuldenlast. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten des Bonner Konzerns lagen zum Jahresende bei rund 76 Milliarden Euro. Der Schuldenstand hat Folgen: Die Telekom kürzt ihre Dividende für 2019 von 70 Cent auf 60 Cent je Aktie. Der Konzern hatte dies unter anderem mit hohen Kosten für die 5G-Mobilfunkauktion in Deutschland und mit finanziellen Lasten aus der angestrebten US-Transaktion begründet.

Für das laufende Jahr stellt die Telekom weitere Zuwächse in Aussicht. Die Bonner wollen beim Umsatz zulegen und den operativen Ertrag (bereinigtes Ebitda ohne Leasingkosten) auf 25,5 Milliarden Euro steigern. Die Milliarden-Fusion in den USA ist dabei nicht eingerechnet.

(Fast) grünes Licht für die US-Fusion

Knapp 20 Jahre nach der umstrittenen Milliarden-Übernahme von Voicestream steht die Telekom vor einem neuen Expansionsschritt in den USA. Die Tochter T-Mobile US soll mit dem Rivalen Sprint zusammengehen. Durch die Fusion soll ein Mobilfunkriese entstehen, der auf gut 130 Millionen Kunden und einen Jahresumsatz von rund 76 Milliarden Dollar kommt - die Nummer drei auf dem US-Markt. "Wir sind damit auf Augenhöhe und greifen weiter an", sagte Telekom-Chef Tim Höttges am Mittwoch in Bonn.

Der Konzern hat inzwischen die wichtigsten Hürden für den im April 2018 angekündigten Milliarden-Deal aus dem Weg geräumt. Zuletzt hatte ein US-Gericht Klagen mehrerer Bundesstaaten gegen die Pläne abgeschmettert. Legen die vor Gericht unterlegenen US-Bundesstaaten keine Berufung gegen die Entscheidung ein, ist die Fusion endlich in trockenen Tüchern. "Der Merger in den USA ist greifbar", meinte Telekom-Chef Höttges. "Das ist dann die größte Fusion eines deutschen Unternehmens in den USA jemals", bilanzierte Höttges. Hoffnung machte dem Telekom-Chef bereits der Bundesstaat New York: Die örtliche Generalstaatsanwältin, Letitia James, hatte angekündigt, nicht gegen den Richterspruch vorgehen zu wollen.

Hohe Investitionen notwendig

Für die Expansion in den USA brauchen die Bonner zusätzlich Geld. T-Mobile US hat versprochen, ein landesweites 5G-Mobilfunknetz aufzubauen. 40 Milliarden Dollar an Investitionen hat T-Mobile-US-Chef John Legere in Aussicht gestellt.

Auch in Deutschland stehen hohe Kostenausgaben bevor. Der Konzern muss das 5G-Netz aufbauen. Umstritten ist, ob auch der chinesische Ausrüster Huawei dabei in Deutschland zum Zuge kommt. Die USA werfen ihm Spionage vor, Huawei hat die Kritik zurückgewiesen. Die Telekom arbeitet auch mit den Ausrüstern Ericsson und Nokia zusammen. Mit Nokia allerdings gibt es Probleme wegen deren Qualität. Nun hat die Telekom einen echten Mangel an 5G-Zulieferern. Nur auf Ericsson wollen die Bonner nicht setzen. Der Konzern warte auf eine Entscheidung der Bundesregierung, betonte Höttges.

Eine weitere Baustelle ist T-Systems. 2020 soll der Umbau der angeschlagenen Großkundentochter vorangetrieben werden. Die Telekom könnte sich indes auch von Geschäften trennen. Ihre Aktivitäten in den Niederlanden könnten etwa an die Börse gebracht werden, auch für die Funktürme prüft der Konzern Optionen.

Höttges geht in den Daimler-Aufsichtsrat

Am Nachmittag wurde noch bekannt, das Firmenchef Höttges künftig als Mitglied im Aufsichtsrat die Arbeit des Daimler-Vorstands kontrollieren soll. Höttges soll in dem Gremium den Platz von Paul Achleitner übernehmen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidiert, wie Daimler am Mittwoch mitteilte.

Achleitner ist auch Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Höttges stellt sich bei der Hauptversammlung am 1. April zur Wahl. Der 57-Jährige ist seit Anfang 2014 Vorstandsvorsitzender der Telekom und ist zuletzt auch schon gemeinsam mit Daimler-Chef Ola Källenius aufgetreten.

T-Aktien gefragt

Die Zahlen und der Ausblick der Telekom kamen heute an der Börse gut an. Die T-Aktien stiegen in einem freundlichen Marktumfeld um 4,15 Prozent auf 16,55 Euro. Seit Jahresbeginn sind die Telekom-Titel um über zehn Prozent gestiegen.

nb/rm/dpa