Shops von Sprint und T-Mobile in New York
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T-Mobile US plus Sprint: geplatzt Kaufgelegenheit für die Telekom-Aktie?

Stand: 06.11.2017, 08:40 Uhr

Das wochenlange Hin und Her ist beendet: Es wird keinen Zusamnenschluss zwischen der Telekom-Tochter T-Mobile US und dem Rivalen Sprint geben. Die Anleger hätten sich wohl ein anderes Ergebnis erhofft.

Die Aktie des Mutterkonzerns Deutsche Telekom, der rund 65 Prozent an T-Mobile US besitzt, gibt um mehr als drei Prozent nach und ist schwächster Dax-Wert. Das Scheitern der Gespräche sei eine Enttäuschung, erklärte Analyst Akhil Dattani von der US-Bank JPMorgan. Allerdings dürften viele Investoren gleichzeitig froh sein, dass die Telekom mit Blick auf den Preis diszipliniert geblieben sei.

Dattani und sein Kollege Robert Grindle von der Deutschen Bank sehen T-Mobile US auch alleine weiter gut aufgestellt. Grindle sieht denn auch Kursschwächen der Aktien der Deutschen Telekom infolge des Scheiterns der Fusion als Kaufgelegenheit. Die Aktien von Softbank, dem Sprint-Großaktionär, gaben in Asien um deutlich mehr als zwei Prozent nach.  

Lieber alleine weitermachen

Warum hat es nicht geklappt? Ein Grund für das Ende der Gespräche soll gewesen sein, dass sich die japanische Sprint-Mutter Softbank bei den Eigentümerverhältnissen der fusionierten Gesellschaft nicht mit der Rolle des Junior-Partners abfinden wollte.

Timotheus Höttges

Timotheus Höttges, Deutsche Telekom. | Bildquelle: Unternehmen

Die Unternehmen machten zum Scheitern der Verhandlungen aber selbst zunächst keine näheren Angaben. "Wir haben entschieden, dass es das Beste ist, alleine weiterzumachen", sagte Sprint-Chef Marcelo Claure. "Wir haben immer gesagt, dass, unter geeigneten Bedingungen, ein Zusammenschluss von T-Mobile mit einem anderen Unternehmen Kunden zusätzliche Vorteile und allen Aktionären Wertsteigerungs-Perspektiven bieten kann", sagte Telekom-Boss Tim Höttges. Diese Bedingungen seien hier nicht zu erreichen gewesen.

Rasanter Aufstieg von T-Mobile US

Sprint und T-Mobile hatten bereits 2014 einen Fusionsversuch unternommen, der an Einwänden der US-Kartellbehörden gescheitert war. Damals hatte Sprint die Kontrollmehrheit und damit das Sagen bei der fusionierten Gesellschaft haben sollen. Seitdem haben sich die Kräfteverhältnisse jedoch stark verschoben: T-Mobile wuchs deutlich stärker und hat Sprint nach Marktanteil und Börsenwert überholt.

Während die Titel von T-Mobile US zum Beispiel auf dem Frankfurter Börsenplatz in den vergangenen drei Jahren um deutlich mehr als 100 Prozent zulegten, verteuerten sich die Sprint-Aktien lediglich um etwa 20 Prozent.

Im Bonner Telekom-Konzern hat sich die US-Tochter in den letzten Jahren von einem teuren Sorgenkind, in dessen Expansion viel Geld gesteckt wurde, zu einem wichtigen Umsatztreiber entwickelt. Trotzdem sind die US-Telekom-Platzhirsche Verizon und AT&T deutlich größer.

ts