Telekom-Zentrale in Bonn
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Hilfe aus Amerika Telekom: Rutschpartie trotz Riesengewinn

Stand: 22.02.2018, 13:54 Uhr

Die Deutsche Telekom hat im vergangenen Jahr ihren Gewinn um sage und schreibe 47 Prozent gesteigert - allerdings nur dank der US-Steuerreform. An der Börse geht es trotzdem bergab.

Die Titel verlieren über drei Prozent auf 12,85 Euro, das ist der tiefste Stand seit drei Jahren. Sie bilden damit das Schlusslicht im Dax. Marktexperten zufolge enttäuschte der Ausblick. "Da hat man sich mehr versprochen." Für das laufende Jahr peilt die Telekom bereinigt einen Anstieg des operativen Ergebnisses um vier Prozent auf rund 23,2 Milliarden Euro an und will damit etwas stärker zulegen als 2017.

Im vergangenen Jahr schaffte der Konzern einen Überschuss von 6,04 Milliarden Euro. Dabei half dem Telekomriesen die Unternehmenssteuerreform in den USA, die der US-Tochter T-Mobile US zugute kam. Umgerechnet 1,7 Milliarden Euro stammen aus der Neubewertung von Steuerpositionen. Bereinigt um diesen Sondereffekt kletterte der Konzernüberschuss um 29,4 Prozent auf 3,5 Milliarden.

"Danke an Donald"

Ohne die bilanzielle Schützenhilfe aus den USA hätte ein Gewinnrückgang in den Büchern gestanden. "Danke auch an Donald", sagte Telekom-Chef Tim Höttges.

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
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Börse 15.00 Uhr Telekom größter Dax-Verlierer

Beim bereinigten Betriebsergebnis (Ebitda) landete die Telekom mit 22,45 Milliarden Euro (plus 3,8 Prozent) allerdings nur im Rahmen ihrer eigenen Prognose von rund 22,4 bis 22,5 Milliarden Euro. Der Umsatz kletterte 2017 um 2,5 Prozent auf 74,9 Milliarden Euro. Die Aktionäre können sich freuen: Die Dividende soll zum dritten Mal in Folge steigen auf jetzt 65 Cent je Aktie.

Noch mehr verdienen im laufenden Jahr

Insgesamt läuft es rund in dem Konzern mit seinen 217 000 Mitarbeitern. "Wir haben es geschafft, unser Wachstum robust aufzustellen", sagte Vorstandschef Höttges, der am Vorabend eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2024 erhalten hatte. "In Europa wachsen wir, in Deutschland wachsen wir, in den USA wachsen wir." Den Umsatz steigerte die Telekom um 2,5 Prozent auf 74,9 Milliarden Euro, hieß es. Ohne die Belastungen aus dem starken Euro wären es 3,6 Prozent Plus gewesen. Treiber war das Geschäft der US-Mobilfunktochter, deren Geschäft brummt.

Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Allerdings herrscht nicht überall eitel Sonnenschein bei dem ehemaligen Staatskonzern. So bleibt die Großkundentochter T-Systems mit rund 37.000 Mitarbeitern das Sorgenkind. Sie hatte der Telekom im Vorquartal aufgrund fehlender Aufträge bereits eine Milliarden-Abschreibung eingebrockt. Der neue Spartenchef Adel Al-Saleh soll nun möglichst schnell das Ruder herumreißen und hat bereits eine Aufspaltung des Geschäfts ins Gespräch gebracht.

Im laufenden Jahr will die Telekom in allen Sparten bis auf die schwächelnde T-Systems operativ mehr verdienen. Damit soll auch das Europageschäft 2018 beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wieder zulegen. Insgesamt peilt die Telekom beim operativen Ergebnis ohne Währungseinflüsse ein Plus von rund vier Prozent auf 23,2 Milliarden Euro an.

Rückenwind aus den USA

Vor allem die brummende US-Mobilfunksparte liefert der Telekom dabei Rückenwind, im vergangenen Jahr liefen aber auch die Geschäfte auf dem deutschen Heimatmarkt wieder besser. Der Umsatz soll 2018 leicht über den Vorjahreswert von 74,9 Milliarden Euro klettern, die Investitionsausgaben will die Telekom von 12,1 auf 12,5 Milliarden Euro hochschrauben. Darin sind insbesondere mehr Mittel für den LTE-Ausbau im Mobilfunk vorgesehen, wie ein Sprecher sagte. Der für die Dividende wichtige freie Mittelzufluss soll um zwölf Prozent auf 6,2 Milliarden Euro steigen.

lg