Telekom-Zentrale in Bonn

Auf der IFA in Berlin Telekom mimt den digitalen Zampano

Stand: 01.09.2017, 14:28 Uhr

Im wahren Leben schafft es die Telekom nicht, die deutschen Haushalte mit 50 Mbit schnellem Internet zu versorgen. Trotzdem will sie bald Amazon und Netflix Konkurrenz machen.

Während Kritiker und Wettbewerber der Telekom vorwerfen, den Ausbau schneller Datennnetze via Glasfaser zu vernachlässigen und zu sehr auf die veraltete Vectoring-Technologie aus Kupferkabeln zu setzen, bereitet das Unternehmen eine neue Produktoffensive vor.

Ab 4. Oktober wird ein Video-on-Demand-Dienst angeboten, über den drei TV-Serien ("The Handmaid's Tale", "Cardinal", "Better Things") ausgestrahlt werden sollen. Außerdem kann man über die Entertain-Box künftig auch den Streamingdienst Netflix empfangen, für den aber ein separates Abonnement notwendig sein wird.

8,2 Millionen Haushalte haben Glasfaser

Tatsächlich ist die Zahl der Haushalte, die über Glasfaseranschlüsse verfügen, gestiegen. Ende Juni lag die Zahl der Glasfaseranschlüsse bei 8,2 Millionen. Allein im ersten Halbjahr 2017 sei die Zahl der Anschlüsse um 1,4 Millionen gestiegen. Künftig will das Unternehmen deshalb privaten Kunden mit Glasfaser-Technologie einen Gigabit-Anschluss anbieten.

Auf der derzeit laufenden Berliner Funkausstellung (IFA) stellte Deutschland-Chef Niek Jan van Damme einen Tarif vor, bei dem Kunden für knapp 120 Euro im Monat Daten mit einer Geschwindigkeit von 1.000 Megabit pro Sekunde herunterladen können. Der Tarif kann dort gebucht werden, wo Glasfaserkabel bis zum Haus (Fibre To The Home, FTTH) liegen.

Der internationale Breitband-Test des Streamingdienstes Netflix habe bestätigt, dass im deutschen Festnetz die höchsten Download-Geschwindigkeiten aller europäischen Flächenstaaten erzielt würden. Damit liege Deutschland auch vor Spanien und Frankreich.

5G-Verbindung getestet

Die Telekom baut auch ihren Mobilfunk-Datentarif "StreamOn" aus. Bei dem Tarif werden bestimmte Dienste etwa für Video- oder Musik-Streaming nicht mehr auf das Datenvolumen des Kunden angerechnet. Zu den Partnern der Telekom zählen neben Apple Music, Amazon, Netflix und YouTube nun auch der Musikdienst Spotify.

Zur IFA baute die Telekom zusammen mit dem Netzwerk-Ausrüster Huawei "Europas erste 5G-Verbindung" auf. Dabei sei in Berlin-Schöneberg ein Datendurchsatz von mehr als zwei Gigabit pro Sekunde erzielt worden, sagte Claudia Nemat, Innovationsvorstand der Deutschen Telekom.

lg