Telekom-Zentrale in Bonn

Viele Baustellen Telekom in der Bredouille

von Lothar Gries

Stand: 09.05.2019, 11:27 Uhr

Die Deutsche Telekom kämpft derzeit an vielen Fronten. So wird die 5G-Auktion immer teurer. Zugleich wankt die Fusion der amerikanischen Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint. Und dann sind da noch die Pläne von Vodafone.

Zuletzt verdichteten sich die Hinweise auf neue Hürden bei dem Übernahmevorhaben. So berichtete das "Wall Street Journal" Mitte April unter Berufung auf Insider, dass die Kartellexperten des US-Justizministeriums unter den derzeitigen Bedingungen dem Kauf von Sprint durch T-Mobile US wohl nicht zustimmen werden.

Die genauen Gründe dafür liegen im Dunklen. Schon wird gemunkelt, die amerikanische Regierung wolle den gesamten Deal aus politischen Gründen verhindern. Verbraucherschützer und einige Abgeordnete haben die geplante Fusion kritisiert, weil sie Nachteile für Kunden befürchten. Gut möglich also, dass es der Telekom nicht gelingen wird wie ursprünglich geplant, das Vorhaben bis Mitte des Jahres in trockene Tücher zu bringen.

30 Milliarden Dollar

Telekom-Vorstand Timotheus Höttges auf der Hauptversammlung 2019

Telekom-Hauptversammlung. | Bildquelle: Deutsche Telekom

Dabei soll das Projekt das Meisterstück von Vorstandschef Tim Höttges werden. Den beiden amerikanischen Mobilfunk-Platzhirschen Verizon und AT&T soll es an den Kragen gehen. Zudem wollen T-Mobile und Sprint durch den Zusammenschluss jährlich über sechs Milliarden Dollar an Kosten sparen.

Gemessen an den aktuellen Kursen müsste die Telekom für die Übernahme von Sprint rund 30 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Dadurch wird die Verschuldung des Konzerns in die Höhe schnellen und auf Jahre spürbar bleiben.

Bei Sprint läuft es nicht rund

Auch der Gewinn der Bonner würde durch die Kosten für den Zusammenschluss leiden. Denn zunächst müsste viel Geld für die Integration beider Konzerne ausgegeben werden: 15 Milliarden Euro hat die Telekom kalkuliert. Weitere Ausgaben sollen folgen. In den ersten Jahren will der Konzern über 40 Milliarden Dollar in das dann gemeinsame Mobilfunknetz stecken.

Hinzu kommt: Bei Sprint läuft es nicht rund. Der Konzern hat im abgelaufenen Quartal einen Verlust von 2,2 Milliarden Dollar eingefahren. Im Schlussquartal des gebrochenen Geschäftsjahres 2018/19 hat Sprint mit 189.000 Vertragskunden deutlich mehr Kunden verloren als ohnehin befürchtet.

Baustelle 5G

Gut möglich also, dass für ein Gelingen der Übernahme mehr als die angekündigten 40 Milliarden Dollar Investitionen nötig sein könnten. Dabei ist das nicht die einzige Baustelle des Konzerns: Hinzu kommen die nötigen Investitionen in den Aufbau des neuen schnellen Datenfunks 5G.

5G

5G. | Bildquelle: imago

In Deutschland versteigert die Bundesnetzagentur derzeit die Frequenzen für den kommenden Mobilfunkstandard - und die Auktion entwickelt sich zu einer immer länger werdenden Hängepartie. Zuletzt standen die Zahlungsverpflichtungen der Unternehmen insgesamt bei knapp 5,7 Milliarden Euro.

Höttges kritisiert Kosten

ARD-Börsenstudio: Dieter Reeg
Audio

ARD-Börse: Die Telekom auf gutem Weg?

41 Frequenzblöcke stehen bei der Auktion zum neuen Mobilfunkstandard zur Versteigerung. Die Telekom soll bei 13 Frequenzen der Höchstbietende sein - und müsste mit 1,85 Milliarden Euro auch am tiefsten in die Tasche greifen. Das Problem dabei: das für die Lizenzen ausgegebene Geld könnte dann beim notwendigen Ausbau des Mobilfunknetzes fehlen.

Tim Höttges wiederholte die Kritik, das für die Lizenzen zu zahlende Geld fehle letztlich beim Netzausbau. "Mit dem derzeit auf dem Tisch liegenden Geld hätten schon fast 50.000 Mobilfunkmasten in Deutschland gebaut werden können", sagte der Manager bei der Vorstellung der jüngsten Quartalszahlen. Besser gelaufen sei die Versteigerung in Österreich, wo sie nach drei Wochen vorbei gewesen und den Konzern im Verhältnis auch deutlich günstiger gekommen sei.

Mehr Konkurrenz in den Kabelnetzen

Last but not least wird sich die Telekom auf dem deutschen Markt einer wachsenden Konkurrenz stellen müssen. Denn die geplante Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch die britische Vodafone für 18,4 Milliarden Euro dürfte den Wettbewerb kräftig anheizen.

Logos von Vodafone und Unitymedia

Vodafone will Unitymedia. | Bildquelle: Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Durch den Zukauf dürfte Vodafone zum zweiten bundesweit tätigen Festnetzanbieter neben der Telekom aufstehen. In den meisten Bundesländern ist der Konzern nach der Übernahme von Kabel Deutschland bereits aktiv, mit Unitymedia würde das Netz in Zukunft auch Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg abdecken.

Auf diese Weise wäre Vodafone in der Lage, den Erzrivalen Telekom auf breiter Front mit Angeboten aus Festnetz- und Mobilfunkverträgen anzugreifen. Experten schätzen das dadurch entstehende Potenzial auf 7,5 Millionen Verträge für das Kabelnetz.

Vodafone will Netz öffnen

Noch ist es nicht soweit. Die EU-Kommission will die Übernahme und ihre möglichen Folgen prüfen und dazu auch Konkurrenten und Verbände befragen. Eine endgültige Entscheidung wird im Sommer erwartet.

Um die EU-Kommission von den Vorteilen der Transaktion mit Unitymedia überzeugen, hat Vodafone nun angeboten, sein Netz dann auch für den Konkurrenten Telefonica Deutschland zu öffnen. Eine neue Hiobsbotschaft für die Deutsche Telekom. Denn könnte auch der O2-Anbieter bald in größerem Stil schnelles Internet, Fernsehprogramme und Telefon über ein Fernsehkabel anbieten - was für deutlich mehr Konkurrenz auf dem deutschen Markt sorgen wird.

Die Deutsche Telekom muss sich also an mehreren Fronten gleichzeitig behaupten. Sehr zum Ärger der Aktionäre: Der Aktienkurs läuft seit über vier Jahren mehr oder weniger seitwärts.

lg