Telekom-Vorstand Timotheus Höttges auf der Hauptversammlung 2019
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Telekom-Hauptversammlung Telekom-Chef Höttges wirbt für US-Megafusion

Stand: 28.03.2019, 13:30 Uhr

Die Megafusion zwischen T-Mobile US und Sprint komme gut voran, meint Telekom-Boss Tim Höttges. In Übersee läuft es blendend, aber aufgepasst: Mit United Internet könnte der Telekom auf dem Heimatmarkt ein neuer Konkurrent drohen.

Eigentlich sind es gute Zeiten für die Deutsche Telekom: Im vergangenen Jahr hat der Konzern die Ziele immerhin drei Mal angehoben, die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 20 Prozent zugelegt - vor allem dank der Wachstumsmaschine T-Mobile US. Dank glänzender Geschäfte der Amerikaner, die im vierten Quartal einen Rekordumsatz erwirtschafteten, stiegen die Erlöse der Bonner 2018 organisch um 3,1 Prozent auf 75,7 Milliarden Euro.

Kein Wunder also, dass sich die Anleger fragen, was aus der US-Fusion mit Sprint wird. Zu diesem Thema nahm Telekom-Chef Tim Höttges auf der Hauptversammlung natürlich Stellung. Aus seiner Sicht kommt die geplante Milliardenübernahme von Sprint in den USA gut voran. Nach der Genehmigung von Sicherheitsbehörden hätten inzwischen auch 16 von 19 Bundesstaaten ihre Zustimmung erteilt, sagte Höttges. „Wir arbeiten dafür, dass wir auch die übrigen erhalten.“

Telekom-Vorstand Timotheus Höttges auf der Hauptversammlung 2019

Telekom-Hauptversammlung. | Bildquelle: Deutsche Telekom

Fusion gut für alle

Wichtige Behörden wie die Telekomaufsicht FCC und das US-Justizministerium könnten ebenfalls noch dazwischen grätschen. Fusionspläne der Unternehmen waren 2014 schon einmal an den US-Wettbewerbshütern gescheitert. Aktuell läuft bei der FCC eine Frist bis zum 4. April.

Laut Thomas Deser, Senior Portfoliomanager bei Union Investment, müsste T-Mobile US den US-Konkurrenten samt Schulden übernehmen und die Integrationskosten seien sehr hoch. „Eine Herabstufung beim Kreditrating wäre zu befürchten.“ Höttges warb natürlich erneut für die Megafusion: „Der Zusammenschluss ist gut. Für den Wettbewerb in Amerika. Für die Kunden. Für mehr Arbeitsplätze.“ An die anwesenden Aktionäre gerichtet betonte er: „Und auch für Sie.“ Allein bei den Kosten würden beide Unternehmen 43 Milliarden Dollar sparen.

Zusätzlicher Preisdruck in Deutschland?

Und daheim? Insgesamt hat die Telekom in Deutschland 44,2 Millionen Mobilfunkkunden, was einem Anstieg von 2,5 Prozent zum Vorjahr entspricht. Allerdings gibt es Schwächesignale bei den Vertragskunden, die um 452.000 auf 25,4 Millionen zurückgingen. Auf dem Heimatmarkt musste die Telekom insgesamt ein Umsatzminus verdauen. Zum Vergleich: Telefonica hat in Deutschland insgesamt 45,3 Millionen Mobilfunkkunden und liegt damit vor der Telekom. Der dritte im Bunde, Vodafone, bedient 29,6 Millionen Kunden, wobei der Trend rückläufig ist.

Thomas Deser von Union Investment sieht derweil sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz die Risiken einer deutlichen Wettbewerbsverschärfung für die Telekom. United Internet beteiligt sich über die Tochter 1&1 Drillisch an der 5G-Auktion und bewirbt sich um eine eigene Mobilfunklizenz: „Damit käme neben Vodafone und O2 ein weiterer Netzbetreiber hinzu, was für zusätzlichen Preisdruck sorgen dürfte. Doch nicht nur im Mobilfunk, sondern auch im Festnetz könnten die Karten bald neu gemischt werden, wenn die geplante Übernahme von Unitymedia durch Vodafone gelingt.“

ts