Telekom-Zentrale in Bonn
Audio

Das US-Geschäft brummt Telekom blickt mutiger in die Zukunft

Stand: 09.08.2018, 07:32 Uhr

Bei der US-Tochter T-Mobile läuft es derzeit glänzend. Und wenn es der Tochter gutgeht, dann hat auch die Mutter Telekom Grund zur Freude. Allerdings bremsen Wechselkurseffekte das Ergebnis. Und wer bremst beim Ausbau des Breitbandnetzes?

Wenn nur der im Vergleich zum Vorjahr stärkere Euro nicht gewesen wäre: Der Umsatz der Deutschen Telekom sinkt trotz eines wachsenden US-Geschäfts wegen der Umrechnung in die Gemeinschaftswährung um 2,8 Prozent auf 18,4 Milliarden Euro. Das US-Geschäft der Telekom trägt fast die Hälfte zum Gesamtumsatz bei, deshalb reagiert der Konzern auf Dollarschwankungen empfindlich. Bereinigt um solche Wechselkurseffekte und Zu- wie Verkäufe hätte der Erlös um 1,3 Prozent zugelegt.

Ergebnisprognose erhöht

Das Ergebnis (Ebitda) legte bereinigt um Wechselkurseffekte und Sondereinflüsse um vier Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich ist davon allerdings nicht viel zu sehen, denn die Einigung mit dem Bund im jahrelangen Streit über die verspätete Einführung des Lkw-Mautsystems Toll Collect ist teuer geworden. Die Telekom muss für den Vergleich rund 600 Millionen Euro zahlen. Der Überschuss fiel deswegen um 43 Prozent auf 495 Millionen Euro.

T-Mobile US: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,35
Differenz relativ
+0,72%

Trotzdem wirkt sich das Wachstumsgeschäft bei T-Mobile positiv aus. Das Management erhöht die Ergebnisprognose für 2018 im laufenden Geschäft erneut leicht um 100 Millionen Euro auf 23,4 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 22,2 Milliarden. Die Prognose-Änderung ist aber mit Vorsicht zu genießen, denn sie klammert Währungseffekte aus und basiert auf den durchschnittlichen Wechselkursen von 2017.

Zukunftsthema „Gigabit-Gesellschaft“

Im Blickpunkt steht die Telekom gegenwärtig aber vor allem beim Zukunftsthema „Turbointernet“. Wo stehen wir beim Übergang ins „Gigabit-Zeitalter“? Kann Deutschland bald „digital durchstarten“, oder sind wir bereits abgehängt? So lauten die Fragen, die in den Medien und in der Industrie zuletzt häufig gestellt wurden. Es geht um den Ausbau des Breitbandnetzes.   

Hier hinkt Deutschland weltweit hinterher. Laut einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung verfügen  erst sieben Prozent der rund 40 Millionen deutschen Haushalte über schnelle Glasfaserverbindungen. In Estland sind es 73 Prozent, in Spanien immerhin 53 Prozent. In der Rangliste der OECD-Länder kommt Deutschland auf Platz 28 von 32. Blamable Zahlen nennt das der Technologie-Experte Bernd Beckert vom Fraunhofer Institut für Innovationsforschung.

Ein Techniker arbeitet an einem Kabelverzweigerkasten der Telekom

Kabelverzweigerkasten Telekom. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mehr Speed durch Vectoring

Und wie hält es die Telekom mit dem Glasfaserverkabeln? Derzeit setzt der Konzern wohl noch überwiegend auf das sogenannte Vectoring. Mittels dieser Technologie sollen alte Kupferkabel leistungsfähiger gemacht werden. Dabei geht es vor allem um die sogenannte „letzte Meile“. Damit ist die Strecke vom Verteilerkasten an der Straße bis in den Keller oder die Wohnung gemeint. Die Vectoring-Technologie, eine Art Nachrüstung, erlaubt auch über herkömmliche Kupferkabel Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s. Das „Super-Vectoring“ ermöglicht bis zu 250 Mbit/s. Erst Anfang August schaltete die Telekom sechs Millionen Haushalte dafür frei.

Das ist zwar nicht übel und für die aktuellen Nutzungsgewohnheiten der allermeisten Privatleute mehr als ausreichend. Es ist aber weit entfernt von dem, was technisch mittlerweile möglich wäre. Kritiker sehen die Telekom deshalb als eine Art Fortschrittsbremse.

Auch der Europäische Rechnungshof kritisiert, dass mit Vectoring das EU-Ziel, bis 2025 flächendeckende Ultrageschwindigkeiten zu erreichen, wahrscheinlich nicht zu verwirklichen sei. Aber wozu denn 1 Gigabite, wenn man auch mit einer langsameren Übertragungsrate Netflix ruckelfrei streamen oder im Internet surfen kann?

Gefahr für die Volkswirtschaft

It’s the economy, stupid! 50 Mbit/s würden vielen Privatpersonen zwar noch genügen, Unternehmen aber nicht, sagte der Digitalisierungsexperte Clemens Otte vom Industrieverband BDI. Er sieht darin sogar eine Gefahr für die Volkswirtschaft: Viele neue Geschäftsmodelle ließen sich ohne leistungsfähige Internetanschlüsse nicht realisieren. Und die Kosten für den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaserkabel sind astronomisch. Insgesamt misst das Glasfasernetz der Telekom 455.000 Kilometer. Die bundesweite Abdeckung würde Experten zufolge 80 Milliarden Euro kosten.   

Telekom-Chef Timotheus Hoettges auf der Hauptversammlung am 15.5.2014

Telekom-Chef Timotheus Hoettges. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auf dem jüngsten Kapitalmarkttag der Telekom im Mai bekräftigte Vorstandschef Tim Höttges die Pläne seines Konzerns, ab 2021 jedes Jahr rund zwei Millionen Haushalte mit Glasfaser bis zum Haus zu versorgen. Damit könnte in acht Jahren der gesamte Marktanteil der Telekom von rund 40 Prozent mit Glasfaser angeschlossen sein, so der Vorstandschef.

ts