Telekom-Drohne (2016, Sachsen-Anhalt)

Joint-Venture mit der DFS Telekom fliegt auf Drohnen

Stand: 03.05.2019, 16:21 Uhr

Die Deutsche Telekom träumt von einem neuen Milliardenmarkt: Zusammen mit der Deutschen Flugsicherung steigt der Konzern ins Geschäft mit Flugdrohnen ein, die Windparks und Industrieanlagen überwachen. Und vielleicht auch eines Tages Amazon-Pakete liefern.

Die Telekom und die Deutsche Flugsicherung (DFS) gaben am Freitag die Gründung des Joint Ventures "Droniq" bekannt, das das Bundeskartellamt genehmigt hat. Es soll die unbemannten Fluggeräte mit Mobilfunk-SIM-Karten und einem GPS-System ausstatten. Die Drohnen sollen so für die Fluglotsen ortbar und aus der Ferne lenkbar werden. Damit seien nun auch Langstreckenflüge für Geschäftskunden genehmigungsfähig, bestätigte ein Telekom-Sprecher. Bislang sind Drohnenflüge nur in Sichtweite des Piloten erlaubt.

Plattform für die unbemannte Luftfahrt

Ziel sei der Aufbau einer digitalen Plattform für die gesamte unbemannte Luftfahrt, berichtete die "Wirtschaftswoche". Details sollen Ende Mai von Telekom-Chef Timotheus Höttges und DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle in Frankfurt, dem künftigen Sitz von Droniq, vorgestellt werden.

Bereits nach den Sommerferien soll Droniq die Arbeit aufnehmen. Ab 2021 erwägen die beiden Joint-Venture-Partner eine Expansion ins europäische Ausland, insbesondere Österreich, Niederlande und Griechenland.

Amazon und Stromkonzerne als Kunden?

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Laut "WiWo" hoffen die Telekom und die DFS auf große Geschäfte mit den Energiekonzernen, die ihre Stromtrassen und Windanlagen überwachen und auf Schäden prüfen. Die Kontrolle per Drohne sei günstiger als per Hubschrauber.

Darüber hinaus sollen Logistik-Kunden angelockt werden. Amazon könnte zum Beispiel über die Droniq-Drohnen ihre Pakete schneller ausliefern. Später soll Droniq auch in das Geschäft mit Lufttaxis einsteigen.

Der nächste Milliardenmarkt

In Langstreckenflügen stecken nach Einschätzung der Beteiligten Milliarden-Umsätze. Die Telekom und DFS arbeiten bereits seit mehr als zwei Jahren an dem Projekt. Mit der Ortbarkeit der Drohnen könnte auch die Sicherheit steigen, denn im System können dauerhafte und temporäre Flugverbotszonen eingerichtet werden.

Die Telekom-Aktie notiert am Nachmittag 0,7 Prozent im Minus. Noch dürfte das Flugdrohnen-Geschäft eine Nische sein. Sollte es zum Milliardenmarkt werden, könnte das der T-Aktie durchaus neuen Auftrieb geben.

Riesiges Potenzial in Asien und Amerika

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Chinesische Unternehmen führen im Drohnen-Markt, doch Flugtaxis bleiben vorerst Science-Fiction

Das größte Potenzial liegt in Asien und den USA. Dort werden die größten Wachstumsraten für die Zukunft erwartet. Nach Einschätzung von Experten wie Markus Scherer von Ipsos Business Consulting dürfte der kommerzielle Markt für Drohnen jährlich um 34 Prozent auf ein Volumen von bis zu 12,2 Milliarden Dollar 2021 steigen. Derzeit liegt das Marktvolumen bei rund vier Milliarden Dollar.

Singapur und Dubai sehen sich als Vorreiter in Sachen Drohnenverkehr. Volcopter, an dem Daimler beteiligt ist, will in Singapur seine Passagierdrohnen testen. In Japan werden Drohnen in der Landwirtschaft, in Australien bei der Überwachung der Minen eingesetzt.

nb