T-Systems

Schwächelnde Großkundensparte Telekom - das Sorgenkind heißt T-Systems

Stand: 22.02.2018, 10:44 Uhr

Seit Monaten geht es mit der Telekom-Aktie bergab. Selbst eine höhere Dividende kann den Trend nicht brechen. Als größter Bremsklotz gilt die Großkunden-Sparte T-Systems. Sie soll nun umgebaut werden - sehr zum Verdruss der Mitarbeiter.

Dass die Großkundentochter inzwischen das größte Sorgenkind der Telekom ist, können selbst die Gewerkschafter von Verdi nicht bestreiten. Die Fakten sprechen für sich: So ist der Auftragseingang im vergangenen Jahr um 23,5 Prozent eingebrochen. So hat T-Systems mehrere Kunden verloren, zuletzt ThyssenKrupp. Andere T-Systems-Teilsparten hingegen, zum Beispiel "Security“ mit Softwarelösungen für Firmenkunden zum Schutz vor Hackern, laufen gut.

Der Umsatz der Sparte ist im vergangenen Jahr fiel um 1,1 Prozent, das bereinigte Ebitda ging um vier Prozent auf 509 Millionen Euro zurück. Schon im dritten Quartal hatte die Telekom 1,2 Milliarden Euro auf T-Systems wegen ausbleibender Aufträge abgeschrieben.

Niedergang aufhalten

Es muss also etwas passieren, um den Niedergang der Sparte aufzuhalten und umzukehren. Denn gerade im Hinblick auf die Digitalisierung und Industrie 4.0 dürfte die Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen deutlich steigen. Ein wachsender Markt, den sich der größte Telekomanbieter des Landes nicht entgehen lassen darf.

T-Systems entstand zur Jahrtausendwende. Die Idee dahinter: Klassische Industriekonzerne beauftragen die Telekom-Tochter mit IT-Diensten, weil sie selbst keine ausreichenden Kenntnisse für die Verarbeitung der kontinuierlich steigenden Datenmengen haben. Doch der Bedarf der Kunden hat sich gewandelt, ihre Anforderungen steigen – das Geschäft wird kleinteiliger und anspruchsvoller.

T-Systems-Chef Adel B. Al-Saleh

T-Systems-Chef Adel B. Al-Saleh. | Bildquelle: Deutsche Telekom

Aufspaltung geplant

Der seit Januar amtierende neue Chef von T-Systems, der US-Amerikaner Adel Al-Saleh, will das Unternehmen in zwei Sparten aufteilen. Das eher konventionelle Outsourcing-Geschäft könnte von aufstrebenden Geschäftszweigen, etwa der "Security“, getrennt werden. Entschieden sei das aber noch nicht, versichert ein Firmensprecher. Nach einer genauen Analyse könnte es aber 2019 soweit sein.

Die mögliche Aufteilung auf 13 Einzelbereiche in zwei verschiedenen Firmen innerhalb des Telekom-Konzerns würde zu mehr Transparenz führen. Dadurch wiederum könnte klar werden, wie genau es um die einzelnen Sektoren steht. "Wenn ein Portfolio keinen Erfolg hat, müsste man über Alternativen nachdenken und handeln - mit der neuen Struktur ginge der Entscheidungsfindungsprozess schneller", erklärte ein Firmensprecher.

Erbitterter Widerstand

Bei den Beschäftigten stößen die Pläne auf erbitterten Widerstand. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet, dass eine zweite Firma eine Art "Bad Bank“ werden könnte, in der alle schlechten Geschäfte gebündelt werden. Zudem fürchten die Beschäftigten im Fall einer Auslagerung in eine Untergesellschaft deutliche Gehaltseinbußen und schlechtere Arbeitsbedingungen.

Betriebsrats-Chef Josef Bednarski erinnert schon mal an 2007. Damals habe die Führung die Ausgliederung der Serviceeinheiten mit 60.000 Beschäftigten und deren schlechtere Bezahlung in ähnlicher Weise durchsetzen wollen. "Damals gab es zwölf Wochen Streik." Die Gründung einer zweiten GmbH müsse vom Tisch.

Damit steckt T-Systems-Chef Saleh in einer schwierigen Lage. Denn ohne drastische Maßnahmen wie die Auslagerung und/oder den Verkauf unrentabler Unternehmensteile wird sich die Sparte kaum sanieren lassen. Dazu dürfte auch ein massiver Stellenabbau und niedrigere Personalkosten gehören.

Das Kräftemessen zwischen dem Vorstand und den Beschäftgten wird also noch eine Weile weitergehen - und wie ein Damoklesschwert über der Aktie des Konzerns schweben.

lg