Telekom-Vorstand Timotheus Hoettges auf der HV 2015 in Köln

Diskussion um Ausstieg des Bundes Telekom-Chef gegen vollständige Privatisierung

Stand: 30.10.2017, 09:12 Uhr

Im Falle einer "Jamaika"-Koalition könnte es zum Ausstieg des Bundes bei der Telekom kommen. Telekom-Chef Timotheus Höttges warnt vor einem solchen Schritt. Das löse das eigentliche Problem nicht.

Wer den Ausstieg des Bundes fordere, "sollte sich fragen, wer dafür eventuell einsteigt", sagte Höttges der "Welt am Sonntag". "Welches Interesse hat er an Infrastruktursicherheit? Will er in Deutschland investieren, und wenn ja, wo und vor allem wie viel?"

Die FDP hatte jüngst in den Jamaika-Verhandlungen einen Verkauf von Staatsanteilen an der Telekom angeregt. Mit dem Erlös solle der Glasfaserausbau in Deutschland gefördert werden. Auch die Grünen sind für einen Ausstieg des Bunds. Der Bund hält momentan noch knapp 32 Prozent an der Telekom und ist damit größter Aktionär.

Überregulierung abschaffen!

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"Bevor man Subventionen verteilt, sollten sich die Verantwortlichen fragen, wie sie Anreize schaffen, damit noch mehr in Glasfaser investiert wird", sagte Höttges der Zeitung. "Warum sollten Vodafone und 1&1 eigene neue Netze bauen, solange sie dank Regulierung zu einem billigeren Preis jederzeit auf unser Netz dürfen?" Grund dafür, dass viele Unternehmen da noch zögerlich seien, sei die wettbewerbsfeindliche Überregulierung. Diese sollte die FDP abschaffen, fordert Höttges.

Bereits am Freitag hatte der Betriebsratschef der Telekom, Josef Bednarski, einen Verkauf des Staatsanteils an der Telekom abgelehnt. Das wäre ein "ernstes Bedrohungsszenario" für den Konzern, sagte er dem "Handelsblatt". Die Telekom könne dann "relativ schnell zum Übernahmekandidaten werden, weil die Aktie derzeit nicht so teuer" sei. Zum derzeitigen Marktpreis sei der Bonner Konzern für viele Kapitalbeteiligungsgesellschaften, aber auch für chinesische, russische oder amerikanische Unternehmen "äußerst interessant".

Bekenntnis zum US-Markt

Dass die Telekom am meisten in den USA expandiere und immer mehr zum amerikanischem Unternehmen werde, findet Telekom-Chef Höttges nicht schlimm: "Wir fühlen uns in Amerika sehr wohl und haben dort dank der Tatkraft unseres Managements und dank unserer Investitionen eine sehr starke Position." Höttges betonte, am US-Geschäft festhalten zu wollen.

Der Telekom-Chef hält eine Fusion der Konzern-Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint unter einer Regierung des US-Präsidenten Donald Trump für wahrscheinlicher. Die Vergangenheit habe gelehrt, "dass republikanische Regierungen weniger in diese Prozesse eingreifen als demokratische Administrationen", sagte Höttges der "Welt am Sonntag".

Laut Insidern könnte eine Entscheidung über eine Fusion der Nummern drei und vier des US-Mobilfunkmarktes binnen drei Wochen stehen. Höttges: "In Amerika gibt es ein Duopol aus zwei sehr großen Spielern und dazu zwei kleinere Spieler, die mit gehörigem Abstand folgen. Ein dritter starker Player würde dem Wettbewerb dort sicher guttun."

"Ich will keinen Rosengarten, sondern einen Kartoffelacker!"

Große Megadeals lehnt Höttges indes ab. "Mein Ziel sind gute Deals", sagte er. "Mein bester Deal sind die zwölf Milliarden, die wir in diesem Jahr insgesamt investieren." Auch von bahnbrechenden neuen Innovationen lässt der bodenständige Telekom-Top-Manager lieber die Finger. "Ich will keinen Rosengarten, sondern den Kartoffelacker. Ich will keine Kryptowährung namens Telcoin aufbauen. Wir machen vor allem Infrastruktur. Wir fokussieren uns auf den Breitbandausbau und 5G."

Die Telekom-Aktien zählen am Montag zu den Dax-Gewinnern. Sie legen 0,3 Prozent zu. Seit Jahresbeginn haben die T-Aktien gut fünf Prozent eingebüßt. In eineinhalb Wochen präsentiert der Konzern seine Quartalszahlen.

nb