O2-Firmengebäude in München
Audio

Großer Leidensdruck bei Telefonica Deutschland O2 im roten Bereich

Stand: 21.02.2018, 08:29 Uhr

Des einen Freud, des anderen Leid: Der größte Mobilfunk-Anbieter Deutschlands hat schwer zu tragen an dem Wegfall der Roaming-Gebühren. Die O2-Mutter Telefónica Deutschland schreibt tiefrote Zahlen. Und die Umsätze schwinden weiter.

Die Bilanz 2017 kann noch keine Hoffnung machen. Der Umsatz von Telefonica Deutschland fiel um drei Prozent auf knapp 7,3 Milliarden Euro. Unterm Strich summierte sich wegen Abschreibungen ein Fehlbetrag von 381 Millionen Euro nach einem Verlust von 176 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Das zum spanischen Telefonica-Konzern gehörende Unternehmen konnte zwar neue Vertragskunden gewinnen. Zudem stieg die Nachfrage nach der Nutzung mobiler Daten. Aber das konnte die negativen Effekte durch den Wegfall von Roaming-Gebühren und eine von der Bundesnetzagentur verordnete Gebührensenkung nicht wett machen. Zudem fiel diesmal eine größere Steuerlast an. O2 leidet nach wie vor unter hohen Abschreibungen als Folge der milliardenschweren E-Plus-Übernahme Ende 2014.

Wegfall der Roaming-Gebühren
Neue EU-Verordnung seit 15. Juni 2017
Mobilfunk-Kunden müssen für die Handynutzung bei Reisen in andere EU-Länder keine zusätzlichen Gebühren mehr zahlen. Entsprechend machen die Mobilfunkunternehmen keine nennenswerten Umsätze mehr im Ausland.

Neue Hoffnung

O2 steuert gegen, spart. Dadurch gibt es leichte Besserungen auf der Ergebnisseite: Das bereinigte Betriebsergebnis (Oibda vor Abschreibungen) stieg um drei Prozent auf 1,84 Milliarden Euro, etwas besser als von den Finanzanalysten erwartet.

Der Mobilfunker will den Umsatzschwund mithilfe stärkerer Internetnutzung und stabilerer Preise endlich wieder in den Griff kriegen. In diesem Jahr soll der Umsatz weitgehend unverändert gegenüber dem Vorjahr ausfallen, wie die O2-Mutter am Mittwoch in München mitteilte. Dabei sind negative Regulierungseffekte von 30 bis 50 Millionen Euro ausgeklammert.

Wende im Schlussquartal?

Zuversicht gibt den Münchenern vor allem das letzte Quartal 2017, in dem sie erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder ein Umsatzplus im Kerngeschäft mit Mobilfunkdienstleistungen herausholen konnten. Es lag bei 0,8 Prozent. Das um Sonderkosten bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 1,4 Prozent auf 499 Millionen Euro. Beides fiel etwas besser aus als von Analysten zuvor gedacht.

Das operative Ergebnis soll im laufenden Jahr stabil bleiben bis leicht wachsen - ebenfalls ohne Berücksichtigung gekappter Roaming- und Durchleitungsentgelte.

Mehr Dividende für die Mutter

Für die Aktionäre gibt es ein weiteres Hoffnungssignal: Die Dividende für 2017 soll erneut um einen Cent auf nunmehr 26 Cent je Aktie klettern. Davon profitiert auch die Mutter Telefonica, die knapp zwei Drittel der Anteile hält.

Die Aktie des TecDax-Schwergewichts hat heute aber wieder einen schweren Stand. Der Kurs notiert im vorbörslichen Handel leicht im Minus. Seit Ende 2015 geht es abwärts mit dem Papier.

Telefonica Deutschland

  • Telefonica Deutschland, hierzulande vor allem für die Marke "o2" bekannt, hatte 2014 die Düsseldorfer E-Plus für 8,6 Milliarden Euro übernommen.
  • Der Konzern ist mit 46 Millionen Kunden größter Mobilfunkanbieter des Landes - noch vor der Telekom und Vodafone. 
1/10

Die größten Gewinner und Verlierer imTecDax Performance 2017

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 1 Jahr

Aixtron