Tele Columbus-Gebäude und -Schriftzug
Audio

Prognose kassiert, aber keine Insolvenz Tele Columbus: Anleger sind einfach erleichtert

Stand: 29.08.2018, 13:42 Uhr

Offenbar rechneten die Aktionäre des Berliner Kabelnetzbetreibers Tele Columbus mit dem Schlimmsten. 70 Prozent hat das Papier in diesem Jahr bereits an Wert verloren. Nun muss das Unternehmen erneut seine Prognose kappen. Dennoch reagieren die Anleger erleichtert.

Die im SDax notierte Aktie macht bis zum Nachmittag einen Freudensprung von über 30 Prozent - ganz nach dem Motto, es hätte ja auch noch schlimmer kommen können. Die Kappung der Prognose sei eine Warnung, aber kein "Worst case", erklärt ein Händler die auf den ersten Blick überraschende Reaktion.

Anfang des Monats hatte das Management die Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen auf Anfang September verschoben und die Investoren damit stark verunsichert."Jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack und offenbar hatten Investoren noch Schlimmeres erwartet", sagte ein Händler.

Übernahme eines Konkurrenten erhöht Kosten

In einer Analyse des Bankhaus Lampe hieß es, die Aktionäre reagieren erleichtert darauf, dass Worst-Case-Szenarien wie deutliche Abschreibungen von Vermögenswerten, Vertragsverletzungen, eine drohende Kapitalerhöhung oder sogar möglicher Betrug sich nicht bewahrheitet hätten. Mit rund 3,6 Millionen angeschlossenen Haushalten ist Tele Columbus nach eigenen Angaben der drittgrößte Kabelnetzbetreiber in Deutschland.

Dass das Unternehmen nun erneut seine Jahresprognose senken muss, hat mit der Übernahme des Konkurrenten Pepcom zu tun. Dadurch werden deutlich höhere Marketingausgaben für das Anwerben von Neukunden fällig. Beim Umsatz wird jetzt nur noch ein Wert auf dem Niveau des Vorjahres von knapp 497 Millionen Euro erwartet.

Umsatz und Ergebnis sinken

Der Internet- und Telekomkonzern United Internet hält knapp 29 Prozent an der Gesellschaft. Bisher hatte Tele Columbus einen Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich prognostiziert.

Auch beim operativen Ergebnis rechnet das Unternehmen mit einem Einbruch. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde mindestens 235 Millionen Euro betragen - damit könnte das Ebitda um bis zu elf Prozent fallen. Bislang hatte Tele Columbus einen Wert von 265 bis 280 (2017: 264,7) Millionen Euro in Aussicht gestellt. Der seit Anfang des Jahres amtierende Konzernchef Timm Degenhardt begründete diesen Schritt mit dem Abschluss des 2015 angekündigten Kaufs des Konkurrenten Pepcom für rund 600 Millionen Euro.

Analysten warnen

Das Unternehmen kämpfte zuletzt mit zahlreichen eigenen Problemen sowie einer schärfer werdenden Konkurrenz. Analysten wie Andrew Lee von Goldman Sachs hatten bereits vor Wochen kritisch angemerkt, dass die Abonnentenzahlen zurückgingen und das Unternehmen unverhältnismäßig hoch verschuldet sei.

Als dann vor zehn Tagen bekannt wurde, dass große institutionelle Aktionäre wie der Vermögensverwalter York Capital Management ihre Beteiligungen gekappt haben, kam es zu einem Kurssturz von 20 Prozent an einem einzigen Tag.

Schwächster Wert im SDax seit Jahresbeginn

Ein Grund für den Absturz war auch die Verschiebung der Halbjahreszahlen Anfang August. Jetzt konnte Tele Columbus zumindest Eckdaten für die ersten sechs Monate vorlegen. Der Umsatz ging demnach auf 240 (Vorjahr: 245,4) Millionen Euro zurück, und das Ebitda fiel um rund vier Prozent auf 118 Millionen Euro.

Insgesamt hat das im SDax notierte Papier in diesem Jahr bereits 70 Prozent an Wert verloren und ist damit der mit Abstand größte Verlierer in dem Index. Tele Columbus kommt jetzt gerade noch auf einen Börsenwert von 400 Millionen Euro.

lg