Tele Columbus-Zentrale in Berlin

Tiefer geht immer Tele Columbus: Der gefallene Engel fällt weiter

Stand: 18.05.2018, 11:47 Uhr

Die Aktie des Kabelanbieters Tele Columbus findet auch heute keinen Halt. Das Papier ist erneut auf ein Rekordtief gefallen. Ein bisschen Hoffnung gibt es dennoch.

Am Freitag gab die Aktie des SDax-Mitglieds bis auf 6,36 Euro nach - ein Verlust von fast drei Prozent. Das war der tiefste Stand seit dem Börsengang im Mitte 2015. Das Papier war bereits gestern durch den massiven charttechnisch Unterstützungsbereich bei knapp unter 7,00 Euro gefallen.

Ausgelöst wurde der Kursverfall durch die vor einigen Tagen erfolgte Warnung vor schlechter als erwarteten Geschäften im laufenden Geschäftsjahr. So soll das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Gesamtjahr nur beim 265 bis 280 Millionen Euro liegen. Bisher hatte das Unternehmen für die Ergebnisgröße 280 bis 290 Millionen Euro angepeilt.

Im ersten Quartal 2018 stieg der Umsatz um zwei Prozent auf 123,4 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda wuchs um sieben Prozent auf 65,4 Millionen Euro. Der Umsatz könnte 2018 im niedrigen einstelligen Bereich wachsen, statt im mittleren einstelligen Prozentbereich, wie bisher prognostiziert.

Seit Herbst 2017 tritt Tele Columbus unter dem Markennamen Pÿur (ausgesprochen wie das englische Pure) auf. Marken wie Cablesurf, HL komm, Pepkom Primacom und Tele Columbus sollen verschwinden. Doch bei der Integration der Marken gibt es scheinbar massive Probleme.

Ein schlafender Riese?

Tele Columbus ist mit 3,6 Millionen Kunden, die Fernsehen, Telefon und Internet nutzen, der drittgrößte deutsche Kabelnetzbetreiber nach Vodafone Kabel Deutschland und UnityMedia. Erst in der vergangenen Woche hatte die Aktie von Tele Columbus zeitweise über die Marke von 8,00 Euro gesprungen. Auslöser waren die Übernahmepläne von Vodafone für große Teile des Europageschäfts des Medienkonzerns und Breitbandanbieters Liberty Global. Doch schnell war die Euphorie wieder verflogen.

Tele Columbus bleibe aber als mögliches Übernahmeziel langfristig eine attraktive Anlage, hatte Analyst Joshua Mills von Goldman Sachs noch kommentiert und auch auf die 29-prozentige Beteiligung des Telekomanbieters United Internet an Tele Columbus verwiesen.

Interessant ist insbesondere ein Vergleich der Kennzahlen mit der umworbenen UnityMedia. Vodafone will 18,4 Milliarden Euro für einen Jahresumsatz von 2,4 Milliarden Euro und 7,1 Millionen Kunden bezahlen. Tele Columbus erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 496 Millionen Euro. Somit will Vodafone für einen Euro Umsatz rund 7,70 Euro und für einen Kunden knapp 2.600 Euro bezahlen. Tele Columbus ist bei einem Kurs von 6,40 Euro dagegen nur mit 813 Millionen Euro bewertet. Derzeit werden an der Börse nur 1,64 Euro für jeden Euro Umsatz beziehungsweise 226 Euro pro Kunde aufgerufen.

ME