TeamViewer-Zentrale in Göppingen

Aktie unter Verkaufsdruck Teamviewer-Großaktionär streicht Gewinne ein

Stand: 20.10.2020, 10:05 Uhr

Selbst in der Welt der großen Finanzinvestoren sind solch gewinnträchtige Deals selten: Mit dem Einstieg beim Video-Spezialisten Teamviewer ist Permira ein Coup gelungen, der sich immer mehr auszahlt - aber auch den Aktienkurs belastet.

Die Aktie von Teamviewer hat ihre Erholungsbewegung der vergangenen Wochen am Dienstag ruckartig beendet. Rund sieben Prozent verliert der Titel im frühen Handel. Mit 43 Euro ist der MDax-Titel damit noch weiter vom Höchststand entfernt, den er bereits im Sommer erklommen hatte. Damals war das Papier bis zu 54,86 Euro wert.

Permira musste bei der Platzierung zwar ebenfalls einen Abschlag von acht Prozent auf den Xetra-Kurs vom Montag hinnehmen - 22 Millionen Aktien wurden zu 42,25 Euro abgegeben.

Milliardengewinne für den Investor

Doch insgesamt ist der Corona-Krisengewinner Teamviewer für den Finanzinvestor Permira eine Goldgrube: Zum dritten Mal seit dem Börsengang vor gut einem Jahr hat Permira bei dem Softwareunternehmen nun bereits Kasse gemacht. Damit schmilzt der Anteil von Permira, die vor sechs Jahren bei der Start-up-Firma aus Göppingen eingestiegen war, von 39 auf 28 Prozent.

Für den Investor ist die Beteiligung an Teamviewer eines der erfolgreichsten Engagements in Deutschland. Permira-Deutschlandchef Jörg Rockenhäuser hatte rund 870 Millionen Euro für das 2005 gegründete Unternehmen hingelegt. Mit dem Börsengang und drei Aktienplatzierungen hat der Investor inzwischen 4,9 Milliarden Euro erlöst - und hält noch immer Aktien im Wert von fast 2,4 Milliarden Euro. An der Börse ist das im Nebenwerteindex MDax gelistete Unternehmen mehr als neun Milliarden Euro wert.

Corona-Schub mit Fragezeichen

Teamviewer profitierte vor allem zu Beginn der Corona-Krise massiv, weil viele Unternehmen ihre Mitarbeiter für das Home Office ausrüsten mussten. Dafür griffen sie vermehrt auf die Teamviewer-Software zurück, um Computer aus der Ferne warten, steuern oder vernetzen zu können. Seit den Ausgangsbeschränkungen Mitte März hat sich der Aktienkurs noch immer mehr als verdoppelt.

Ob die Aufwärtsreise der Aktie weitergehen kann, dürften die nächsten Geschäftszahlen zeigen. Für das zweite Quartal hatte Teamviewer im Juli einen Anstieg bei den Umsätzen um 45 Prozent auf 105,9 Millionen Euro gemeldet. Damit war die Wachstumsgeschwindigkeit gegenüber dem ersten Quartal allerdings bereits geringer. Auch Analysten hatten teils mit einem etwas stärkeren Wachstum gerechnet.

AB