TeamViewer-App

Aktie auf Rekordhoch Teamviewer: Alles nur ein Strohfeuer?

Stand: 09.04.2020, 12:07 Uhr

Der allgemeine Shutdown in Folge der Corona-Pandemie hat dem Göppinger Software-Unternehmen einen gewaltigen Auftragsschub verliehen - und die Aktie auf ein Rekordhoch katapultiert. Fragt sich nur, wie nachhaltig diese Entwicklung ist.

Seit sich die Viruswelle im März zu einer Pandemie ausgewachsen hat, ist die Nachfrage nach Fernwartungs- und Homeoffice-Lösungen substanziell gestiegen. Wie das im MDax gelistete Unternehmen mitgeteilt hat, dürften im gesamten ersten Quartal die sogenannten Billings - sprich in Rechnung gestellte Einnahmen - mindestens 60 Prozent höher liegen als ein Jahr zuvor.

Entsprechend dynamisch hat der Aktienkurs reagiert. Nachdem er bis Mitte März zunächst auf knapp 25 Euro eingebrochen und damit noch unter die Erstnotiz von 26,25 Euro gefallen war, ging es anschließend rasant nach oben, um über 50 Prozent. Zuletzt notiert das Papier bei gut 37 Euro. Ein gewaltiger Anstieg innerhalb von nur zwei Wochen.

Führung mahnt zur Vorsicht

Während die Anleger jubeln, mahnt das Unternehmen zur Vorsicht. Der Vorstand geht davon aus, dass es sich bei dem Nachfrageschub im März um eine vorübergehende Entwicklung handelt. An seiner bisherigen Prognose für das laufende Jahr hält er deshalb vorerst fest. Denn insgesamt sei das Geschäftsumfeld unsicher, und die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise seien noch nicht einzuschätzen. Die tatsächlichen Zahlen des ersten Quartals will Teamviewer am 12. Mai veröffentlichen.

Die DZ Bank bleibt dennoch bullisch. Sie hat den fairen Wert der Teamviewer-Aktie von 34,40 auf 44,60 Euro angehoben und die Einstufung auf "Kaufen" belassen. Damit hätte das Papier noch ein Kurspotenzial von 20 Prozent.

Probleme per Fernzugriff beheben

Das Software-Unternehmen könne zu Recht als einer der wenigen Gewinner der Corona-Krise bezeichnet werden, schrieb Analyst Armin Kremser in seiner jüngsten Studie. Aufgrund der mit der Pandemie verbundenen sozialen Distanzierung wachse weltweit die Erkenntnis, dass Fernkonnektivität ein Schlüssel zur Lösung vieler Probleme sein könne. Das Unternehmen habe allerdings seinen Ende Februar veröffentlichten Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bisher noch nicht angehoben.

Teamviewer bietet Support-Lösungen für Home-Office-Tätigkeiten an. Hierzu zählt etwa das Angebot, sich bei Computer-Problemen per Fernzugriff und Fernsteuerung in das System eines Nutzers einzuklinken, um auf diese Weise mögliche Fehler zu analysieren und zu beheben. Dabei wendet sich Teamviewer besonders an mittelständische und Kleinunternehmen ohne eigenen IT-Support.

Was machen die Konkurrenten?

Teamviewer könnte also von der zunehmenden Digitalisierung und vom derzeitigen Boom des Home Office profitieren. Unklar ist aber, ob das digitale Arbeiten von zu Hause eine dauerhafte Entwicklung ist, oder ob es sich um einen vorübergehenden Hype handelt, der nach dem Ende der Pandemie bedingten Ausgehbeschränkungen wieder abebbt.

Zudem drängen zunehmend große Anbieter von Videokonferenzen, Messengerdiensten und Kommunikationssoftware auf den Markt, allen voran Microsoft, Zoom oder Facebook, die mittelfristig kleineren Firmen wie Teamviewer das Leben schwer machen könnten.

Möglicher Kaufkandidat

Teamviewer hatte im vergangenen September 84 Millionen Aktien zu einem Preis von 26,25 Euro bei neuen Investoren untergebracht. Das Geld floss voll und ganz dem Finanzinvestor Permira zu. Zum Ausgabepreis wurde Teamviewer mit 5,25 Milliarden Euro bewertet. Inzwischen hat Permira den jüngsten Kurssprung genutzt, um für gut 700 Millionen Euro Teamviewer-Aktien zu verkaufen. Der Anteil Permiras an dem Softwareunternehmen ist damit um elf Prozentpunkte auf 51,5 Prozent gesunken.

Analysten halten weitere Anteilsverkäufe für wahrscheinlich. Dabei könne nicht ausgeschlossen werde, dass Teamviewer in den Fängen eines der Techriesen aus den USA lande. Sollten entsprechende Gerüchte auftauchen, würden sie der im MDax notierten Aktie des Unternehmens weiteren Auftrieb bescheren.

lg