Hand mit qualmender Zigarette

Chancen, Risiken, Nebenwirkungen Tabak-Aktien – Zum Teufel mit der Moral?!

Stand: 27.02.2020, 16:01 Uhr

Tugendhaftes Investieren ist en vogue, "sündige" Tabak-Aktien werden von vielen Anlegern mittlerweile gemieden. Doch es könnte sich lohnen, gegen den Strom zu schwimmen.

Schon seit vielen Jahren macht das veränderte Gesundheitsbewusstsein der Konsumenten der Tabakbranche zu schaffen. Die Raucherzahlen gehen zurück. In den USA waren im Jahr 2018 beispielsweise noch knapp 14 Prozent der Bevölkerung Raucher. Man mag es kaum glauben, aber im Jahr 1965 rauchten noch mehr als 40 Prozent der Erwachsenen. Der Anteil der Raucher an der Weltbevölkerung sinkt zwar. Weil die Weltbevölkerung steigt, bleibt nach Zahlen der WHO die Zahl der Raucher mit 1,1 Milliarden aber konstant.

Hinzu kommen verstärkte Bemühungen der verschiedenen Regierungen, die Branche zu regulieren. In Deutschland etwa wird derzeit ein Tabakwerbeverbot diskutiert, der Konsum wird längst eingeschränkt, die Preise verteuert. In den USA wurde das Mindestalter von 18 auf 21 Jahre heraufgesetzt.

Marlboro von Philip Morris

Marlboro Philip Morris. | Bildquelle: colourbox.de

Auch E-Zigaretten nicht ungefährlich

In diesen Zeiten kam der Tabakindustrie die Erfindung neuer Produkte gerade recht: Der seit Jahrzehnten anhaltende Schwund bei den Zigarettenverkäufen sollte durch neue Produkte wie E-Zigaretten aufgefangen werden. Die Konzerne versuchten auf den Zug aufzuspringen. So erwarb der US-Konzern Altria beispielsweise einen Anteil von 35 Prozent am E-Zigarettenhersteller Juul für 12,8 Milliarden Dollar.

Im Nachhinein erwies sich das als kein gutes Geschäft. Seit dem Einstieg musste Altria 8,6 Milliarden Dollar auf die Beteiligung abschreiben. Immer neue Studien befassten sich mit den Gesundheitsgefahren der E-Zigaretten, die als gesündere Alternative zum echten Qualm verkauft werden sollten. Viele kamen zum Ergebnis, dass es ebenfalls zum Teil erhebliche gesundheitliche Folgen durch deren Konsum zu befürchten gilt. E-Zigaretten werden sogar mit Todesfällen in Verbindung gebracht, ohne dass allerdings der Zusammenhang zweifelsfrei erwiesen wäre.     

Die US-Aufsichtsbehörde FDA verbot deshalb bestimmte Geschmacksrichtungen, die insbesondere für Jugendliche verlockend waren. Insgesamt fielen die Regulierungen nach Ansicht von Fachleuten aber weniger scharf als befürchtet aus.   

Raucher mit E-Zigarette

E-Zigarette. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Geraucht wird auch in Krisenzeiten

Auch deshalb gibt es derzeit durchaus Marktbeobachter, die den gesamten Sektor im Hinblick auf die mittlerweile günstigen Bewertungen für attraktiv halten. Und gerade die aktuellen Ereignisse könnten positive Folgen für die Aktien der Tabakkonzerne haben. Denn das Geschäftsmodell funktioniert auch in Zeiten schwächelnder Konjunktur, die Einnahmen bleiben relativ stabil.

Schließlich verfügen Tabakkonzerne traditionell über hohe freie Cashflows. Somit bleibt viel Geld übrig, um hohe Dividenden an die Aktionäre zu zahlen.

"Robuste Zahlen"

Der Tabakkonzern BAT stellte heute die Zahlen des ersten Halbjahres vor: Der Umsatz kletterte von 24,49 Milliarden auf 25,88 Milliarden Pfund. Das Ergebnis vor Steuern ging aber von 8,4 Milliarden auf 7,9 Milliarden Pfund zurück. Die Analysten von Jeffries, Barclays und JPMorgan bestätigten daraufhin ihre Kaufempfehlungen.

Die Ergebnisse unterstrichen die Stärke des Geschäftsmodells, schrieb JPMorgan-Analystin Celine Pannuti. Der Ausblick sei ebenfalls ermutigend. Owen Bennet von Jeffries sprach von robusten Zahlen.

ts  

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Die fünf größten Tabakkonzerne Geraucht wird immer

<strong>Philip Morris</strong><br/>Mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden US-Dollar ist Philip Morris der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Ende Februar war das Unternehmen zwar noch 134 Milliarden wert. 20 Milliarden sind also verdampft. <a href="" externalId="e13e5d22-ae48-46e2-bc40-9738201af940">Andere Branchen hat es aber deutlich härter getroffen</a>. <br/><br/>Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Virginia Slims, L&M und Chesterfield.<br/><br/>Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa.: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 5 Jahre

Philip Morris
Mit einer Marktkapitalisierung von rund 110 Milliarden US-Dollar ist Philip Morris der weltgrößte börsennotierte Tabakkonzern. Ende Februar war das Unternehmen zwar noch 134 Milliarden wert. 20 Milliarden sind also verdampft. Andere Branchen hat es aber deutlich härter getroffen.

Sieben der weltweit 15 Top-Zigaretten-Marken gehören zu Philip Morris, darunter Virginia Slims, L&M und Chesterfield.

Philip Morris International ist aus dem früheren Altria-Konzern, einem weit verzweigten Mischkonzern, hervorgegangen. Während Philip Morris USA fortan unter dem Namen Altria weiterbestand, war und ist Philip Morris International zu 100 Prozent für das Auslandsgeschäft verantwortlich. Hauptumsatzbringer ist Asien, gefolgt von der EU und Osteuropa.