T-Mobile und Sprint-Logos in New York
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Sie verhandeln wieder T-Mobile US und Sprint: Was lange währt...?

Stand: 11.04.2018, 11:10 Uhr

Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor. Finden die US-Telekomtochter T-Mobile US und Sprint doch noch zusammen? An der Börse ist das Thema jedenfalls alles andere als abgegriffen.

Denn die Aktien aller Beteiligten schießen nach einem Bericht des "Wall Street Journal" in die Höhe, nach dem T-Mobile US und Sprint wieder über eine Fusion im Gespräch seien. Aktien der T-Mobile-Mutter Deutsche Telekom führen mit einem Aufschlag von gut vier Prozent den Dax an - ein zuletzt eher seltenes Bild und Balsam auf die Seelen der Aktionäre.

An der Wall Street haussierten Sprint-Papiere am Dienstag um satte 17 Prozent auf 6,02 Dollar, die von T-Mobile US an der Nasdaq um 5,7 Prozent auf 63,13 Dollar. Nicht das erste Mal, dass die Börse so positiv auf Meldungen eines möglichen Zusammengehens reagiert.

Der Markt sendet eine damit klare Botschaft: T-Mobile und Sprint zusammen, das wäre eine 'Win-Win-Situation'. Nicht nur hohe Kosteneffekte würden erzielt, ein fusioniertes Unternehmen wäre mit dann rund 100 Millionen Kunden auch auf Augenhöhe mit den beiden US-Platzhirschen AT&T und Verizon. AT&T hat derzeit 93, Verizon 116 Millionen Kunden.

Offen bleibt aber die kartellrechtliche Beurteilung. Deutsche Bank-Analyst Matthew Niknam gießt denn auch Wasser in den Wein: Er hält die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenschlusses aus diesen Gründen für relativ gering.

Vorteil T-Mobile

Zur Erinnerung: Die bisher letzten Gespräche waren Anfang November 2017 an der Frage der Machtverteilung in einem fusionierten Unternehmen gescheitert. Schon zuvor waren Pläne am Einspruch der US-Behörden gescheitert. Sprint gehört mehrheitlich zum japanischen Softbank-Konzern, dessen Gründer Masayoshi Son wollte aber nach Medienberichten die Kontrolle nicht aufgeben.

Seitdem hat sich aber viel getan. T-Mobile US ist weiter auf Wachstumskurs, im vierten Quartal wurden 891.000 neue Kunden geworben, Sprint kann da nicht mithalten. Für JPMorgan-Analyst Akkhil Dattani ein wichtiger Verhandlungstrumpf für die Telekom, sollte sich der "WSJ"-Bericht bewahrheiten. Allerdings seien die Verhandlungen noch nicht weit fortgeschritten, schreibt das Blatt und beruft sich dabei auf eingeweihte Kreise.

Nach den Berechnungen des Experten dürfte die Telekom (die 63 Prozent an T-Mobile US hält) rund 45 Prozent an einem fusionierten Unternehmen halten. Sprint 24 Prozent. Die anderen Anteile lägen bei institutionellen Investoren oder im Streubesitz. Für die Telekom wäre eine Klärung der Verhältnisse in den USA besonders wichtig.

T-Mobile gilt derzeit als (einziges) wirkliches Wachstumssegment im Portfolio des Bonner Dax-Konzerns. Sorgen um die Konzerntochter T-Systems, dabei hohe anstehende Investitionen in das Netz und den neuen Mobilfunkstandard 5G stehen an. Trotz eins solide laufenden Kerngeschäfts halten sich die Investoren da lieber bedeckt, wie an der Wertentwicklung der T-Aktie abzulesen ist. 2017 verlor sie 9,5 Prozent und auch im laufenden Jahr reißt das im Dax schwer gewichtete Papier keine Bäume aus.

rm