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Dritter Versuch erfolgreich T-Mobile US vermählt sich mit Sprint

Stand: 30.04.2018, 14:46 Uhr

Die US-Tochter der Deutschen Telekom startet den dritten Versuch einer Hochzeit mit dem Rivalen Sprint. Am Sonntagabend verkündeten beide Konzerne den milliardenschweren Zusammenschluss.

T-Mobile US kann es nicht lassen: Zwei Mal schon hatte die Telekom-Tochter mit dem kleineren Mobilfunk-Konzern Sprint angebandelt - und einen Korb bekommen. 2014 hatte die US-Regierung den Deal blockiert. Vor fünf Monaten wurde erneut die Vermählung abgeblasen, weil sich die Flirtpartner nicht auf Preis und Besitzverhältnisse einigen konnten.

Aller guten Dinge sind drei...

Nun wagt die amerikanische Telekom-Tochter einen dritten Anlauf für die Milliarden-Hochzeit. Die Unternehmen gaben am Sonntagabend die Milliarden-Fusion im Rahmen eines Aktientauschs bekannt. Für jeweils 9,75 Sprint-Anteile erhalten deren Aktionäre im Gegenzug eine neue Aktie der T-Mobile US ohne bare Zuzahlung, teilte die Telekom mit. Chef des fusionierten Konzerns soll T-Mobile-US-Boss John Legere werden.

T-Mobile und Sprint-Logos in New York

T-Mobile und Sprint-Logos in New York. | Bildquelle: picture alliance / Photoshot, Montage: boerse.ARD.de

Nach eigenen Angaben soll die Deutsche Telekom an dem kombinierten Konzern 42 Prozent halten. Die japanische Sprint-Mutter Softbank sei zu 27 Prozent beteiligt, freie Aktionäre zu rund 31 Prozent. Die Telekom will aber die Stimmrechtskontrolle haben und könnte damit die neue Gesellschaft in der Bilanz behalten. Für die Telekom ist das wichtig, schließlich hat sich das US-Geschäft zu einem Umsatzgaranten entwickelt. Bislang ist der Bonner Konzern mit 63 Prozent an T-Mobile US beteiligt. Softbank hält 84,7 Prozent an Sprint.

Aktienkurse ziehen zunächst an

An der Börse wurde die Nachricht zunächst gefeiert. Schon am Freitag, als die Fusion noch nicht offiziell war und es lediglich erste Medienberichte gab. Der Sprint-Kurs legte mehr als acht Prozent zu. T-Mobile US um etwa ein Prozent. Auch die Aktie der Deutschen Telekom stieg am Freitag um 1,4 Prozent. Heute gewann der Dax-Titel zeitweise mehr als drei Prozent, fiel dann aber in die Minuszone zurück. Bei knapp 16 Euro verläuft derzeit 200-Tage-Linie, die einen wichtigen charttechnischen Widerstand darstellt.

Die Vereinbarung steht nach Angaben des Bonner Konzerns unter dem Vorbehalt notwendiger behördlicher Genehmigungen und der Zustimmung der Aktionäre von T-Mobile US und Sprint sowie weiteren Vollzugs-Bedingungen. Sollte es tatsächlich zu einer Fusion von T-Mobile US und Sprint kommen, würden sich die Kräfteverhältnisse auf dem umkämpften amerikanischen Mobilfunkmarkt verändern. Aus dem Zusammenschluss entstünde ein Konzern mit mehr als 127 Millionen Kunden, der den beiden US-Platzhirschen Verizon und AT&T deutlicher stärker auf den Leib rücken würde. Zusammen brächten die Unternehmen es auf einen Börsenwert von mehr als 80 Milliarden US-Dollar.

Diesmal könnte es klappen

Analysten schätzen die Wahrscheinlichkeit diesmal höher ein, dass die Fusion über die Bühne geht. Eine Verbindung würde beiden Unternehmen auch zu einer besseren Position beim Aufbau der Netze für die Zukunftstechnologie 5G verhelfen. Dafür werden hohe Investitionen fällig. Gemeinsam könnten die Firmen ihren 5G-Aufbau deutlich beschleunigen. Ein solches Netz wird benötigt, damit riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit Milliarden Geräte vernetzt werden können. Allerdings könnte das Geschäft noch von den Wettbewerbshütern blockiert werden.

Analyst Dhananjay Mirchandani vom US-Analysehaus Bernstein Research sprach in einer ersten Einschätzung von einem attraktiven Deal für den Konzern - im dritten Anlauf. Positiv auch französische Großbank Société Générale (SocGen), die die Aktie weiterhin zum Kauf empfiehlt mit einem Kursziel von 19,50 Euro. Der Deal sorge für einen Schub bei den Netzwerkkapazitäten und der Preismacht von T-Mobile US, schrieb Analyst Ottavio Adorisio. Es gebe zwar erhebliche kartellrechtliche Hürden, doch diese könnten genommen werden.

Für die Telekom wäre das Happy End in dieser langen Partnersuche ein Schlussstrich unter ein US-Abenteuer, das zeitweise einem teuren Missverständnis glich.Denn lange war die 2001 vom damaligen Telekom-Chef Ron Sommer für horrende 40 Milliarden Euro eingekaufte US-Sparte ein Sorgenkind. T-Mobile US schrieb zunächst Verluste. Erst in den letzten Jahren mauserte sich die Telekom-US-Tochter zum großen Umsatz- und Gewinnbringer.

nb

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