Agrochemie

Nutzinsekten von Syngenta Bioline werden an einer Tomatenstaude in einem Gewächshaus zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt.

Aktie zieht deutlich an Syngenta weckt chinesische Begehrlichkeiten

Stand: 13.11.2015, 08:51 Uhr

Syngenta-Aktionäre haben kaum Zeit zum Durchatmen. Der Schweizer Agrochemiekonzern steht weiter auf der Kaufliste der Konkurrenz. Neues Interesse kommt jetzt aus China.

Wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, will der chinesische Chemiekonzern ChemChina bei Syngenta einsteigen. Die Chinesen, die sich danach bereits in Gesprächen mit dem Unternehmen befinden, bieten 449 Franken je Aktie, das wäre ein Aufschlag auf den Schlusskurs vom Donnerstag (345,90 Franken) von rund 30 Prozent. Syngenta wäre damit mit 41,7 Milliarden Franken (38,6 Milliarden Euro) bewertet.

Allerdings haben die Schweizer das Angebot bereits abgelehnt, angeblich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen. Trotzdem seien die Unternehmen weiter im Gespräch, eine Einigung wird nicht ausgeschlossen. Allerdings spreche Syngenta auch mit anderen Interessenten und hält sich eine Selbstständigkeit weiterhin offen.

Vorstand unter Druck

Keine drei Monate ist es her, dass der US-Konkurrent Monsanto mit seinem Versuch abgeblitzt war, Syngneta zu schlucken. In einem zähen Ringen hatten die Amerikaner ihr Angebot im August bis auf 470 Franken je Aktie erhöht, eine Bewertung von 43,7 Milliarden Franken.

Das Ende ist bekannt, der Deal scheiterte zum Ärger vieler Aktionäre am Widerstand des Syngenta-Managements, das auch das erhöhte Angebot als zu niedrig abgelehnt hatte. Seitdem brodelt es hinter den Kulissen, denn am Markt galt das Monsanto-Angebot seinerzeit als durchaus attraktiv. Die Syngenta-Aktie fiel nach dem gescheiterten Deal deutlich zurück, Milliarden an Börsenbewertung wurden vernichtet. Seitdem versucht der Vorstand, die Aktionäre mit einem Aktienrückkaufprogramm oder dem Verkauf von Teilbereichen zu besänftigen.

Oligopolistischer Markt

Der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel und Saatgut wird von einer Handvoll Unternehmen kontrolliert, unter anderem sind auch die deutschen Dax-Mitglieder BASF und Bayer dabei. Zu nennen sind auch die US-Konkurrenten DuPont und Dow Chemical und natürlich weiterhin Monsanto. Wegen gesunkener Weizenpreise ist der Markt aber zuletzt unter Druck gekommen. Zudem laufen die Geschäfte im rezessionsgeplagten Brasilien und anderen lateinamerikanischen Ländern derzeit nur mäßig.

Aktie legt deutlich zu

Es wundert kaum, dass angesichts der brodelnden Gerüchteküche in die Syngenta-Aktie neuer Schwung gekommen ist. An der New York Stock Exchange stiegen die dort notierten ADRs nachbörslich um fast 13 Prozent. In Europa wird dies Kursbewegung heute nachvollzogen werden.

So ganz haben die Anleger dem Übernahme-Frieden allerdings nie getraut. Denn an der Schweizer Heimatbörse ist die Aktie auch im Jahreshoch bei gut 430 Franken im Mai nie an das seinerzeitige Angebot von Monsanto herangekommen.

rm